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Gasumlage: Diese Auswirkungen hat sie auf Familien, Paare und Singles

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Von: Johannes Nuß

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Eine Gasflamme auf einer Kochstelle an einem Gasherd in einer Küche.
Die Gasumlage über 1,5 bis 5 Cent wird ab Oktober 2022 die Gaskunden zusätzlich belasten. (Symbolbild) © Patrick Pleul/dpa

Die Gasumlage kommt. 1,5 bis 5 Cent sollen Gaskunden zusätzlich zahlen. Doch was heißt das genau für die rund 20 Millionen betroffenen Haushalte?

Berlin – Rund 20 Millionen Haushalte in Deutschland heizen ihre Wohnungen und Häuser mit einer Gasheizung. Das ist fast die Hälfte aller Haushalte. Einzig Bayern unterschreitet diesen Wert mit 35 Prozent Gasanteil deutlich. Doch ab Oktober 2022 wird es für Gaskunden so richtig teuer in Deutschland: Die Gasumlage kommt auf Wunsch der Politik. Denn der Gaspreis schießt aufgrund des Ukraine-Kriegs seit Monaten in ungeahnte Höhen. Die Energiepauschale über 300 Euro für Arbeitnehmer, die mit den September-Gehältern ausgezahlt werden soll, wird dies aber nur in kleinem Umfang auffangen können.

Gasumlage kommt ab Oktober 2022: Gaslieferanten geraten in wirtschaftliche Schieflage

Einige Gaslieferanten haben nämlich in der Vergangenheit bereits ihre Preise angepasst. Da aber viele von ihnen feste Verträge mit ihren Kunden haben und dort Preise für jede Kilowattstunde festgeschrieben sind, gibt es für einige keine Möglichkeiten, die enormen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Etliche Unternehmen wie Uniper, RWE oder Wingas sind bereits in wirtschaftliche Schieflage geraten. Die Gasumlage soll dies nun ändern.

Gasumlage kommt ab Oktober 2022: Warum ist Energie so teuer?

Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine hat die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten drastisch verschärft, heißt es im Entwurf der Verordnung zur Gasumlage. Russland hat unter Verweis auf technische Gründe die Gasmengen durch die wichtige Pipeline Nord Stream 1 deutlich gedrosselt. Aktuell ist die Pipeline nur zu 20 Prozent ausgelastet, zuvor hatte Kreml-Chef Putin die Lieferungen bereits auf 40 Prozent gedrosselt. Aus diesem Grund wird derzeit in Wilhelmshaven ein LNG-Terminal im Eiltempo aus dem Boden gestampft. Die Bundesregierung betrachtet die technischen Gründe als Vorwand, Habeck hatte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein „perfides Spiel“ vorgeworfen. Die Höhe der Umlage wird vom sogenannten Marktgebietsverantwortlichen bis zum 15. August in Cent je Kilowattstunde ermittelt und im Internet veröffentlicht – das ist die Trading Hub Europe (THE), ein Zusammenschluss von Netzgesellschaften.

Von Oktober 2022 bis 30. September 2024 soll nun eine Gasumlage durch den Staat erhoben werden, um diese Defizite auszugleichen. Zu groß ist die Angst vor dem sogenannten „Lehman-Brother“-Effekt, bei dem ein Unternehmen das Nächste in die Insolvenz reißt. Diese wird zwischen 1,5 und 5 Cent betragen. Es kommen enorme Belastungen auf jeden einzelnen Haushalt zu. Doch welche sind dies genau?

Noch ist dies schwierig zu sagen, dann die Spanne, mit der Wirtschaftsminister Habeck die Gasumlage ankündigt, ist enorm. Das Vergleichsportal Check24 hat nach den Vorgaben von Habeck eine Vergleichsrechnung auf Grundlage der durchschnittlichen Gasrechnung einer dreiköpfigen Familie, die in einem durchschnittlich großem Einfamilienhaus (etwa 180 Quadratmeter) lebt, angestellt, die einen durchschnittlichen Verbrauch von etwa 20.000 kWh haben.

Wie teuer wird die Gasumlage über 1,5 bis 5 Cent ab Oktober 2022 für Familien, Paare und Singles?

Es wird also teurer für Gaskunden – viel teurer. Dafür sorgt eine Preiswelle, die schrittweise bei den Verbrauchern ankommt, Grund sind immens gestiegene Beschaffungskosten für Erdgas. Obendrauf kommt nun eine staatliche Gasumlage. Die Bundesregierung will damit einen Zusammenbruch von Importeuren als Folge stark gedrosselter russischer Gaslieferungen verhindern.

Sie ist nötig, um die Wärme- und Energieversorgung in den privaten Haushalten und in der Wirtschaft zu sichern.

Robert Habeck (Grüne), Bundeswirtschaftsminister

Sie einigte sich vergangene Woche auf eine Rechtsverordnung zur Umlage. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erklärte: „Die befristete Umlage ist eine Folge der durch Russland verursachten Krise. Sie ist kein leichter Schritt, aber sie ist nötig, um die Wärme- und Energieversorgung in den privaten Haushalten und in der Wirtschaft zu sichern.“

Wie funktioniert die Gasumlage, die ab Oktober 2022 erhoben wird?

Kern sind Ausgleichszahlungen an die Gasimporteure, die ausreichen, um Insolvenzen zu verhindern, wie es heißt. Mit der Umlage sollen weitere massive Preissteigerungen durch den insolvenzbedingten Ausfall für den Markt wichtiger Gasimporteure verhindert werden.

Der finanzielle Ausgleich für betroffene Gasimporteure ist zeitlich beschränkt auf die Erfüllung von vertraglichen Lieferverpflichtungen vom 1. Oktober 2022 bis zum 1. April 2024. Bis Oktober tragen laut Ministerium die betroffenen Gasimporteure alle Kosten für die Ersatzbeschaffung allein. Danach tragen sie 10 Prozent der Kosten dauerhaft selbst.

Die Meinungen bei den Sozialverbänden über die Gasumlage in Deutschland gehen weit auseinander. „Es kann nicht angehen, dass Krisengewinnler nunmehr auch noch von jedem Einkaufsrisiko freigestellt werden“, sagte Ulrich Schneider, Haupt­geschäfts­führer des Paritätischen Gesamtverbandes, dem Redaktions-­Netzwerk Deutschland (RND). Er ist der Meinung, dass eine Übergewinnsteuer für Unternehmen, die durch den Krieg in der Ukraine außergewöhnlich hohe Gewinne eingefahren haben, die Lösung ist. Gemeint sind damit vor allen Dingen Mineralölkonzerne oder Rüstungsunternehmen.

Marcel Fratzscher, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) steht der Gasumlage positiv gegenüber. Wie er der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post sagte, sei diese richtig und notwendig. Damit will er wissen, dass Unternehmen und Bürger auch tatsächlich zum Gassparen angehalten werden. Gleichzeitig fordert er von der Politik ein zusätzliches Entlastungspaket neben der Energiepreispauschale – vor allen Dingen für Bürgerinnen und Bürger, die nur ein geringes oder ein mittleres Einkommen haben.

Gasumlage kommt ab Oktober 2022: Inwiefern plant die Bundesregierung zusätzliche Entlastungen?

Ins gleiche Horn bläst auch Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Sie drängt auf eine Entlastung der privaten Haushalte in Deutschland, damit die Gasumlage entsprechend abgefedert werden kann. . „Wir wollen eine Preisgarantie für den Grundbedarf der Privathaushalte, der sich am durchschnittlichen Verbrauch des letzten Jahres orientiert“, so Fahimi.

Es soll weitere Entlastungen vor allem für einkommensschwache private Haushalte geben – die Frage aber ist: wann kommen diese, gleichzeitig mit der Wirkung der Umlage? Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte etwa eine große Wohngeldreform zu Beginn des kommenden Jahres angekündigt. Habeck sagte: „Die Entscheidung der Bundesregierung für die befristete Umlage wird und muss von weiteren Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger begleitet werden.“ Auch Hilfsprogramme für Unternehmen sollten verlängert werden.

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