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Die Versorgung mit Erdgas ist nach Angaben der Fachleute auf Monate gesichert.

Gasversorgung auf Monate gesichert

München – Trotz des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine gibt es bislang keine Störungen in der Belieferung mit Gas. Dennoch hat der Stopp russischer Gaslieferungen in die Ukraine auch in Deutschland Ängste vor Energieengpässen geweckt. Im Folgenden Fragen und Antworten zu den möglichen Auswirkungen des Konflikts.

Droht durch den Konflikt ein weiterer Anstieg der Gaspreise?

Nein. Selbst wenn es zu Lieferengpässen käme, hätte dies nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) keinen Einfluss auf den Verbraucherpreis. „Die Ölpreisbindung schützt den Verbraucher hier vor Preissteigerungen“, sagte ein Verbandssprecher. Der BDEW rechnet ungeachtet des Konflikts im laufenden Jahr sogar mit sinkenden Preisen.

Sind schon erste Auswirkungen des Konflikts auf die Gaslieferungen spürbar?

Nein. Ein Sprecher des größten deutschen Gasimporteurs Eon Ruhrgas betonte am Freitag: „Das Gas fließt. Wir bekommen, was wir bestellt haben.“ Allerdings wären eventuelle Auswirkungen des russischen Lieferstopps für die Ukraine auf die deutsche Gasversorgung nach Angaben des Sprechers auch frühestens Anfang nächster Woche zu erwarten. So lange dauert es, bis das Gas in den Pipelines den Weg nach Deutschland zurückgelegt hat.

Wie viele Bundesbürger wären bei möglichen
Lieferengpässen betroffen?

Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird nach Angaben des BDEW inzwischen mit Gas beheizt – insgesamt mehr als 18 Millionen Haushalte. Und der Anteil wächst ständig. Rund zwei Drittel aller Neubauwohnungen werden derzeit mit Erdgas beheizt.

Müssen diese Menschen damit rechnen, bald
im Kalten zu sitzen?

Nein. Zumindest in den nächsten Monaten ist die Versorgung gesichert. Darüber sind sich der BDEW, die großen Gasimporteure und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos einig. „Selbst bei einer fortdauernden Auseinandersetzung wird es nicht zu Liefereinschränkungen für Haushalte und Endverbraucher kommen“, verspricht Eon Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg.

Was macht die Energieversorger so zuversichtlich?

Die Industrie verweist darauf, dass fast zwei Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus Westeuropa stammen und damit nicht von dem russisch-ukrainischen Konflikt betroffen sind. Zwar liefert Russland alleine rund 37 Prozent des deutschen Bedarfs. Doch der Rest stammt aus Norwegen (26 Prozent), den Niederlanden (18 Prozent), aus deutschen Gasquellen (15 Prozent) sowie aus Dänemark und Großbritannien (zusammen 4 Prozent). Außerdem fließt ein Teil der russischen Ergaslieferungen nicht durch die Ukraine, sondern über Weißrussland nach Deutschland.

Wie kann im Krisenfall die verbleibende Lieferlücke geschlossen werden?

Die Gaswirtschaft in Deutschland kann auf große Reserven zurückgreifen, die in 46 Untertage-Gasspeichern aufbewahrt werden. Die Speicher seien gut befüllt, berichtete die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums, Beatrix Brodkorb. Der Vorrat decke 25 Prozent des deutschen Jahresbedarfs. Außerdem können nach Angaben des BDEW die Niederlande bei zusätzlich anfallender Nachfrage sehr schnell zusätzliches Erdgas liefern.

Also gibt es keinen Grund zur Sorge?

Jein. Die deutschen Gasversorger sehen sich zwar gut gerüstet. Doch hat selbst die beste Vorsorge ihre Grenzen. „Wenn sich die Lieferkürzungen als gravierend herausstellen sollten, lang anhalten und der Winter besonders kalt wird, stoßen auch unsere Ausgleichsmöglichkeiten an ihre Grenzen“, räumt Eon Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg ein.

Erich Reimann

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