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Alte Bekannte. Die Gesichter auf den alten D-Mark-Scheinen, wie das der Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff auf den grünen 20ern oder das der Pianistin Clara Schumann auf den blauen 100ern.

"Gammelgeld": D-Mark ist nicht wertlos

Berlin - Zehn Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds schlummern noch Milliarden D-Mark versteckt in Deutschland. Tauchen sie wieder auf, sind sie oft kaputt, aber nicht verloren.

Der dunkle Fetzen ist kaum noch als Geldschein erkennbar. Feuchtigkeit und Pilze haben sich tief in den Stoff gefressen. „Das heißt aber nicht, dass er nichts mehr wert ist“, sagt Frank Herzog. Behutsam legt der 45-Jährige das, was von dem Geld noch übrig ist, unter ein Mikroskop. Mit einem feinen Messer beginnt er, Schmutz von den Rändern des braunen 50-D-Mark-Scheins zu kratzen.

Bis zu 20 Jahre haben die Scheine in einer Sickergrube eines Bauernhofs gelegen, bevor sie entdeckt wurden. Damit sind sie aber nicht verloren. Denn was viele nicht wissen: Auch heute noch werden alte D-Mark-Bestände umgetauscht – selbst wenn sie stark beschädigt sind. Dafür zuständig sind Herzog und seine Kollegen im Nationalen Analysezentrum der Bundesbank in Mainz.

Noch immer schlummern laut Bundesbank rund 13,3 Milliarden D-Mark irgendwo auf der Welt. Insgesamt sollen etwa dreimal so viel Franc, Gulden, Lire, D-Mark und die anderen Vorgängerwährungen des Euro noch nicht getauscht worden sein, schätzt die EZB. Im vergangenen Jahr hat die Bundesbank alleine 145 Millionen D-Mark gewechselt. Nach Jahren taucht das Geld in Verstecken im Wandschrank, vergraben im Garten oder in einer Sickergrube wieder auf. Oft hat es über die Zeit sehr gelitten. 15 Mitarbeiter kümmern sich im Analysezentrum um beschädigtes Bargeld. Es wird untersucht, gezählt und umgetauscht. Beschädigte Euro- und D-Mark-Scheine sowie -Münzen im Wert von 32,3 Millionen Euro wurden alleine 2011 bearbeitet.

Vorsichtig dreht Herzog den Geldklumpen auf eine Seite. Einige Scheine konnte er schon voneinander lösen. Aber ein Bündel hängt noch fest zusammen. „Wenn Geld feucht ist, verbindet es sich“, erklärt der Begutachter.

Beschädigte Münzen und Scheine würden erstattet, wenn noch mehr als die Hälfte von ihrem Material übrig sei, erläutert der Leiter des Analysezentrums, Rainer Elm. Damit soll sichergestellt werden, dass sie nicht zweimal eingereicht werden. Ist allerdings mehr als die Hälfte vernichtet, kann es unter bestimmten Bedingungen trotzdem umgetauscht werden: „Das geht, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Rest unwiederbringlich verloren ist“, erklärt Elm.

Hundebesitzer reichten oft zerrissene Scheine ein, weil ihre vierbeinigen Freunde sie zerfetzt hatten, erzählt Elm. Eine Frau habe einen Geldfetzen mit entsprechender Begründung eingeschickt. „Das konnten wir aber nicht erstatten, weil das Stück zu klein war“, erklärt Elm. Zwei Wochen später sei der zweite Teil der Note eingeschickt worden. „Die Frau hat offensichtlich gewartet, bis der Hund den Rest verdaut hatte.“ Dann bekam sie das Geld erstattet.

Unterdessen greift Herzog für den Klumpen Geldscheine tiefer in die Trickkiste. „Die Sicherheitsfäden zersetzten sich nicht so stark wie der Rest“, sagt Herzog und zeigt auf die silbernen Streifen, die aus dem Geldkloß emporragen. Er nimmt einen der Fäden und legt ihn auf eine Leuchte. In der Mitte des Streifens scheint der Schriftzug „50 DM“ deutlich auf. „Wegen der Fäden kann ich das Geld auch so zählen“, erklärt Herzog.

Mindestens drei Wochen dauert es, bis das Geld auf dem Konto der Betroffenen eingeht. „Bei schweren Fällen kann es bis zu drei Monate dauern“, sagt Elm. Bei jedem Antrag fällen zwei Mitarbeiter unabhängig voneinander ihr Urteil. Gründlichkeit ist wichtig, damit keine Fälschungen erstattet werden.

Eingereichte Scheine sind häufig verbrannt. Bei einem Wohnungsbrand gehen schnell Vermögen in Flammen auf. „Deshalb empfehlen wir feuerfeste Verstecke für Banknoten“, sagt Elm. Schon eine Schatulle aus Porzellan kann reichen. Für diesen Tipp steht auch das Maskottchen der Abteilung bei der Bundesbank: ein verrußtes Sparschwein. Bei einem Brand hatte es sicher Scheine und Münzen verwahrt.

Aber warum bewahren Menschen überhaupt D-Mark auf, mit denen sie gar nicht mehr bezahlen können? Für Jürgen Morgenstern, den Vorsitzenden der Deutschen Geldschein- und Wertpapiersammler e.V., ist die Antwort klar: „Das ist einfach eine schöne Erinnerung.“ Oder aber das Geld sei einfach irgendwo vergessen worden.

Herzogs Arbeit ist fast erledigt. Die Geldscheine sind gezählt. Bis zu 50 000 DM können die Besitzer erstattet bekommen. Der genaue Betrag bleibt geheim. Bevor das Geld getauscht werden kann, muss Herzog noch sicherstellen, dass die Scheine auch echt sind. „Das sehen wir sehr schnell“, meint er. Einige Stellen auf den Noten sind erhoben – ein Indiz für echte Noten. „Fälschungen sind nie so haltbar wie die Originale“, sagt er. Bei diesen Geldfetzen könne er sich sicher sein, dass es keine Blüten sind.

Von Stephan Scheuer

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