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„Unausgegoren, völlig unfair“: Erster Konzern-Chef geht mit Gas-Umlage hart ins Gericht

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Von: Patricia Huber

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Die Gas-Umlage trifft auf wachsenden Gegenwind - auch in der Industrie. Alle Informationen zur Gas-Krise im News-Ticker.

Update vom 23. August, 9.32 Uhr: Der Vorstand des Leverkusener Kunststoffkonzerns Covestro, Klaus Schäfer, hat die von der Bundesregierung beschlossene Umlage zur Stützung von Gasimporteuren scharf kritisiert. „Die Umlage ist hochgradig unausgegoren und völlig unfair. Kosten und Nutzen stehen nicht im Gleichgewicht“, sagte Schäfer dem Kölner Stadt-Anzeiger vom Mittwoch.

Je nach weiterer Entwicklung der Energiepreise rechnet Schäfer mit hohen Mehrkosten für sein Unternehmen. „Da müssen sich später gegenseitig Wettbewerber subventionieren“, kritisierte er. Zudem hätten einige Gasimporteure bereits erklärt, auf die Umlage verzichten zu können. „Das spricht nicht für die Präzision dieses Instruments.“ Als eine Alternative schlug der Manager eine Gassteuer vor, „die über das ganze Land verteilt würde“.

Covestro Klaus Schäfer
Covestro-Vorstand Klaus Schäfer halt die Gas-Umlage für „unausgegoren und völlig unfair“. © Rainer Unkel/Imago Images

Bundesnetzagentur plant Priorisierung bei Gasmangellage

Update vom 23. August, 15.50 Uhr: Im Falle einer akuten Gasknappheit in Deutschland wird es nach Ansicht der Bundesnetzagentur nur noch darum gehen, die Schäden so gering wie möglich zu halten. „Es gibt in einer Gasmangellage keine gute Entscheidung mehr, weil dann zu wenig Gas da ist. Wir versuchen, die Schäden dann zu minimieren“, sagte Netzagentur-Chef Klaus Müller.

Sollte es zu einer Priorisierung der Gasversorgung in der Industrie kommen, werde es mindestens drei Kriterien geben, erklärte Müller: die Vermeidung betriebswirtschaftlicher Schäden, die Berücksichtigung von Lieferketten sowie von sozialen Auswirkungen. So müsse sichergestellt werden, dass mindestens Lebensmittel und Medikamente weiterhin zur Verfügung stehen. Die Agentur werde dann versuchen, Entscheidungen mit dem geringstmöglichen Schaden zu treffen.

Kühnert: „Kerngesunde Unternehmen“ von der Gas-Umlage auszunehmen

Update vom 23. August, 14.08 Uhr: SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hat das Wirtschaftsministerium aufgefordert, rechtlich auszuschließen, dass wirtschaftlich gesunde Unternehmen von der staatlichen Gas-Umlage profitieren. „Wenn sogar kerngesunde Unternehmen mit üppigen Gewinnen Geld aus der Gasumlage erhalten können, dann sichern die Verbraucher in Deutschland damit nicht etwa deren Existenz, sondern die Renditen der Eigentümer“, sagte Kühnert am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Diese Bereicherung auf Kosten der Gaskunden muss deshalb nun klipp und klar durch das Wirtschafts- und Klimaministerium rechtlich ausgeschlossen werden.“

Stattdessen solle verankert werden, dass die Umlage lediglich die Geschäftstätigkeit insolvenzbedrohter Energieunternehmen absichere. Aus Sicht der SPD verbiete es zudem der Anstand, wenn ein Unternehmen eine Solidaritäts-Umlage kassiere und gleichzeitig eine Dividende ausschütte.

Kevin Kühnert
Kevin Kühnert spricht sich dagegen aus, dass wirtschaftlich gesunde Unternehmen von der Gas-Umlage profitieren. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Nord-Stream-1-Wartung „technisch nicht nachvollziehbar“

Update vom 23. August, 12.00 Uhr: Die Bundesnetzagentur hält die von Gazprom angekündigte erneute Wartung der Gas-Pipeline Nord Stream 1 für unbegründet. „Auch diese Wartungsunterbrechung ist für uns technisch nicht nachvollziehbar“, sagte der Präsident der Netzagentur, Klaus Müller, am Dienstag nach einem Gespräch mit Niedersachsens Landesregierung.

Alle bisherigen Argumente, es liege an den Turbinen von Siemens Energy, halte er für vorgeschoben. Die Erfahrung zeige, dass Russland „nach jeder sogenannten Wartung eine politische Entscheidung getroffen“ habe. „Ob Russland das wieder tun wird, werden wir erst Anfang September wissen“, sagte er. „Wahrscheinlich weiß das auch nur der russische Präsident an der Stelle.“

Gaspreis weiter auf Höhenflug

Update vom 23. August, 11.40 Uhr: Der Gaspreis in Europa setzt seinen Höhenflug fort. Bereits in der vergangenen Woche war der für den europäischen Gashandel richtungsweisende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse deutlich gestiegen. Am Morgen stieg der Preis um mehr als 13 Prozent auf fast 276 Euro je Megawattstunde. Am Dienstag sank der Preis dann nur minimal auf knapp 272 Euro pro Megawattstunde.

Mitte August 2021 lag der Preis für die Megawattstunde noch bei 26 Euro, wie das Vergleichsportal Check24 berichtet. Das ergibt eine Preissteigerung von circa 1.000 Prozent innerhalb eines Jahres.

Gasspeicher-Füllstand nähert sich der nächsten Zielmarke

Update vom 23. August, 10.39 Uhr: Der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher nähert sich trotz der stark reduzierten Liefermengen aus Russland der 85-Prozent-Marke. Wie am Dienstag aus im Internet veröffentlichten Daten der europäischen Gasspeicher-Betreiber hervorging, lag der Füllstand am Sonntagmorgen bei 80,14 Prozent. Der Füllstand wird immer erst mit Verzögerung gemeldet.

Eine neue Verordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. Oktober zu mindestens 85 Prozent gefüllt sein müssen. Am 1. November sollen es mindestens 95 Prozent sein. Die zum 1. September vorgeschriebenen 75 Prozent waren mehr als zwei Wochen früher erreicht worden.

Gas-Umlage kann im Winter noch steigen

Erstmeldung vom 23. August, 10.37 Uhr: Berlin – Ab Oktober müssen Gas-Kunde tiefer in die Tasche greifen. Dann tritt nämlich die Gas-Umlage in Kraft, welche noch zusätzlich zu den ohnehin schon hohen Preisen bezahlt werden muss. Die Umlage soll Versorgern zugutekommen, die zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibendes, günstigeres Gas aus Russland kaufen müssen. Die Höhe der Umlage berechnet Trading Hub Europe als Gemeinschaftsunternehmen der Fernleitungsnetzbetreiber. Das Unternehmen hatte die Umlage in der vergangenen Woche auf 2,4 Cent je Kilowattstunde beziffert.

Doch die Höhe der Gas-Umlage dürfte sich dem zuständigen Unternehmen zufolge schon bald verändern. „Alle drei Monate kann die Umlage angepasst werden. Wegen der dynamischen Entwicklung gehe ich davon aus, dass die Umlage schon in diesem Winter angepasst werden muss“, sagte der Geschäftsführer von Trading Hub Europe, Torsten Frank, der Rheinischen Post.

„Die Umlage kann bei einer Beruhigung der Lage sinken, sie kann aber auch steigen, wenn zum Beispiel Gazprom seine Lieferungen weiter drosseln sollte oder sich die Prognosen der Firmen verändern.“ (ph/dpa)

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