1. Startseite
  2. Wirtschaft

Gaspreise – Experte warnt Verbraucher: „Drei- bis fünfmal so hohe Abschlagszahlungen“

Erstellt:

Von: Lisa Mayerhofer

Kommentare

Gaszähler
Ein Gaszähler hängt im Keller eines Einfamilienhauses. Experten warnen vor Kostenexplosionen. (Archivbild) © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Verbraucher in Deutschland müssen sich laut Experten darauf einstellen, dass sich die Heizkosten vervielfachen werden.

Berlin – Die Energiekrise in Deutschland könnte sich nächsten Woche dramatisch zuspitzen. Wenn Russland den Gashahn nach den Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 nicht wieder aufdreht, steht Deutschland vor einer Gasmangellage – und ein harter Winter droht.

Der Gasverbrauch ist im Winter ungefähr drei bis vier Mal höher als im Sommer, vor allem wegen der Nutzung von Heizungen und Warmwasser. Danach komme die Prozesswärme in der Industrie und die sogenannte stoffliche Nutzung, etwa um Düngemittel herzustellen.

Experten warnen vor drastischem Preisanstieg bei Gas

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, warnt angesichts dieser Lage vor einer Verdreifachung der Heizkosten. Experten warnen sogar vor noch höheren Preissprüngen. „Bei denen, die jetzt ihre Heizkostenabrechnung bekommen, verdoppeln sich die Abschläge bereits – und da sind die Folgen des Ukraine-Krieges noch gar nicht berücksichtigt“, sagte Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ab 2023 müssen sich Gaskunden auf eine Verdreifachung der Abschläge einstellen, mindestens.“

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rechnet damit, dass ein Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas schon jetzt für dieses Jahr mit Zusatzkosten von 1000 bis 2000 Euro rechnen muss. „Dieser Betrag kann sich noch deutlich erhöhen, insbesondere dann, wenn die stark steigenden Gasbörsenpreise direkt an die privaten Haushalte durchgereicht würden“, sagte der Energieexperte Thomas Engelke.

Müller sagte auf die Frage, wer derzeit 1500 Euro im Jahr bezahle, liege künftig also bei 4500 Euro: „Oder sogar noch ein bisschen darüber, das halte ich für absolut realistisch.“ An den Börsen hätten sich die Preise zum Teil versiebenfacht. „Das kommt nicht alles sofort und nicht in vollem Umfang bei den Verbrauchern an, aber irgendwann muss es bezahlt werden.“

Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal Check24, sagte, die Energiepreise würden mit Verzögerung voll bei privaten Gaskunden ankommen. Wenn die vor der Krise beschafften Mengen der Versorger verbraucht seien, müssten sie zu den aktuellen Rekordpreisen an der Börse einkaufen. „Die Jahresrechnung und damit auch die Abschläge könnten dann um das Drei- bis Fünffache steigen.“ Müller empfahl Gaskunden, freiwillig den Abschlag zu erhöhen.

Gaskrise: Verbraucher sollen Energie einsparen, um Kosten zu dämpfen

Das Vergleichsportal Verivox berichtete unter Verweis auf repräsentative Umfragen, dass bisher erst jeder dritte Haushalt eine Jahresabrechnung für Gas erhalten habe. Gut die Hälfte davon habe eine Nachzahlung von durchschnittlich 227 Euro leisten müssen. Bei insgesamt gut jedem dritten Haushalt mit Gasheizung seien die Abschläge für die kommende Heizsaison erhöht worden, um durchschnittlich 52 Euro pro Monat. Für Neukunden mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden hätten sich die Preise im Vorjahresvergleich um durchschnittlich 159 Prozent oder 1963 Euro pro Jahr erhöht.

Aufgrund der Börsenpreise sei der Druck auf die Gaspreise sehr groß, erklärte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. „Die Versorger tun im Rahmen ihrer Beschaffungsstrategien zwar alles, um die Belastungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu dämpfen. Die historisch hohen Preise im Großhandel werden sich dennoch stark auf die Endkundenpreise auswirken.“ Es gelte, Energie einzusparen, um die Kosten zu dämpfen. (dpa/lma)

Auch interessant

Kommentare