Galileo: Startschuss fürs Euro-GPS

- München - Das europäische Satelliten-Navigations-System Galileo ist auf den Weg gebracht. Gestern unterzeichneten die Weltraumorganisation ESA und Galileo Industries einen Vorvertrag für die zweite Phase des Projekts.

<P>Von einem wichtigen Meilenstein spricht Evert Dudok, Geschäftsführer von EADS Astrium. Nach langem Tauziehen sei damit der Startschuss gefallen. Tauziehen gehört zu den üblichen Ritualen bei dem europäischen Prestigeprojekt, bei dem deutsche und italienische Interessen immer wieder kollidieren. Das ist bereits teuer geworden.<BR><BR>Allein um die für Galileo zugeteilten Funkfrequenzen nicht zu verlieren, müssen jetzt zwei Platzhalter-Satelliten in den Orbit geschossen werden. Dies muss bis 2006 geschehen sein. Eigentlich sollten bis zu diesem Zeitpunkt bereits vier richtige Galileo-Satelliten von ihrer Umlaufbahn Signale zur Erde senden (siehe Kasten). Doch diese sind nun erst 2008 startklar. Und die eigentlich bereits für 2008 vorgesehene Betriebsfähigkeit des Systems mit 30 Satelliten wurde auf 2010 vertagt.<BR><BR>Allein die beiden Platzhalter verursachen Mehrkosten in Höhe von 100 Millionen Euro. Doch diese Summe ist im erhöhten Finanzbedarf noch nicht vorgesehen. Dieser ist für die zweite Phase (Entwicklung der Hardware) von ursprünglich vorgesehenen 900 Millionen Euro auf 1050 Millionen geklettert, die die öffentlichen Hände der beteiligten Staaten über die ESA und die EU tragen müssen.<BR><BR>Ein Zurück allerdings ist unwahrscheinlich. Denn auch die USA, die noch mit ihrem militärischen System GPS ein Monopol im Bereich der Satellitennavigation haben, entdecken allmählich den wirtschaftlichen Nutzen - und wollen in Konkurrenz zu den Europäern treten. Bisher ist GPS ein militärisches System, das der Öffentlichkeit nur eingeschränkt und zeitweise überhaupt nicht zur Verfügung steht. Galileo dagegen präsentiert sich als ziviles System - das Kunden Verfügbarkeit sogar garantiert. Bislang ist dies ein strategischer Vorteil der Europäer, der allerdings durch politischen Streit und weitere Verzögerungen verspielt werden könnte. Denn schon zwei Jahre nach Galileo wollen die USA die dritte GPS-Generation starten, die offener für zivile Anwendungen sein soll und den technologischen Vorsprung zu den Europäern aufholen dürfte.<BR><BR>Der nächste Härtetest für Europa wird die Entscheidung über das Betreiber-Konsortium und fällt ab Februar 2006. Im Rennen sind noch ein Konsortium von EADS, Inmarsat und Thales und eines mit Alcatel und der italienischen Finmeccanica. Wer unterliegt, hat die Möglichkeit, das Projekt mit Klagen zweiter zu verzögern. Deshalb ist wahrscheinlich, dass auch unterlegene Bewerber durch Unteraufträge zum Zug kommen, um weitere Verzögerungen zu vermeiden.<BR><BR><BR></P>

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