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Trotz Energiekrise: Gas-Frachter dümpeln im Meer umher – und warten auf steigende Gaspreise

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Von: Patricia Huber

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Die Gaspreise sind in den vergangenen Wochen stark gefallen. Das bewegt Händler nun dazu, das Tempo ihrer Lieferschiffe zu drosseln – in der Hoffnung, bald mehr Geld für den begehrten Rohstoff zu bekommen.

München/London – Der Gaspreis hat in den vergangenen Monaten immer neue Rekordhöhen erreicht. Doch seitdem im August der Höhepunkt von knapp 350 Euro pro Megawattstunde (MWh) an der Gasbörse TTF erreicht wurde, befinden sich die Preise wieder auf dem Sinkflug. Mittlerweile kostet die MWh 115 Euro (Stand: 9. November), was auch an den vergleichsweise hohen Temperaturen im Herbst liegen dürfte. Dadurch konnten die Gasspeicher recht voll gehalten werden.

LNG-Transporte: Gashändler drosseln Liefertempo

Was für Verbraucher eine gute Nachricht ist, ärgert die Gashändler – und die reagieren prompt. Im Meer dümpeln etliche Transportschiffe mit verflüssigtem Erdgas, sogenanntem LNG (liquefied natural gas), umher. „Mehr als 30 Tankschiffe mit verflüssigtem Erdgas schwimmen direkt vor der europäischen Küste“, stellte die Londoner Energiemarkt-Analysefirma Vortexa laut Handelsblatt-Bericht fest.

Mit drei bis acht Knoten bummeln die Transportschiffe in Richtung Küste. Eigentlich könnten sie mindestens doppelt so schnell fahren. Erst kürzlich warteten etliche Schiffe darauf, ihr LNG an den entsprechenden Terminals endlich abladen zu können – doch mittlerweile hat das Schneckentempo der Lieferanten einen anderen Grund. Laut den Londoner Analysten warten die Lieferanten auf steigende Preise, schreibt das Handelsblatt. Die Lieferanten, welche Gas aus den USA, Australien und Katar liefern, wiesen die Reedereien offenbar an, das Tempo zu drosseln.

Gas-Lieferungen: Späterer Verkauf bringt deutlich mehr Geld

Mittlerweile schippert dadurch eine extrem große Menge an Erdgas im Trödel-Tempo auf dem Meer herum. Die zurückgehaltene Menge Gas könnte rund 2,7 Millionen Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Energie versorgen. Doch „im Moment haben diese Schiffe einen Anreiz, ihre Positionen zu halten“, erklärte Felix Booth, LNG-Experte bei Vortexa gegenüber der Financial Times.

Derzeit werden nämlich TTF-Kontrakte für eine Lieferung im Dezember und Januar deutlich höher gehandelt, als für eine sofortige Lieferung. Bis zu 35 Prozent mehr könnten Gashändler so verdienen. Der Anreiz, so spät wie möglich zu liefern, ist also enorm groß. Die Financial Times schätzt den Wert der noch nicht gelieferten Gas-Mengen auf den Schiffen auf rund zwei Milliarden US-Dollar. Bei einer Preissteigerung von 35 Prozent bis Januar ergäbe das also eine ordentliche Summe Extra-Gewinn für die Gas-Händler. (ph)

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