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Gazprom fordert Rückgabe von in Kanada gewarteter Turbine - Habeck spricht von „Vorwand“

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Von: Bettina Menzel

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Gazprom-Kraftwerk Kirishi: Durch Nord Stream 1 fließt derzeit wegen Wartungsarbeiten kein Gas mehr. Ob Russland den Hahn am 21. Juli wieder aufdreht, ist derzeit noch unklar
Gazprom-Kraftwerk Kirishi: Durch Nord Stream 1 fließt derzeit wegen Wartungsarbeiten kein Gas mehr. Ob Russland den Hahn am 21. Juli wieder aufdreht, ist derzeit noch unklar (Symbolbild). © imago stock&people/IMAGO / ITAR-TASS

Gazprom hat eigenen Angaben zufolge von Siemens die Rückgabe der in Kanada gewarteten Turbine gefordert. Davon hänge der Weiterbetrieb von Nord Stream 1 ab, so der russische Staatskonzern.

Sankt Petersburg - Der russische Gazprom-Konzern macht den Weiterbetrieb der Pipeline Nord Stream 1 von einer Turbine abhängig, die gerade bei Siemens liegt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hält dies indes nur für einen Vorwand, Gazprom habe genug einsatzfähige Turbinen. Aktuell ist Nord Stream 1 wegen der jährlichen Wartungsarbeiten gesperrt, Ob Russland den Gashahn nach Ende der Wartungsarbeiten wieder aufdreht, ist fraglich.

Gazprom macht Weiterbetrieb von Nord Stream 1 von Turbine abhängig

Der russische Staatskonzern hat eigenen Angaben zufolge das Unternehmen Siemens zur Rückgabe einer in Kanada reparierten Turbine aufgefordert. Dazu habe Gazprom am 15. Juli „einen offiziellen Antrag“ an Siemens auf Erhalt der „Dokumente gestellt, die den Export der Turbine der Portowaja-Station ermöglichen“, erklärte der russische Konzern am Samstag.

Man zähle darauf, „dass der Siemens-Konzern seinen Verpflichtungen zur Reparatur und Wartung von Gasturbinenmotoren, von denen die Zuverlässigkeit des Betriebs der Nord Stream-Gaspipeline und die Erdgaslieferungen an die europäischen Verbraucher abhängen, bedingungslos nachkommt“, hieß es von Gazprom-Seite.

Bundeswirtschaftsminister Habeck hält angeblich fehlende Turbine nur für Vorwand

Am vergangenen Wochenende hatte Kanada bereits grünes Licht für die Ausfuhr der Turbine nach Deutschland gegeben. Der Siemens-Konzern kündigte daraufhin an, die Turbine so schnell wie möglich installieren zu wollen. Gazprom erklärte jedoch am vergangenen Mittwoch, es habe keine Garantien für die Rücksendung der Turbine erhalten - und stellte den Weiterbetrieb von Nord Stream 1 in Frage.

Bundeswirtschaftsminister Habeck hält dies nur für einen Vorwand. „Russland hätte die Kapazität von Nord Stream 1 auch ohne diese eine Turbine zu nahezu 100 Prozent ausnutzen können“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und bezog sich dabei auf die Reduktion der Gaslieferungen schon vor Beginn der Wartungsarbeiten an Nord Stream 1.

Mithilfe der kanadischen Regierung habe man Russland einen Vorwand nehmen können, denn Kanada habe die notwendige Ausnahme­genehmigung erteilt, und Siemens tue alles, damit die Turbine schnellstmöglich über Deutschland zum Einsatzort nach Russland gelange, so Habeck weiter. „Mir ist aber wichtig, dass das fehlende Bauteil nach Auffassung aller Experten nichts als ein Vorwand war, der der russischen Propaganda dient. Gazprom hat einsatzfähige Turbinen.“

Energie-Krise: Dreht Russland den Gashahn nach den Wartungsarbeiten wieder auf?

Durch Nord Stream 1 fließt derzeit wegen der jährlichen Wartungsarbeiten kein Gas mehr. Seit Montag, 6.00 Uhr, standen laut Nord Stream AG keine Transportkapazitäten mehr zur Verfügung. Im Laufe desselben Vormittags sank laut Daten der Betreibergesellschaft auch der tatsächliche Gasfluss praktisch auf Null. Bis 21. Juli, 6.00 Uhr - also für zehn Tage - soll kein Gas mehr fließen. Entsprechende Arbeiten dauerten laut Betreiber in den vergangenen Jahren zwischen 10 und 14 Tagen.

Doch schon seit Mitte Juni hatte Gazprom unter Verweis auf die defekte Turbine die Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline stark gedrosselt. Zuletzt war die Leitung laut Bundesnetzagentur nur zu etwa 40 Prozent ausgelastet. Dies gilt als Reaktion des Kremls auf die westlichen Sanktionen aufgrund des Ukraine-Kriegs (dpa/bme).

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