Gaststätten befürchten Jobverluste bei Rauchverbot

- Berlin - Die Gastronomie sieht bei einem gesetzlichen Rauchverbot in Gaststätten Arbeitsplätze in Gefahr. "Besonders in Kneipen, Bars und Cafés würde es zu erheblichen Umsatzeinbußen kommen", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), Ingrid Hartges, in einem dpa-Gespräch in Berlin.

Das belegten auch Erfahrungen italienischer Café- und Bar- Besitzer. In Italien existiert seit vorigem Jahr ein Rauchverbot in Gaststätten. "Ich habe die Befürchtung, dass es in diesem Segment zu Arbeitsplatzabbau und Betriebsschließungen kommt."

Die Hotels und Gaststätten lehnen ein gesetzliches Rauch-Tabu ab. "Eine freiwillige Vereinbarung ist die beste Lösung, denn sie bietet die größtmögliche Wahlfreiheit für Unternehmer und Gäste", sagte die Verbandsgeschäftsführerin. Außerdem sei es ein Unterschied, ob jemand in einem Krankenhaus oder einer Behörde sei oder aber freiwillig in eine Gaststätte gehe. Sie plädierte für mehr Markt und weniger Staat. "Unsere Branche steht für Genuss. Für die einen ist es rauchfreier Essensgenuss, für die anderen die Zigarette nach einem Essen."

Die Branche hofft auf einen Erfolg bei der freiwilligen Schaffung von Nichtraucherplätzen. "Wir geben Gas", sagte Hartges mit Blick auf eine Vereinbarung mit der Bundesregierung. Das sei "eine gigantische Herausforderung". "Jetzt kommt es darauf an, dass alle mitmachen." Bis März 2008 sollen 90 Prozent von rund 100 000 Speisebetrieben die Hälfte ihrer Plätze für Nichtraucher reservieren. Wenn bei einer Zwischenbilanz bis März 2007 nicht in 60 Prozent der Gaststätten 40 Prozent Nichtraucherplätze existieren, will die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), ein Gesetz prüfen.

Der Verband fordert Vertragstreue. "Wenn freiwillige Selbstverpflichtungen auch in Zukunft noch Bestand haben sollen, kann es nicht sein, dass die Bundesregierung vor Ablauf der Frist eine gesetzliche Regelung in-Kraft-setzt", sagte die Geschäftsführerin. Bereits jetzt zeichnet sich nach DEHOGA-Angaben ab, dass klassische Restaurants bei Nichtraucherplätzen die Nase vorn haben. Die Akzeptanz sei dort wie in Frühstücksräumen von Hotels deutlich größer. Von Restaurantketten hätten 2005 bereits 97 Prozent rund ein Drittel Nichtraucherplätze ausgewiesen.

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) hat für 2007 ein gesetzliches Rauchverbot für öffentliche Räume angekündigt. Er ließ offen, ob es auch in Gaststätten gelten soll. Initiativen gibt es zudem in der SPD und von den Grünen im Bundestag.

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