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Wer seinen Gasanbieter wechselt, muss nicht fürchten, dass plötzlich die Flamme am Herd erlischt. Dennoch haben bisher laut Bundesnetzagentur nur etwa zehn Prozent der Kunden ihren Anbieter gekündigt.

Gas: So lässt sich viel Geld sparen

München - Pünktlich zur Heizsaison zischen die Gaspreise wieder nach oben. Energieexperten empfehlen, jetzt den Anbieter zu kündigen. Damit könnten im Schnitt bis zu 25 Prozent der Kosten gespart werden. Was es bei einem Wechsel zu beachten gibt - die wichtigsten Tipps.

„Es gibt für die Kunden jetzt die einmalige Chance: So gut wie jetzt war die Gelegenheit noch nie“, sagte der Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel. Vor allem viele Stadtwerke seien zu teuer, weil sie sich langfristig mit teurem Gas eingedeckt hätten. Auf dem freien Gasmarkt sei der Preis in den vergangenen Monaten jedoch kräftig gesunken - weshalb andere Anbieter jetzt deutlich günstigere Angebote machten.

Vergleichsrechnern im Internet zufolge können beispielsweise Kunden der Berliner Gasag rund 40 Prozent sparen, wenn sie zur Konkurrenz wechseln. Die meisten Kunden nutzten die Gelegenheit aber noch nicht, sagte Krawinkel. „Da läuft der Gasmarkt dem Strommarkt auf Jahre hinterher.“ Dabei gebe es inzwischen deutschlandweit Alternativen und der Wechsel sei ähnlich einfach wie beim Strom.

Keine Angst vor dem Wechsel

Nach Schätzung des Verbraucherschützers zahlen mehr als die Hälfte der Kunden mehr als nötig. „Viele Stadtwerke haben sich langfristig gebunden in Verträgen, in denen der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt ist.“ Bei ihnen steige derzeit mit dem Ölpreis auch der Gaspreis. Gleichzeitig gebe es als Nachwirkung der Wirtschaftskrise ein Gasüberangebot auf dem freien Markt, Länder wie Norwegen hätten die Ölpreisbindung aufgegeben.

Bislang haben es laut Bundesnetzagentur allerdings erst etwa zehn Prozent aller Gaskunden gewagt, ihrem Versorger die rote Karte zu zeigen. Wechselwillige brauchten keine Angst zu haben, dass ihnen der Gashahn zugedreht wird, versichert Krawinkel. Der Übergang ist ein reiner Verwaltungsakt. Heizung und Herd gehen nicht aus. Niemand muss in die Wohnung. Nicht einmal der Gaszähler wird ausgetauscht. So funktioniert der Umstieg:

Gasverbrauch ermitteln

Wer einen neuen Anbieter sucht, muss seinen eigenen Gasverbrauch kennen. Die Kosten stehen auf der letzten Gasrechnung. Benötigt wird auch die Nummer des Gaszählers sowie die bisherige Kundennummer. Bei einer Preiserhöhung können Kunden in der Regel innerhalb von 14 Tagen von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Mieter ohne Etagenheizung können bei ihrem Vermieter anregen, nach billigeren Angeboten Ausschau zu halten. Einen Rechtsanspruch auf Günstig-Energie hat allerdings niemand.

Alternativ-Angebot im Internet suchen

Das geht am einfachsten im Internet. Gastarifrechner und Online-Vergleichsportale helfen bei der Suche. Wer seine Postleitzahl eingibt sowie den Gasverbrauch in Kilowattstunden, bekommt innerhalb von Sekunden günstige Angebote auf den Bildschirm. In der Regel können Verbraucher zwischen durchschnittlich 25 Gasanbietern pro Postleitzahlengebiet wählen. Möglich ist auch, den bisherigen Versorger nach günstigeren Preisen zu fragen. Wer persönliche Unterstützung braucht, kann sich auch an die Verbraucherzentralen vor Ort wenden.

Angebot prüfen

Empfehlenswert sind nach Ansicht von Verbraucherschützern Verträge mit kurzer Laufzeit und möglichst monatlicher Kündigungsfrist. Wer sich zwei Jahre oder länger bindet, verbaut sich die Chance, schnell zu wechseln, wenn er nicht mehr zufrieden ist oder die Preise sinken. Wechselwillige sollten Tarife mit Vorkasse und Kaution meiden, rät Pause. Wichtig ist auch die Frage, ob beim neuen Anbieter ebenfalls Preiserhöhungen ins Haus stehen.

Nicht selbst kündigen

Ist ein günstiger Versorger gefunden, füllt man dessen Formulare aus. Das geht oft online. Viele Anbieter verlangen, das Formular auszudrucken, von Hand zu unterschreiben und per Post abzuschicken. Der Neue übernimmt dann die Ummeldung sowie die Kündigung beim alten Gaslieferanten. Niemand braucht selbst zu kündigen. Die Umstellung dauert meist sechs bis zehn Wochen.

Schlussrechnung genau kontrollieren

Kurz vor der Umstellung wird der Zählerstand für die Schlussrechnung abgefragt und mitgeteilt, wann die Gaslieferung durch den neuen Anbieter erfolgt. Nach dem nahtlosen Wechsel kommt nur noch die Schlussrechnung vom alten Anbieter, in der die bisherigen Abschlagszahlungen mit dem Verbrauch verrechnet werden. Die Abrechnung sollte sorgfältig geprüft werden, rät Verbraucherschützer Pause. Bestenfalls gibt es noch Geld zurück. Die erste Abrechnung vom neuen Anbieter kommt dann nach einem Jahr.

Berrit Gräber / Burkhard Fraune

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