Geschlossenes Restaurant
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Bis hierer und nicht weiter: Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind Gaststätten und Cafés seit November geschlossen. (Symbolbild)

Hier schlemmt die Kanzlerin

„Bitte hören Sie uns an“: Emotionaler Hilferuf aus Merkels Lieblingsrestaurant - es geht um die Existenz

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Deutschlands Gastronomie liegt auf dem Boden, 7 von 10 Wirte stehen vor dem Aus. Angela Merkels Lieblingsrestaurant setzt jetzt einen letzten Hilferuf Richtung Kanzlerin ab.

Berlin - Vor fünf Monaten musste Deutschlands Gastronomie die Tische nach oben klappen, mittlerweile liegt die Branche am Boden. Die Verzweiflung der Wirte wächst von Tag zu Tag, eine Perspektive gibt es nicht. Weil ihnen bei der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz wieder kein Gehör geschenkt wurde, aber auch weil versprochene Hilfen seit Monaten nicht ankommen, stößt der Betreiber von Angela Merkels Lieblingsrestaurant jetzt einen emotionalen Hilferuf in Richtung Bundeskanzlerin aus: „Bitte hören Sie uns an!“

Wie seine Branchenkollegen kämpft Simon Lukic seit November gegen Lockdown-Windmühlen. Sein italienisches Restaurant „Simon“ in Berlin Mitte zählt zu den bekanntesten in der Hauptstadt. Auch die beiden höchsten Entscheidungsträger in der Pandemie gehen hier ein und aus: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) sind Lukics Stammgäste.

Verzweifelter Hilferuf an Merkel: Gastronomie wird einfach ignoriert

In den vergangenen Tagen geben Spahn und Merkel kein wirklich souveränes Bild ab. Die Umfragewerte der Regierungsparteien sind im Sturzflug. Im Interview mit Focus Online erklärt Simon Lukic, warum das so ist. „Was der Politik fehlt, ist die operative Erfahrung in vielen Bereichen“, sagt er. Und dennoch ignoriere man im Berliner Regierungsgebäude alle konstruktiven Lösungsansätze von Unternehmen und Verbänden.

Mit Lösungsansätzen meint Simon Lukic die zahlreiche Hygienekonzepte, die er, seine Kollegen und die einschlägigen Verbände in den vergangenen Monaten ausgearbeitet haben. An vorderster Front läuft dabei der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. „Nach den gestrigen Beschlüssen wachsen im Gastgewerbe Verzweiflung und Zukunftsängste“, sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick am Dienstag nach dem Coronagipfel. Schnelle finanzielle Entschädigungen für die vom Staat verursachten Versäumnisse – bei vielen Gastronomen ist noch nicht einmal die Novemberhilfe angekommen – seien jetzt das Mindeste. „Es müssen jetzt Taten folgen!“

Hilferuf an Merkel: Diese zwei Termine sind für Gastronomen jetzt entscheidend

Noch vor Ostern erwartet Dehoga-Präsident Zöllick Konkretisierungen zum sogenannten „ergänzenden Hilfsinstrument“, das beim jüngsten Coronagipfel beschlossenen, aber nicht näher erklärt wurde. Spätestens am 12. April müsse der Branche außerdem ein konkreter Öffnungsfahrplan vorgelegt werden, fordert Zöllnick. Mehr als 70 Prozent der Betriebe bangen laut Dehoga um ihre Existenz.

Für den Ernst der Lage findet der Chef von Angela Merkels Lieblingsrestaurant deutliche Worte: „Die Situation ist mehr als erdrückend. Es geht mittlerweile um die persönliche Existenz“, sagt Simon Lukic gegenüber Focus Online. Seine Branche sei durchaus in der Lage, konstruktive Lösungen zu liefern. Es koste die Regierung nicht viel, sich die Vorschläge wenigsten anzuhören. „Ich denke, dass man dadurch wieder Vertrauen zurückgewinnen könnte.“

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