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Gas-Umlage droht Strompreis zu verteuern: „Effekt könnte fatal sein“

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Von: Matthias Schneider

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Ab Herbst sollen Kunden die neue Gas-Umlage bezahlen. Was viele noch nicht ahnen: Die neue Regelung könnte auch Strom noch teurer machen.

Rund zwei Cent pro Kilowattstunde soll Gas ab Oktober teurer werden, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz - doch das könnte noch viel zu wenig sein, befürchten Experten. Und durch einen Sondereffekt würde die Umlage in Ihrer jetzigen Form auch den Strommarkt massiv beeinflussen.

Wie teuer wird die Gas-Umlage?

Detlef Fischer, Verbandschef der bayerischen Energieversorger, erklärt: „Robert Habeck hat von 1,5 bis 5 Cent pro kWh gesprochen. Das bedeutet für eine kleine Wohnung Mehrkosten zwischen 150 und 500 Euro im Jahr. Bei einem Einfamilienhaus sind es etwa doppelt so viel – ohne Mehrwertsteuer. Kommt sie dazu – und bisher war das immer so – können es bis zu 1200 Euro werden“, sagt der Hauptgeschäftsführer der bayerischen Energie- und Wasserversorger. Doch das ist noch nicht das Ende: „Die Fernleitungsnetzbetreiber müssen gerade zu den aktuell sehr hohen Preisen Gas kaufen und einspeichern. Der Saldo zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, werden sie als Differenz auf die Verbraucher über eine weitere Umlage umlegen. – das heißt, die Preise bleiben erstmal auf hohem Niveau – egal was der Markt macht“, sagt Fischer. „Dazu kommen die normalen Preissteigerungen, die die Versorger bei neu eingekauften Gasmengen ansetzen müssen: Damit nähern wir uns Stück für Stück den Börsenpreisen. Am Ende steht für Verbraucher voraussichtlich mehr als eine Verdreifachung der Gaspreise aus dem Jahr 2021.“

Wann gilt die Umlage?

Aus den Kreisen des Wirtschaftsministeriums heißt es, die Umlage soll ab 1. Oktober greifen – und eineinhalb Jahre in Kraft bleiben. Laut Detlef Fischer soll sie alle drei Monate justiert werden, um auf die Marktlage zu reagieren.

Ist Biogas von der Umlage betroffen?

„Stand heute betrifft die Umlage auch die Kunden von Ökogas. Das halte ich für falsch: Diese Verbraucher haben sich ja trotz der höheren Preise für grünes Gas ganz bewusst gegen Erdgas aus Russland entschieden, sind also weder Ursache noch Teil des Problems“, sagt Fischer.

Ist der Strompreis von der Umlage betroffen?

Wie sich die Gas-Umlage auf Stromkunden auswirkt, ist noch unklar: „Stand jetzt gilt die Umlage auch für Gaskraftwerke – und hier ist der Effekt fatal“, sagte Fischer. Denn auf dem Strommarkt bestimmten teure Kraftwerke den Preis für alle Erzeuger – aktuell sind das die Gas-Kraftwerke. Denkbar sei aber auch ein gegenläufiger Effekt: Hohe Preise für Kraftwerksgas könnten die Strompreise auch senken. „Solange wir etwa durch Kohle genug Ersatzleistung am Netz haben – ist das ein von der Bundesregierung gewünschter Effekt: Er macht Gaskraftwerke unrentabler und drängt sie damit aus dem Netz.“ Dann würde das teure Gas den Strommarkt weniger belasten.

Weshalb gibt es die Umlage?

Müssen die Händler jetzt den teuren Ersatz zu günstigen Konditionen verkaufen, zahlen sie kräftig drauf – die Folge wäre die baldige Insolvenz. Das brächte den Verbrauchern aber nichts: Sie müssten dann bei anderen Händlern Gas kaufen, die auch nur die hohen Börsenpreise durchreichen würden. Denn am Ende des Tages wird der Preis beim Import gebildet. Das gilt vor allem für Flüssiggas (LNG), das jetzt vermehrt nach Deutschland kommt: Die Tanker steuern Europa nur an, weil hier so hohe Preise bezahlt werden. Deshalb sollen Händler die Kosten für die Ersatzbeschaffung zu 90 Prozent an die Verbraucher weitergeben dürfen. Die Maßnahme wird nach §26 im Energiesicherungsgesetz getroffen. Die Alternative wäre §24 gewesen: Danach hätten betroffene Versorger ihre Kosten direkt durchreichen dürfen.

Gibt es Hilfen wegen der Gas-Umlage?

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat versprochen, mit Hochdruck an Lösungen für Armutsgefährdete zu arbeiten. „Finanzielle Hilfen vom Staat sollte es nur sehr zielgenau geben: Es ist über alle Parteien Konsens, dass alle Apelle nichts helfen, nur durch Preissignale werden die Leute zum Energiesparen animiert“, sagt Fischer. „Das sinnvollste ist, im Winter die beheizte Fläche zu reduzieren und sich in weniger Räumen aufzuhalten.“

Betrifft die Industrie die Gas-Umlage?

„Auch die Industrie ist enorm betroffen von den Kosten: Es wird jetzt sicher verhandelt, wer möglicherweise von der Umlage befreit wird. Ich bin gegen Ausnahmen für Erdgaskunden: Denn zum einen ist es technisch schwer umzusetzen. Zum anderen müssten die, die Zahlen, jede Ausnahme mitfinanzieren“, sagt der Verbandschef.

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