Erst drei Jahre alt, aber schon unrentabel: Das Gaskraftwerk Irsching 5 bei Ingolstadt war 2012 gerade mal 1600 Stunden am Netz – üblich wären etwa 4000 Stunden.

Stromkunden müssen zahlen

Gaskraftwerk Irsching gerettet

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München – Es ist eines der modernsten und effizientesten Gaskraftwerke der Welt – dennoch droht Irsching 5 bei Ingolstadt seit Monaten das Aus. Jetzt ist es gerettet - auf Kosten der Kunden.

Das Kraftwerk lasse sich nicht mehr rentabel betreiben, klagte Eon. Jetzt gibt es angeblich einen Kompromiss zur Rettung der 400 Millionen Euro teuren Anlage. Danach soll Irsching 5 künftig das Stromnetz stabilisieren, berichtet das „Manager Magazin“.

Gerade mal 1600 Stunden war Irsching 5 im vergangenen Jahr am Netz. Üblich wären rund 4000 Stunden. Die Lage bei Gaskraftwerken sei dramatisch, warnte mehrfach Eon-Chef Johannes Teyssen. Seine drastischen Worte haben offenbar genutzt. Künftig soll Irsching 5 bei Engpässen im Stromnetz eingesetzt werden. Darauf hätten sich die Betreiber des Kraftwerks – neben Eon drei regionale Versorger – und der Übertragungsnetzbetreiber Tennet geeinigt, heißt es in dem Bericht. Immerhin hat das Kraftwerk eine Leistung von 845 Megawatt – und produziert damit fast so viel Strom wie ein Atomkraftwerk. Die Zusatzkosten für die Bereithaltung des Kraftwerks müssen die Stromverbraucher über die Netzentgelte bezahlen.

Weder Eon noch Tennet wollten eine Einigung bestätigen. „Wir kommentieren keine laufenden Verhandlungen“, sagte ein Eon-Sprecher. Nach Informationen des bayerischen Wirtschaftsministeriums sind die Gespräche noch nicht endgültig abgeschlossen. „Die Staatsregierung ist jedoch zuversichtlich, dass es bald zu einer vertraglichen und für alle Seiten akzeptablen Einigung kommen wird“, so ein Ministeriumssprecher.

Warum lässt sich jedoch ein fast nagelneues Gaskraftwerk nicht wirtschaftlich betreiben? Verantwortlich ist vor allem die Energiewende. Weil immer mehr Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung steht, sind Gaskraftwerke kaum noch nötig. Gerade in der Mittagszeit, wenn die Nachfrage hoch ist, liefern Solaranlagen oft mehr Strom, als verbraucht wird. Hinzu kommt der Preisverfall beim Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten. Dadurch rentieren sich wieder klimaschädliche Braunkohlekraftwerke und verdrängen die saubereren Gaskraftwerke vom Markt.

Ein Wegfall der Gaskraftwerke wäre aber eine ernste Gefahr für die Energiewende. Nach dem Ausstieg aus der Atomenergie sollten die umweltfreundlichen Anlagen die Schwankungen bei den erneuerbaren Energien ausgleichen. Die Bundesregierung kündigte daher den Bau neuer Gaskraftwerke an. Doch das Gegenteil ist bisher der Fall. Auch Irsching 3 (Leistung: 415 Megawatt) steht nur noch als Notreserve bereit. Dauerhaft am Netz ist in Irsching derzeit nur Block 4, der erst 2011 eingeweiht wurde. Allerdings gilt auch diese Anlage als schwach ausgelastet.

Um weitere Stilllegungen zu vermeiden, setzt sich Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) für bessere Rahmenbedingungen ein. Konkret sollen Betreiber allein für die Bereitstellung der Kraftwerke Geld bekommen – unabhängig von der Stromproduktion. Vor der Bundestagswahl wird es allerdings keine Änderungen geben.

Immerhin über die Zukunft von Irsching 5 könnte es nächste Woche endgültig Klarheit geben. Am 26. April besucht Wirtschaftsminister Philipp Rösler die Anlage – und kommt angeblich nicht mit leeren Händen.

Steffen Habit

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