Ganze Gewerbegebiete sind von der Datenautobahn abgeschnitten

- Das Thema DSL brennt den Menschen auf den Nägeln. Vor allem wer beruflich auf eine schnelle Internet-Verbindung angewiesen ist, hat Grund zur Sorge. Denn es sind ganze Gewerbegebiete in Oberbayern von der Datenautobahn abgeschnitten. Keineswegs nur im ländlichen Raum. Und wo eine Lösung gefunden wird, ist diese oft nicht tragfähig.

Auch noch kein DSL?

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So erging es der Consultingfirma MTE von Karlheinz Roeder. Jahrelang bemühte sie sich um einen DSL-Anschluss ­ erfolglos. Die Entfernung sei zu groß. Dann klappte es doch. Doch die Datenautobahn erwies sich als Trampelpfad. Gerade 386 Kilobit schafft die Leitung pro Sekunde aus dem Internet zu laden. Verlangt aber wird die Gebühr für das eigentlich dreimal schnellere DSL 1000.

Die Telekom sieht sich nicht in der Verantwortung: Sie hat sich nur verpflichtet, einen Telefonanschluss ins Haus zu legen, aber keinen fürs Internet. DSL nutzt zwischen Vermittlungsstelle und Hausanschluss zwar die gleichen Leitungen. Doch je länger die Leitung, desto weniger DSL-tauglich ist sie. Bei fünf Kilometern ist Schluss. Schon vorher wird die Datenübertragung auf eine geringere Stufe zurückgeschaltet.

Das Land ist für Wettbewerber der Telekom uninteressant

"Wir erreichen in Bayern 94 Prozent der Haushalte", sagt Telekom-Sprecher Harry

Fuchs. 100 Prozent sind nicht zu erreichen. Ob jemand, der auf einen Anschluss wartet, Chancen hat, hängt, wie Fuchs sagt, von mehreren Faktoren ab. Wenn es sich für das Unternehmen rechnet, wird gebaut.

Damit die Deutsche Telekom aktiv wird, muss eine entsprechende Nachfrage vorhanden sein. Aber auch die technischen Bedingungen spielen eine Rolle. Wo leistungsfähige Leitungen in der Nähe vorbeiführen, ist das schnelle Internet leichter ein zurichten als an Orten, zu denen kilometerweit neue Kabel verlegt werden müssen.

Hoffnungen auf den Einsatz von Fördermitteln der EU, wie ihn die SPD-Landtagsabgeordnete Hildegard Kronawitter beantragt hat, erteilte Wirtschaftsminister Erwin Huber eine Absage: "Wer verlangt, die Breitbandinfrastruktur im ländlichen Raum finanziell zu fördern, muss sagen, wem er dieses Geld wegnehmen will. Zusätzliche Mittel stehen nicht zur Verfügung."

Die Konkurrenten der Telekom bringen hier wenig. Ihre Infrastruktur beschränkt sich auf die großen Ballungsräume. Die Fernseh-Kabelnetzbetreiber bieten zwar ebenfalls einen Zugang. Doch auch Fernsehkabel sind vorzugsweise in Großstädten verlegt. Beim Internet über Satellit kostet die Flatrate, die Unternehmen in den meisten Fällen benötigen, etwa das Dreifache wie bei einem DSL-Anschluss.

In München kommt schon DSL der nächsten Generation

Noch weniger attraktiv ist ISDN: Philipp Langer, Geschäftsführer eines IT-Dienstleisters aus Anzing rechnet vor: "Bei T-Online können Firmen den Surftime-120-Tarif wählen. Bei 280 Stunden monatlicher Nutzung kommen sie auf 202,59 Euro. Eine DSL-Flatrate bekommen sie für 24 Euro." Die Bewohner ländlicher Gemeinden würden also doppelt bestraft. "Sie zahlen ein Vielfaches, um einen schlechteren Internet-Zugang nutzen zu können."

In München und in sehr stadtnahen Gebieten wird das vielfach schnellere VDSL, das wirklich multimediatauglich ist, DSL abzulösen. Für Philipp Langer ist das fast ein Lottogewinn. Denn auch für sein Unternehmen sah es mit einer DSL-Anbindung lange Zeit düster aus. Nun wird sein Unternehmen an das schnelle VDSL-Netz angeschlossen.

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