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Zwei Gas-Flammen brennen an einem Gasherd. Die Gaspreise sollen auch im kommenden Jahr niedrig bleiben. Foto: Stefan Sauer

Günstig wie seit Jahren nicht

Gaspreise bleiben auch 2018 niedrig

Erdgas ist für Endverbraucher so günstig wie seit Jahren nicht mehr - und das bleibt erstmal auch so. Auf mittlere Sicht könnte es für die Verbraucher aber wieder teurer werden. Denn der Gasverbrauch in Deutschland steigt stark an.

Hamburg/Berlin (dpa) - Für Mieter und Hausbesitzer mit einer Gasheizung war 2017 ein gutes Jahr: Der durchschnittliche Gaspreis für Endverbraucher reduzierte sich von Januar bis November nach Daten des Internet-Portals Check24 um 1,2 Prozent.

Erstmals seit Jahren sei der Durchschnittspreis unter sechs Cent je Kilowattstunde gesunken. Auch der Preisindex des Konkurrenzportals Verivox kommt mit einem Durchschnittspreis von 5,79 Cent zu diesem Ergebnis. So günstig war Gas zuletzt im Jahr 2005.

Preiserhöhungen auf breiter Front müssen die Gaskunden auch im nächsten Jahr zunächst nicht befürchten. "Leicht sinkende Netzentgelte und nur wenige Preisanpassungen zum Jahreswechsel sprechen dafür, dass Gas für Verbraucher 2018 zunächst günstig bleibt", sagte Oliver Bohr, Geschäftsführer für den Bereich Energie bei Check24. Sein Portal hat gerade mal 21 Gasversorger ausgemacht, die ihre Preise zum Jahresbeginn um rund fünf Prozent anheben.

Verivox zählt 24 Grundversorger vor allem in Baden-Württemberg, die ihre Tarife erhöhen. Auf der anderen Seite stehen 42 bis 54 Unternehmen mit Preissenkungen. Der Großteil der rund 800 Gasversorger in Deutschland hält seine Preise stabil.

Auf mittlere Sicht könnte es jedoch auch bei den Gaspreisen wieder nach oben gehen. Dafür gibt es zwei Anzeichen: Zum einen hat sich Rohöl zuletzt wieder verteuert. Die Endpreise für Öl und Gas hängen zwar nicht mehr unmittelbar zusammen, doch ist Rohöl noch immer so etwas wie die Leitwährung auf den Energiemärkten und gibt die Richtung vor. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitag rund 63 Dollar, das ist fast das Jahreshoch. Noch vor einem halben Jahr war ein Barrel Brent-Öl für 45 Dollar zu haben.

Das merken auch die Heizölkunden, die schon seit sechs Wochen wieder mehr als 60 Euro für 100 Liter Heizöl bezahlen müssen. Vor einem Jahr waren die Preise zwar ähnlich hoch, zwischendurch lagen sie aber auch mal bei 51 Euro. Im Jahresdurchschnitt hat sich Öl im Gegensatz zu Gas verteuert. Dennoch ist Heizen mit Öl noch immer etwas günstiger als mit Gas, wenn es nur um die Brennstoffkosten geht.

Der zweite Grund für tendenziell höhere Gaspreise ist die starke Nachfrage, sowohl international wie auch in Deutschland. In den ersten neun Monaten dieses Jahres kletterte der deutsche Gasverbrauch um neun Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dazu tragen die privaten und gewerblichen Wärmekunden bei, vor allem aber der vermehrte Einsatz von Erdgas in Strom- und Wärmekraftwerken, meldet die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (Ageb).

Dementsprechend steigen seit Mitte des Jahres die Großhandelspreise für Gas, die ungefähr die Hälfte des Endverbraucherpreises bestimmen. "Setzt sich dieser Trend fort, könnte Gas mittelfristig für Verbraucher wieder teurer werden", sagte Bohr.

Check24 und Verivox leben ebenso wie weitere Internet-Vergleichsportale vom Wechsel der Verbraucher zu anderen Anbietern und raten dementsprechend, das Sparpotenzial im Markt zu prüfen. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden kann die Jahresrechnung je nach Anbieter zwischen 779 und 1387 Euro liegen.

Verbraucherpreisindex Gas (Verivox)

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