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Wie weit fallen die Gaspreise noch? Was Kunden jetzt wissen müssen

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Die Speicher sind voll, die Preise fallen. Doch profitieren auch die Verbraucher davon? Der Markt bewegt sich gerade in zwei grundverschiedene Richtungen.
Die Speicher sind voll, die Preise fallen. Doch profitieren auch die Verbraucher davon? Der Markt bewegt sich gerade in zwei grundverschiedene Richtungen. © Martin Schutt/dpa

Die Gaspreise auf den Großmärkten fallen drastisch. Bedeutet das für die Verbraucher Erleichterung? Es zeichnet sich ein äußerst zwiespältiges Bild ab. Was Gaskunden jetzt wissen müssen.

München – Es sind außergewöhnliche Meldungen: Der Gaspreis ist im Großhandel deutlich gefallen, seit Donnerstag zwischenzeitlich um gut 28 Prozent auf rund 100 Euro pro Megawattstunde, wie Zahlen der ausschlaggebenden Energiebörse EEX zeigen. Der warme Oktober und die geringe Nachfrage gelten als Ursache. Laut Experten liegen mehrere Flüssiggastanker vor Europas Küsten, die ihre Ware zu den aktuellen Preisen nicht abladen wollen.

Doch wie passt das zur aktuellen Preiserhöhungswelle bei den Grundversorgern – und was bedeutet die Entwicklung für Verbraucher? „Man muss grundsätzlich zwischen Grundversorgungs- und Sondertarifen unterscheiden“, sagt Lundquist Neubauer, Sprecher des Vergleichsportals Verivox. „Bei den Sondertarifen kalkulieren die Versorger oft jeden Tag neu, die Konditionen reagieren deshalb sehr sensibel auf den Großmarkt.“

Gaspreise: Neukundentarife sollen nicht weiter fallen

Das lässt sich auch aus der Statistik lesen: Verivox-Analyst Neubauer hat dafür jeweils die günstigsten Neukunden-Tarife für einen Referenzbezirk gewählt, die Zahlen stellen jeweils einen Durchschnittswert dar. „Aktuell sehen wir bei den günstigsten Anbietern einen Preis von rund 22 Cent pro Kilowattstunde, Anfang September waren es 40“, so Neubauer.

Viel weiter sinken werden die Neukundentarife aber nicht mehr, glaubt Detlef Fischer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft. „Man darf nicht vergessen: Die Handelspreise bewegen sich aktuell immer noch auf dem fünffachen des Vorkrisenniveaus – viele Tarife haben sich jetzt inklusive Steuern und Umlagen nicht einmal verdreifacht.“ Damit bleibe für Gasanbieter wenig Spiel: „Wenn man einen 12-Monats-Vertrag anbieten will, machen wenige Tage mit niedrigeren Preisen in der Kalkulation nicht viel aus. Für das ganze Jahr 2023 kostet Gas aktuell rund 140 Euro pro Megawattstunde.“ Das entspricht einem reinen Energiepreis von 14 Cent pro Kilowattstunde.

Damit sind jetzt vor allem die sogenannten Discountanbieter unter den günstigen: „Nur wer kurzfristig Energie beschafft, kann jetzt schnell auf fallende Marktpreise reagieren“, so Fischer.

Gaspreise für Verbraucher unterschiedlich

Für Verbraucher sind das widersprüchliche Signale: Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass allein in Bayern 40 Grundversorger ihre Tarife erhöhen wollen – allein im November. Für den Jahreswechsel erwarten Experten eine zweite Welle. Für Fischer kein Widerspruch: „Gerade Grundversorger müssen auf der sicheren Seite sein: Deshalb kaufen sie ihre Kontingente lange im Voraus. Das hat die Preise jetzt zum Vorteil der Kunden lange deutlich unter dem restlichen Marktniveau gehalten.“

Doch wie werden sich die Großhandelspreise entwickeln? „Eine Prognose wäre unseriös: Wir haben zu viele Unsicherheiten im Markt“, sagt Fischer. Für ihn ist klar: „Wir werden nie wieder auf das gekannte Niveau zurückkommen.“ Als Grund nennt er die höheren Beschaffungskosten für Flüssiggas.

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Was bedeutet das für Verbraucher? „Weil wir nicht wissen, was auf den Großmärkten passiert, kann man zur Zeit keine Empfehlung geben“, sagt Marion Gaksch, Energiejuristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. „Es kommt auf die persönliche Situation an: Welchen Vertrag habe ich? Wie teuer ist mein Grundversorger? Welche Sondertarife gibt es auf dem Markt?“ Wichtig sei immer, Angebote zu vergleichen – und nachzufragen: „Man kann immer bei seinem Grundversorger anfragen, ob er nicht einen attraktiveren Sondertarif hat, da sind viele entgegenkommend.“ Auch finden sich viele Menschen derzeit in der Ersatzversorgung: „Wer in der teuren Ersatzversorgung landet, hat täglich einen Anspruch, in die günstigere Grundversorgung zu wechseln.“ Die einzige Ausnahme: „Wenn der alte Versorger wegen einem gekündigten Netznutzungs- oder Bilanzkreisvertrag nicht mehr liefert.“ Ob das der Fall ist, lässt sich beim Netzbetreiber abfragen. Wer das ist, steht auf der letzten Rechnung.

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