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Wer bekommt bei Engpässen das Gas zuerst? Neuer Plan auf dem Tisch

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Von: Franziska Schwarz

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Symbolbild Energiekrise: Ein Messinstrument an den Rohrleitungen eines Gasspeichers in Kiel in Deutschland
Gas in der Energiekrise versteigern? © Axel Heimken/dpa

Was, wenn das Gas knapp wird? Zunächst schien es so, als würde in diesem Fall die Bundesregierung zuteilen. Ein alternativer Vorstoß hingegen setzt auf den Markt.

Berlin - Wenn Wladimir Putin den Gashahn zudreht, wer bekommt dann hierzulande bevorzugt das (noch) begehrte Gut? Gemeint sind die deutschen Unternehmen. Die Frage hat sich nun offenbar vom „Wer“ auf das „Wie“ verlagert: Das noch übrig gebliebene Gas soll an den Höchstbietenden versteigert werden.

Das berichtet das Handelsblatt an diesem Dienstag (3. Mai). Nach Informationen der Zeitung diskutieren das Wirtschaftsministerium unter Robert Habeck (Grüne) und die Netzagentur die Idee und deren Umsetzung bereits seit einem Monat. Dabei verweist das Handelsblatt auf einen eigenen Artikel, in dem die Ökonomen Peter Cramton, Axel Ockenfels und Achim Wambach so ein Versteigern von rationiertem Gas vorschlugen.

Der Gedankengang der Ökonomen war, dass die Ampel-Koalition unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) vieles über die Unternehmen nicht wissen kann. Etwa:

Gas-Verteilung in Deutschland: „Wer darf an einer solchen Auktion teilnehmen?“

Eine Gas-Auktion würde nicht alle diese Fragen, aber zumindest die erste beantworten: Der, der am meisten bietet, braucht das Gas am dringendsten. So zumindest der Gedankengang - gegen den es aber auch Einwände gibt.

Große Gasverbraucher finden die Auktions-Idee gut, berichtet das Handelsblatt, etwa der Branchenverband Zukunft Gas. Der Markt wisse am besten, wo Gas gebraucht werde, zitiert es dessen Chef Timm Kehler. Interessant werde aber die konkrete Umsetzung: „Wie ist das Auktionsdesign, wie geht man mit regionalen Unterschieden um, wer darf/muss an einer solchen Auktion teilnehmen?“, fragte er.

„Brandgefährlich“: Kritik an angedachten deutschen Gas-Auktionen

„Brandgefährlich“ findet hingegen Ludwig Veltmann die Idee. Er ist Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbunds. Er fürchtete im Handelsblatt, dass finanzstarke Unternehmen die Gas-Auktionen für Hamsterkäufe nutzen. Stärker in Not geratene Firmen hätten das Nachsehen.

Auch Energierechtlerin Franziska Lietz warnte in dem Beitrag. „Bestimmte Branchen, wie Fleisch- oder Milchproduzenten haben oft nur geringen finanziellen Spielraum“, sagte sie. Sie würden dann überboten.

Mögliche Gas-Zuteilung: Private Verbraucher per Gesetz geschützt

Bundeswirtschaftsminister Habeck hatte am 30. März angesichts des Streits mit Russland die „Frühwarnstufe“ des „Gas-Notfallplans“ ausgerufen. Hintergrund ist, dass der Kreml vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts im Zweifel mit Lieferstopps droht.

Im Fall einer Gas-Zuteilung durch die Netzagentur sind private Verbraucherinnen und Verbraucher übrigens geschützt. Nach europäischen Regelungen müssen Privathaushalte genauso wie Krankenhäuser oder Pflegeheime zuerst beliefert werden. (frs)

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