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Kein Gas aus Russland wegen Siemens Energy? Chef-Aufseher Kaeser sieht Grund im Kreml

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Von: Lisa Mayerhofer

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Joe Kaeser: Der frühere Siemens-Chef hat auf Twitter über Abgeordnete gelästert - und damit hitzige Reaktionen ausgelöst.
Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy, hat sich zu den Kreml-Behauptungen geäußert. © Peter Kneffel/dpa

Russland hat seine Gaslieferungen nach Europa deutlich reduziert. Schuld daran seien laut Kreml Verzögerungen bei Reparaturarbeiten einer Siemens-Turbine. Der Konzern wehrt sich gegen die Vorwürfe.

München – Die Bundesregierung hat im Juni die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen, weil Russland seine Gaslieferungen nach Europa deutlich reduziert hat. Moskau weist allerdings jede Schuld für die Gasdrosselung über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 von sich. Sanktionsbedingte Verzögerungen bei Reparaturarbeiten seien Ursache des Problems, so der Kreml. Nach russischen Angaben steckt eine Siemens-Turbine für die Pipeline im Ausland fest.

Joe Kaeser über Kreml-Behauptungen: „Da muss es eine politische Motivation geben“

„Die Russische Föderation erfüllt alle ihre Verpflichtungen“, bekräftigte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Einmal mehr bestritt Peskow zudem, dass die Gasdrosselung politisch motiviert sei. Genau das wirft Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dem Kreml aber vor. Er sieht die russischen Erklärungen für die Lieferengpässe als Vorwand und warf Kremlchef Wladimir Putin zuletzt einen „ökonomischen Angriff“ vor.

Nun hat sich auch der Energiekonzern Siemens Energy zu den russischen Behauptungen geäußert. „Es ist sehr bequem, ein Unternehmen mit reinzuziehen, das in Russland bekannt ist“, sagte Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy, der Süddeutschen Zeitung. „Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln.“  Er sagte auch: „Da muss es einfach eine politische Motivation geben, das geht gar nicht anders.“

Ukraine-Krieg: Siemens zieht sich aus dem russischen Markt zurück

Russlands staatlicher Energieriese Gazprom hat die Gaslieferungen nach Deutschland seit Mitte Juni von maximal 167 Millionen Kubikmeter pro Tag auf 67 Millionen Kubikmeter reduziert – das entspricht einer Drosselung von rund 60 Prozent. Am 11. Juli beginnt zudem eine zehntägige Routinewartung der Pipeline Nord Stream 1. Energieversorger und auch Habeck sind besorgt, dass Gazprom die Leitung danach nicht wieder anstellen könnte und noch weniger Gas als bisher liefert.

Siemens selbst hat sich im Mai nach 170 Jahren Geschäftsbeziehungen aus dem russischen Markt zurückgezogen. Demnach hat das deutsche Unternehmen Verfahren eingeleitet, um seinen Industriebetrieb und alle industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland und Belarus einzustellen. Nur die Gesundheitssparte Siemens Healthineers wird weiterhin in Russland bleiben. (lma/dpa)

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