Gastarbeiter: Die "Piefkes" kommen

- Wien - "Die Deutschen kommen" titelte die österreichische Illustrierte "News" vor Kurzem. Gemeint waren nicht etwa die Millionen Urlauber aus dem Nachbarland, die alljährlich die Kassen der Tourismusindustrie füllen. Österreich verfolgt nicht ohne Sorge den anhaltenden Zustrom deutscher Gastarbeiter, die es angesichts der katastrophalen Arbeitsmarktsituation vor allem aus den neuen Bundesländern in die Alpenrepublik zieht.

<P>Dass die "Piefkes", wie die Deutschen - nicht immer liebevoll - genannt werden, inzwischen mit rund 46 000 Beschäftigten zur drittgrößten Gastarbeiternation in Österreich aufgestiegen sind, beschäftigt seit Wochen die Medien und jetzt auch Politiker. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein von der konservativen Volkspartei machte erst vor wenigen Tagen den "Ansturm" Deutscher auf die Jobs im Fremdenverkehr mit verantwortlich für den erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich.<BR><BR>Schon seit Anfang 2000 zieht es vor allem Arbeitslose aus dem deutschen Osten in die Urlaubsgebiete der Alpen. Zunächst wurden sie von der staatlichen Arbeitsvermittlung AMS direkt angeworben. Auch private Vermittler eröffneten in ostdeutschen Städten Filialen. Doch der Zuzug beschleunigte sich mit dem Inkrafttreten der Hartz-IV-Reformen enorm.<BR><BR>Vor allem in der stark saisonalen Fremdenverkehrsindustrie sind viele Deutsche untergekommen. "Mir gefällt es in Vorarlberg sehr gut", meint etwa Sina Kneisel aus Gera: "Man wird besser bezahlt, und in meiner Heimat Thüringen sieht es trist aus", sagte die 26-Jährige den "Vorarlberger Nachrichten".<BR><BR>Das Bundesland Vorarlberg ist ein Sonderfall. Obwohl es im vergangenen Jahr den stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit registrierte, mussten die Hotels und andere Tourismusbetriebe wieder Tausende Mitarbeiter aus dem Ausland anwerben. Und die Deutschen kamen gern.<BR><BR>Knapp 6000 sind inzwischen hier, rund fünf Prozent aller Beschäftigten in dem strukturschwachen Bundesland. In einigen Urlaubsgebieten Vorarlbergs ist nach Recherchen der "Vorarlberger Nachrichten" bereits jeder dritte Beschäftigte der Branche aus Deutschland. Doch nicht nur Festangestellte oder Saisonarbeiter zieht es in die Alpen. Allein in Tirol werden zurzeit nach Angaben des Wiener "Wirtschaftsblatts" 600 ostdeutsche Lehrlinge ausgebildet.<BR><BR>Trotz wachsender Arbeitslosigkeit sind die Einheimischen nur ungern bereit, die nicht glänzend bezahlten Saisonjobs anzunehmen und pendeln lieber ins benachbarte Liechtenstein oder die Schweiz. Deshalb finden auch deutsche Fachkräfte in der Industrie gute Jobs in der Alpenrepublik. "Wir als Industrie sehen diesen deutschen personellen Input nicht zuletzt deshalb sehr positiv, da er unseren Fachkräfte-Abfluss wenigstens zum Teil wieder ausgleicht", meint Michael Amman, zuständiger Geschäftsführer der Wirtschaftskammer Bregenz. Auch in der österreichischen IT-Branche kommen immer wieder Deutsche unter.<BR><BR>Doch der wachsende Zuzug von Gastarbeitern wird von anderen angesichts von rund 300 000 Arbeitslosen (7,2 Prozent) im Land nicht ohne Sorge gesehen. Zwar beteuern Experten des Arbeitsmarktservices AMS, kein Deutscher habe einem Einheimischen in diesem Winter den Job weggenommen. Doch schon warnen Tourismusplaner vor einer Überfremdung: Deutsche Urlauber, so spötteln sie, wollten in den Alpen eigentlich österreichisch hören und nicht sächsisch.<BR><BR></P>

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