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Auch in Deutschland wird Erdgas gefördert. Rund ein Fünftel des heimischen Bedarfs kann so gedeckt werden.

Russland/Ukraine

Gas-Streit erfasst Deutschland

Brüssel - Der Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine hat Deutschland mit voller Wucht erfasst. Der Marktführer Eon Ruhrgas stellte massive Einschränkungen bei der Gasversorgung aus Russland fest.

Es sei damit zu rechnen, dass am zentralen Übergabepunkt, der bayerischen Grenzstation Waidhaus , in Kürze die über die Ukraine transportierten Gasmengen komplett ausfielen.

Die Einschränkungen russischer Gaslieferungen in die EU hat Brüssel kalt erwischt. Noch am Montag erklärte die EU-Kommission, es bestehe "keine unmittelbare Gefahr für die Versorgung der EU-Bürger". Keine 24 Stunden später bekam Bulgarien schon kein russisches Erdgas mehr. Nacheinander meldeten am Dienstag auch Polen, die Slowakei, Österreich, Slowenien und Deutschland einen teils massiven Rückgang der Lieferungen. Eon Ruhrgas rechnet mit einem Totalausfall, auch der Versorger Wingas berichtete über gekürzte Gaslieferungen. Die EU zeigt sich empört. Die Einschränkungen widersprächen den Zusagen sowohl Russlands als auch der Ukraine.

Russland hatte der Ukraine am 1. Januar den Gashahn zugedreht, weil sich das Land gegen höhere Gaspreise wehrt. Die Führung in Moskau beschuldigt den Nachbarn seitdem, die Transitleitungen nach Europa anzuzapfen, um Gas für die eigene Versorgung abzuzweigen. Der russische Monopolist Gazprom drosselte deshalb nach eigenen Angaben die Lieferungen über die Ukraine am Dienstag um 65,3 Millionen Kubikmeter Gas. Es gehe um die Menge, die die Ukraine in den vergangenen Tagen illegal aus Transitleitungen abgezapft habe. Die Europäische Union protestierte gegen die Lieferausfälle in Deutschland und weiteren Teilen Europas.

Die deutsche Gasbranche sieht trotz erster Lieferausfälle keinen Grund zur Panik. "Die Verbraucher können sich auf eine sichere Versorgung mit Erdgas verlassen", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Martin Weyand. Deutschland beziehe zu zwei Dritteln Erdgas aus westeuropäischen und deutschen Quellen, 37 Prozent stammten aus Russland. "Die Mengen aus Westeuropa und Deutschland werden unverändert geliefert." Anders zeigt sich die Lage in Bulgarien, hier reichten die Vorräte nur noch für einige Tage, erklärte der Pipeline-Betreiber Bulgargaz.
Um die derzeitigen Lieferausfälle aus Russland auszugleichen, könnten die Erdgasmengen aus anderen Ländern wie Norwegen oder den Niederlanden kurzfristig erhöht werden. "Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Erdgaslieferungen über andere Transportwege zu erhöhen", sagte Weyand. Deutschland verfüge mit seinen 46 Erdgasspeichern über die höchste Erdgas-Speicherkapazität in Europa.

In Deutschland sei derzeit die Versorgung sichergestellt, betonte auch Eon Ruhrgas. "Aber unsere Möglichkeiten stoßen an ihre Grenzen, wenn diese drastischen Lieferkürzungen anhalten und die Temperaturen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau bleiben", sagte Eon-Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg.

Alle Jahre wieder kommt es zu solchen Problemen. Anfang 2006 drehte Russland der Ukraine zum ersten Mal den Gashahn zu. Ein Jahr später blockierte Weißrussland im Streit mit Moskau die Durchleitung russischen Öls nach Deutschland, Polen und in die Ukraine. Ein ums andere Mal wird den Europäern damit vor Augen geführt, dass sie energiewirtschaftlich am Tropf hängen. Ihnen bleiben nur Mahnungen und Appelle: "Die Unterbrechung der Versorgung oder der Durchleitung von Gas gefährdet den Ruf Russlands und der Ukraine als verlässliche Liefer- und Transitstaaten", warnte etwa EU-Kommissionssprecher Johannes Laitenberger.

ap/dpa

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