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Gasumlage sorgt weiter für Chaos: Kunden erhalten hohe Rechnungen - was ist zu tun?

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Von: Andreas Höß

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Gekippte Gasumlage der Bundesregierung
Die Gasumlage verursacht Kosten, obwohl sie nicht eingeführt wird. Für so manche Versorger und Verbraucher herrscht Unklarheit. © Political-Moments /Imago Images

Die Gasumlage kommt nicht. Manche Versorger kassieren sie jedoch trotzdem von den Kunden – offenbar, weil sie nicht schnell genug auf das Hin und Her der Politik reagieren konnten.

München – Auf der Webseite der Stadtwerke Bad Tölz ploppt für Gaskunden derzeit ein riesiges Warn-Fenster auf: „Wichtige Info zur Abschaffung der Gasumlage“, steht dort in fetten Buchstaben auf gelbem Grund. Und weiter: Man bitte um Verständnis, dass die Gasumlage im Oktober wie angekündigt abgebucht werde, obwohl sie abgeschafft wurde. Kunden sollen die höhere Zahlung weder stoppen noch sich an den Kundenservice wenden. Man kümmere sich bereits um eine Lösung.

Erhöhung rechtzeitig rückgängig gemacht: „Das war mit großem Aufwand verbunden“

Obwohl die Gasumlage nun doch nicht kommt, sorgt sie bei Versorgern und Kunden für Chaos, Irritation, unnötige Zahlungen und Unmut. Ursprünglich wurde im August beschlossen, dass Gaskunden einen Aufschlag auf ihre Rechnungen bezahlen müssen. Das Geld sollte umverteilt werden, um angeschlagene Versorger zu retten. Weil es erhebliche Zweifel an dem umstrittenen Instrument gab, wurde es aber wenige Tage vor seiner Einführung am 1. Oktober wieder abgeräumt. Für einige Versorger ging das offenbar zu schnell: Sie hatten ihre Kunden längst über durch die Umlage verursachte Tariferhöhungen informiert, höhere Abschlagszahlungen berechnet oder sogar teilweise bereits Geld eingezogen.

Große Konzerne konnten dabei offenbar noch relativ gut auf die überstürzte Umstellung reagieren. „Die Umlage wurde in den Preisen bisher nicht berücksichtigt und muss somit auch nicht erstattet werden“, sagen beispielsweise die Stadtwerke München. Ähnlich ist es bei Eon: Man habe die Kunden zwar wegen der Umlage über eine Preiserhöhung informiert. Diese sei nun aber gegenstandslos. „Durch die Rücknahme der Gasbeschaffungsumlage gilt die angekündigte Preisanpassung nicht mehr, für die betroffenen Kunden bleiben unverändert die alten Preise bestehen“, erklärte ein Firmensprecher. Und auch bei Energie Südbayern wurde die Erhöhung rechtzeitig wieder rückgängig gemacht. „Das war aber mit großem Aufwand verbunden“, so Sprecherin Tanja Erb. Man habe neue Berechnung anstellen, Testläufe absolvieren und angepasste Rechnungen verschicken müssen. „In der Kürze der Zeit ist das gar nicht so leicht.“

Gas-Umlage: „Viele Kunden wissen gar nicht mehr, was gilt. Sie sind völlig irritiert“

Bei den vielen kleinen und regionalen Versorgern in Bayern hat das Umsteuern dagegen offenbar größere Probleme verursacht. Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck hatten ebenfalls schon Mitte August über Preiserhöhungen informiert, um die gesetzlichen Fristen einzuhalten. „Kunden können die Schreiben jetzt aber in den Müll werfen“, sagt Sprecherin Monika Lidmila, die vom Hin und Her der deutschen Politik etwas genervt ist. „Viele Kunden wissen gar nicht mehr, was gilt. Sie sind verständlicherweise völlig irritiert.“

Das Gleiche beobachtet man auch bei den Stadtwerken Dachau, die ihre Kunden in den nächsten Tagen mit einem Schreiben informieren wollen, dass sie nun doch keine höheren Gasabschläge zahlen müssen. „Wir freuen uns, dass den Kundinnen und Kunden diese Belastung erspart bleibt“, sagt Werksleiter Robert Haimerl. „Höchst ärgerlich ist aber die große Verunsicherung, die bei allen Beteiligten durch die endlosen Diskussionen entstanden ist“.

Besonders hart hat es die Kunden der Stadtwerke Bad Tölz getroffen. Hier wurde der Abschlag für Oktober bereits abgebucht – und zwar inklusive der in letzter Minute verhinderten Gasumlage. Und noch eine weitere Änderung hat es nicht mehr in die aktuellen Abrechnungen geschafft: Ende September hatte die Bundesregierung auch die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Auch hier war in Bad Tölz der volle Steuersatz bereits verrechnet – ebenso wie die kleinere Gasspeicherumlage und die Bilanzierungsumlage, die tatsächlich kommen, die manch andere Anbieter wie Eon aber erst später einkalkulieren werden.

Bürger verärgert: Stadtwerke Bad Tölz werben um Verständnis und Geduld

„Wir haben es einfach nicht mehr geschafft, alle Änderungen in den Abschlägen umzusetzen“, wirbt Martina Geisberger von den Stadtwerken Bad Tölz um Verständnis und Geduld. Trotzdem: Das Telefon steht nicht mehr still, das Mailpostfach quillt über und manche Kunden machen direkt vor Ort ihrem Ärger Luft. „Das ist nachvollziehbar“, sagt Geisberger, „und unser kleines Team gibt deshalb auch alles.“ Ab dem Abschlag für November werde die Mehrwertsteuer reduziert, zu viel gezahlte Beträge würden mit der Jahresendabrechnung verrechnet.

Laut Verbraucherschützern müssen Versorger genau so vorgehen, wenn sie zu hohe Beträge kassiert haben. Kunden müssen selbst nicht aktiv werden – können aber zum Beispiel mit dem Energiepreis-Rechner der Verbraucherzentrale überprüfen, ob der Gasanbieter alles exakt kalkuliert hat. Und während sie sich auf die Gaspreisbremse freuen können, die Endverbraucher ab März 2023 entlasten statt wie die Gasumlage zusätzlich belasten soll, stellen sich die Versorger auf weiteres Chaos in der konkreten Umsetzung ein.

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