Gas, Möbel, Reifen: Was mit dem Ölpreis alles teurer wird

- München - Was wäre es doch schön: Einmal Ölscheich sein, wenn auch nur ein ganz, ganz kleiner. Dann würde man nicht mehr fassungslos an der Zapfzäule stehen und dabei hilflos zuschauen müssen, wie einem das Geld förmlich aus den Händen rinnt. Und dem nicht genug: Tiefer in die Tasche greifen heißt es künftig auch in anderen Bereichen.

Das Heizöl

"2004 war teuer, 2005 wird es nochmals drastisch teurer", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund über die Heizölpreise. Ein Vergleich: Ende 2003/Anfang 2004 kostete der Liter 32 Cent, heute sind es 64 Cent. Tipps von den Experten: Die Mieter sollten sich 25 bis 30 Euro im Monat zurücklegen, da hohe Nachzahlungen zu erwarten seien. Diejenigen, die noch einen leeren Tank haben, sollten ihn jetzt nicht unbedingt ganz befüllen lassen, da die Preise im kommenden Winter zurückgehen könnten.

Gas und Strom

Dass sich die Kunden der deutschen Gasversorger auf steigende Preise einstellen müssen, machte Martin Weyand vom Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft deutlich. In der Regel kommen höhere Ölpreise mit sechs Monaten Zeitverzögerung bei den Kunden der Gasversorger an.

Die Stadtwerke München wollen indes die Strom- und Gastarife zumindest in diesem Jahr stabil halten, sagte Sprecherin Bettina Hess. Im Februar waren die Strompreise für einen Durchschnittshaushalt bereits um 3,9 Prozent erhöht worden, es folgte im Juli eine Gaspreiserhöhung um 12,8 Prozent. Die Gaspreise waren im Bundesschnitt in den vergangenen Monaten bereits um 8 bis 15 Prozent angehoben worden.

Wegen der erhöhten Beschaffungskosten hatte auch Eon Bayern die Preise erhöht: im Frühjahr den Strom, Anfang August das Erdgas. Mit Sorge sehe man die Preisentwicklung, so Pressesprecher Josef Schönhammer. Der Markt werde beobachtet. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist keine Entscheidung über eine Strom- und Gaspreisanpassung getroffen worden."

Der Verkehr

Die Ökosteuer, die Lkw-Maut und jetzt auch noch die explosionsartig gestiegenen Dieselpreise. "Wir stehen mit dem Rücken an der Wand", sagt Karsten Zollweg vom Landesverband Bayerischer Spediteure. Letztlich hätten sie keine andere Wahl, als die Kosten an die Kunden weiterzugeben. Alarm schlagen auch die bayerischen Busunternehmer. Durch die hohen Kraftstoffpreise würden sie in diesem Jahr mit mindestens 30 Millionen Euro zusätzlich belastet, sagte Heino Brodschelm, Präsident des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmen. Auch der Taxiverband Deutschland schließt Preiserhöhungen nicht aus. Zuvor hatten schon die Bahn (plus 3 Prozent) und der MVV Preiserhöhungen angekündigt.

Reisen

Air Berlin hat den Kerosin-Zuschlag in diesem Jahr bereits zum dritten Mal erhöht, und zwar von 28 auf 36 Euro. Die Lufthansa plant "aktuell" keine Anhebung. Allerdings hatte sie erst Anfang Juli einen höheren Kerosin-Zuschlag eingeführt. Man werde jetzt den Markt genau beobachten und dann "zeitnah" entscheiden, sagte Pressesprecherin Katrin Haase.

Der aktuelle Benzinpreisanstieg ist für die Reiseveranstalter, abgesehen von Kurztrips nach Österreich oder Frankreich, noch irrelevant. Viel größere Sorgen bereitet ihnen der langfristige Trend, erklärt Tobias Jüngert, Geschäftsführer vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband. So sei der Kerosinpreis von Februar 2002 bis August 2005 um 256 Prozent gestiegen. Der "jetzige Stand" sei, dass es für Kunden keine Preiserhöhung für die Wintersaison geben wird.

Die Industrie

Der Automobilzulieferer Continental erhöht seine Preise. Deutlich mehr müssen die Verbraucher wohl auch bei Möbeln zahlen. Die deutsche Möbelindustrie werde ihre Preise zunächst gegenüber dem Handel um rund fünf Prozent anheben müssen, erklärte Dirk-Uwe Klaas vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

Der Konsum

Explodierende Benzinpreise: "Das ist Wasser auf die Mühlen der Kaufzurückhaltung", sagt Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Bayerischen Einzelhandelsverbandes. Die Kunden geben ohnehin so wenig Geld aus, nun würden sie erst recht "jeden Cent zehn Mal umdrehen". Der Handel tue sich schwer, im hart umkämpften Markt höhere Fixkosten an die Kunden weiterzugeben. Allenfalls im Getränkehandel könne man das wegen hoher Speditionskosten nicht ausschließen. Andere Geschäfte dürften anderweitig sparen, zum Beispiel, indem sie eine Stunde später aufsperren.

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