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Energiekrise: Jetzt diskutieren auch die Briten über einen Gas-Lieferstopp nach Europa

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Von: Lisa Mayerhofer

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Gasherd
Großbritannien hat dieses Jahr Gas in Rekordmengen nach Europa exportiert. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Großbritannien hat dieses Jahr Gas in Rekordmengen nach Europa exportiert. Doch der britische Notfallplan sieht vor, den Gas-Hahn fürs europäische Festland im Ernstfall zuzudrehen.

London – Deutschland steckt in einer schweren Energiekrise. Im Juni hat Russland seine Gaslieferungen nach Europa deutlich reduziert; Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hält es nicht für ausgeschlossen, dass Putin einen kompletten Gas-Stopp veranlassen könnte. Nun wurde bekannt, dass auch Großbritannien im Ernstfall als Gaslieferant fürs europäische Festland ausfallen könnte.

Gas-Krise: Großbritannien bereit, Gaslieferungen ans europäische Festland zu unterbrechen

Das Vereinigte Königreich ist zwar nicht abhängig von russischen Gasimporten, steht aber ebenfalls vor einem harten Winter: Grund sind die geringen Speicherkapazitäten des Landes und die Tatsache, dass viele Heizungen dort mit Gas betrieben werden. Im Ernstfall kann also in den kalten Monaten auch auf der Insel das Gas knapp werden.

Zwar können die Briten laut einem Welt-Bericht die Hälfte ihres Gas-Bedarfs aus eigenen Quellen in der Nordsee decken. Doch die Insel ist ebenso abhängig von Flüssiggas-Importen, die über sogenannte LNG-Terminals erfolgen. Diese verfügen aber in Großbritannien kaum über Speicherkapazitäten, weswegen das Land das überschüssige Gas im Sommer nach Europa exportiert – über zwei Pipelines, die in die Niederlande und nach Belgien führen.

Falls das Königreich von schweren Engpässen betroffen sein sollte, ist Großbritannien aber bereit, die Gaslieferungen an das europäische Festland zu unterbrechen, wie die Nachrichtenagentur Reuters jetzt berichtet. Dies sei Teil des britischen Notfallplans im Falle einer schlimmen Gas-Krise.

National Grid, der Betreiber der britischen Elektrizitäts- und Gasnetze, sagte aber, ein Gasversorgungsnotstand sei ein „extrem unwahrscheinliches“ Szenario. Außerdem werde man erst die Gas-Pipelines zum europäischen Festland regulieren, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, sagte der Sprecher laut Reuters.

Gas-Krise: Rekordexport von Großbritannien in die EU

Denn mit dieser Maßnahme würden sich die Briten auch ins eigene Fleisch schneiden: Laut einem Bericht der britischen Zeitung Guardian spielt die Verbindung zum europäischen Festland über die Pipelines auch für das Vereinigte Königreich eine wichtige Rolle für die Energiesicherheit. Viele europäische Länder – wie etwa Deutschland – verfügen über wesentlich mehr Speicherkapazitäten als Großbritannien. Sie können das überschüssige Gas Großbritanniens im Sommer einlagern und in den Wintermonaten wieder zurückschicken.

„Unsere Priorität ist es, weiterhin mit unseren EU-Partnern und Verbündeten zusammenzuarbeiten, um die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas zu beenden“, versichert auch ein Regierungssprecher gegenüber dem Guardian. Die Briten haben seit Ende März Gas in Rekordmengen nach Europa exportiert. Insgesamt seien rund 75 Millionen Kubikmeter pro Tag nach Europa geflossen, sagte ein Sprecher von National Grid gegenüber Reuters. Wenn die Durchflussraten bis September anhalten würden, könnten sie demnach etwa 15 Prozent der strategischen Gasvorräte Europas ausmachen.

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