Galileo in Oberpfaffenhofen: Ein Aushängeschild der Marke Bayern

- Oberpfaffenhofen - ­ Ministerpräsident Edmund Stoiber hat die Europäische Union zu noch größeren Anstrengungen bei technologischen Großprojekten aufgefordert. Deutschland solle während seiner EU-Ratspräsidentschaft die Forschung und Entwicklung neuer Technologien zu einem Schwerpunkt machen, sagte Stoiber bei der Grundsteinlegung für das Kontrollzentrum des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo in Oberpfaffenhofen.

Das rund 3,5 Milliarden Euro teure Projekt soll in Konkurrenz zum US-amerikanischen GPS-System aufgebaut werden. Von 2008 an liefern Satelliten Positionsdaten für Navigationssysteme etwa in Fahrzeugen. "Mit dem Kontrollzentrum wird das Kernelement der terrestrischen Galileo-Infrastruktur nach Deutschland geholt", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee bei der Grundsteinlegung am Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Dort entstehen, so Tiefensee, 100 neue hochwertige Arbeitsplätze. "Wir können mit Fug und Recht von einem Exzellenzzentrum für Satellitennavigation sprechen."

Kunden bekommen eine Garantie

Mit Galileo will Europa die Vormachtstellung der US-Variante GPS (Global Positioning System) brechen. Galileo soll genauer und zuverlässiger arbeiten und vor allem für zivile Dienste eingesetzt werden. Das System kann die Position eines Gegenstandes auf der Erde mit einer Abweichung von wenigen Zentimetern bestimmen. Einsatzgebiete sind vor allem der Auto-, Flug- und Schiffsverkehr.

Bis 2020 sollen 3,6 Milliarden Empfangsgeräte bedient werden. Für das System werden 30 Satelliten auf drei Erdumlaufbahnen geschossen. Das GPS-System verfügt nur über 24 Flugkörper. Im Gegensatz zum GPS will Galileo seinen Kunden eine Garantie für seine Dienstleistung geben.

Galileo ist auch nach Ansicht Stoibers ein Paradebeispiel für eine gelungene Forschungs- und Technologiepartnerschaft in Europa. "Gegenüber anderen Wirtschaftsräumen wie Asien oder Nordamerika brauchen wir mehr Projekte wie Galileo, damit wir in Europa mit technologischer Führung gute Arbeitsplätze und Wohlstand für die Bürger sichern", sagte der CSU-Vorsitzende. Das Kontrollzentrum sei ein neues weltweites Aushängeschild "der Marke Bayern". Das High-Tech-Land Bayern werde jetzt auch zum Vorreiter der Satellitentechnologie in Europa.

Bis zu 30 Satelliten sollen bei Galileo auf drei verschiedenen Erdumlaufbahnen die gesamte Erdoberfläche optimal abdecken und präzise Positionsdaten für Navigationssysteme in Fahrzeugen liefern. Wegen der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Galileo etwa im Verkehr, im Umweltschutz oder bei der Energieversorgung oder auch in der Landwirtschaft wird das Beschäftigungspotenzial auf weit über 100\x0f000 Arbeitsplätze in Europa geschätzt. 

Bereits seit 2003 ist in Ottobrunn bei München der Hauptsitz des Auftragnehmerkonsortiums für Galileo, das das System allerdings nur in der ersten Phase aufbaut. In Berchtesgaden wird zudem nach Angaben der Bayerischen Staatskanzlei derzeit ein Testfeld für die unterschiedlichen Anwendungen von Galileo errichtet.

Erst vor wenigen Wochen gab es jedoch einen erneuten Rückschlag für das Projekt. Im September wurde bekannt, dass sich der Start des zweiten Testsatelliten "Giove-B" noch einmal verzögert. Er ist nun für das Frühjahr 2007 geplant. Damit liegt das Konsortium bereits ein Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.

Der Start war ursprünglich für das Frühjahr 2006 geplant gewesen, dann wurde er auf diesen Herbst verschoben. Begründet wird die Verschiebung mit Problemen an Bauteilen. Der Zeitplan für den Aufbau des Galileo-Systems sei aber nicht in Gefahr, hieß es.

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