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Die neue Preisbremse: Was Gas-Kunden wissen müssen

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Von: Wolfgang DePonte

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Die umstrittene Gasumlage ist vom Tisch – dafür soll es eine Gaspreisbremse geben. Rechenmodelle zeigen, was das für Gas-Kunden bedeutet.

Berlin – Jetzt also doch! Die Ampel konnte sich durchringen und eine Gaspreisbremse beschließen. 200 Milliarden Euro soll das geplante Paket für dieses Vorhaben bereithalten. Was das jetzt für Gas-Kunden bedeutet und was Sie sonst noch wissen müssen, erklärt die tz.

Was bedeutet eine Gaspreisbremse konkret?

Die Gaspreise sollen dramatisch sinken, so Kanzler Olaf Scholz (SPD). Wie genau, ist allerdings noch unklar. Sicher ist: Die Mehrwertsteuer auf Gas soll ab 1. Oktober bis zum 31. März 2024 nur sieben statt 19 Prozent betragen.

Was ist mit der Gasumlage?

Die Gasumlage „wird nicht mehr gebraucht“, so Scholz, der die Maßnahmen als „Doppelwumms“ bezeichnete. Damit meint er, dass zusätzlich zu Preissenkungen die eigentlich ab dem 1. Oktober für alle Gas-Kunden erhobenen 2,4 Cent pro Kilowattstunde wegfallen. Einen Vierpersonenhaushalt hätte dies zusätzlich bis zu 1400 Euro gekostet.

Muss ich meine Abschlagszahlung jetzt trotzdem zahlen?

„Die hohen Rechnungen werden sich dann wieder reduzieren“, kündigte Scholz an. Verbraucherschützer fordern nun von den Energieversorgern, die von den Gas-Kunden bereits gezahlte Umlage rasch zurückzuerstatten. Was den Gas-Tarif angeht, sagt Tobias Federico, Chef der Energieberatungsagentur Energy Brainpool, der tz: „Eine gewisse beschränkte Erhöhung wird es geben, aber in Maßen.“

Wie könnte eine Gaspreis-Deckelung aussehen?

Wissenschaftler der Hans-Böckler-Stiftung halten zwei Modelle für die Gaspreisdeckelung für möglich. In Modell 1 würde jeder Haushalt ein Grundkontingent von zum Beispiel 5000 Kilowattstunden Gas zu einem gedeckelten Preis bekommen und jede Person im Haushalt erhält 2000 Kilowatt. Dieses Modell würde Anreize zum Sparen setzen und vor allem einkommensschwache Haushalte würden davon profitieren.

In Modell 2 könnten Haushalte entlastet werden, indem sie pauschal beispielsweise 80 Prozent ihres Vorjahresverbrauchs zu einem gedeckelten Preis erhalten. Diese Lösung wäre unbürokratisch umsetzbar. Realistische Preisdeckel könnten etwa bei 14 oder 10 Cent pro Kilowattstunde angesetzt werden.

Gaspreisdeckel: So viel könnten Sie einsparen

Modell 1: Ein soziales Grundkontingent

Gas-Höchstpreis*10 Cent14 Cent
1 Person770 Euro570 Euro
2 Personen1075 Euro796 Euro
3 Personen1384 Euro1024 Euro
4 Personen1687 Euro1249 Euro
Über 5 Personen1988 Euro1472 Euro

Modell 2: 80 Prozent pauschal gedeckelt

Gas-Höchstpreis*10 Cent14 Cent
1 Person1364 Euro1010 Euro
2 Personen2009 Euro1487 Euro
3 Personen2316 Euro1714 Euro
4 Personen2594 Euro1920 Euro
Über 5 Personen2875 Euro2128 Euro

* pro Kilowattstunde; Modellierungen der Hans-Böckler-Stiftung für das Jahr 2023

Wie könnten Verbraucher dann entlastet werden?

In Modell 1 würde bei einem Preisdeckel von 14 Cent pro Kilowattstunde ein Dreipersonenhaushalt im Jahr 2023 durchschnittlich um 1024 Euro (Tabelle) entlastet werden. Bei einem Gaspreisdeckel von 10 Cent pro Kilowattstunde würde ein Dreipersonenhaushalt 1384 Euro einsparen. Bei Modell 2 und einem Preisdeckel von 14 Cent würde ein durchschnittlicher Dreipersonenhaushalt 1714 Euro einsparen. Wird der Preisdeckel bei 10 Cent angesetzt, könnte dieser Haushalt sogar um 2316 Euro entlastet werden.

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