Gazprom will Gaspreise für Europa deutlich anheben

- Moskau/Essen - Der russische Gasproduzent Gazprom will seine Exportpreise für Europa im kommenden Jahr um etwa 15 Prozent erhöhen. Damit dürfte Gazprom aber auf heftigen Widerstand stoßen.

"Wir haben mit Gazprom langfristige Gasbezugsverträge, in denen der Preis an Wettbewerbsenergien gebunden ist. Damit folgen auch die Importpreise für russisches Gas der Ölpreisentwicklung", betonte der deutsche Importeur E.ON Ruhrgas am Montag. Der Ölpreis war in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Anfragen von Gazprom in Hinblick auf weitere Preiserhöhungen seien bei Ruhrgas nicht bekannt, hieß es.

Das konzerninterne Gazprom-Budget sehe die Preiserhöhung für 2007 vor, bestätigten Unternehmenskreise in Moskau einen Bericht der russischen Wirtschaftszeitung "Wedomosti" vom Montag. Der Preis für europäische Versorger solle demnach von derzeit etwa 250 Dollar (190 Euro) je 1000 Kubikmeter Gas auf 293 Dollar ansteigen. Moskauer Analysten reagierten überrascht und bezeichneten die Preiserhöhung als "aggressiv". Offiziell teilte Gazprom mit, man könne keine internen Zahlen vor der Sitzung des Aufsichtsrates am Mittwoch kommentieren.

Ruhrgas betonte, die Gaspreise für Regionalversorger und Stadtwerke würden zum Jahresanfang 2007 wie geplant gesenkt, hieß es weiter. Hintergrund seien die wieder gesunkenen Ölpreise. Deutschland bezieht ein Drittel seines Gases aus Russland. Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Gas beheizt. Beim Gaspreis für private Haushalte entfallen 74 Prozent auf Produktion, Speicherung und Transport. Die restlichen 26 Prozent machen nach Branchenangaben Steuern und Abgaben aus.

Der vom Kreml kontrollierte Gazprom-Konzern will im kommenden Jahr seine Exporteinnahmen um etwa 20 Prozent auf die Rekordhöhe von 46 Milliarden Dollar steigern. Die Exportmenge für die Abnehmer in Europa solle demnach von 151 Milliarden Kubikmeter auf knapp 158 Milliarden Kubikmeter erhöht werden. Anfang dieses Jahres kam auch in Westeuropa weniger Gas an, als Russland die Pipelines für die Ukraine zeitweise sperrte. Das Land weigerte sich, eine kräftige Preiserhöhung durch Gazprom zu akzeptieren.

Zu seit Wochen andauernden Spekulationen über einen möglichen Einstieg des russischen Erdgasmonopolisten bei westlichen Unternehmen sagte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew der Pariser Tageszeitung "Les Echos" (Montag), man führe derzeit weder mit dem deutschen Energiekonzern RWE noch mit dem britischen Versorger Centrica Verhandlungen.

Trotz der deutlichen Erhöhung der Exporteinnahmen droht dem Gasgiganten einmal mehr ein Gesamtdefizit. Ursachen dafür sind die staatlich geregelten Billigtarife für den russischen Inlandsmarkt sowie eine nach Ansicht von Kritikern äußert ineffiziente Konzernführung.

Russische Experten zeigten sich von den Gaspreiserhöhungen vor dem Hintergrund der Prognosen für den Ölpreis überrascht. Die Pläne machten einen "aggressiven" Eindruck, urteilte die Investmentbank Deutsche UFG in Moskau. In einer eigenen Prognose gehe man eher von einem Export-Preis der Gazprom im kommenden Jahr von 255 Dollar je 1000 Kubikmeter aus, hieß es. "Internationale Gasverträge sind wie ein Buch mit sieben Siegeln. Nur ganz wenige Personen bekommen die Verträge zu sehen", kommentierte eine Moskauer Analystin, die anonym bleiben wollte, die Preispolitik von Gazprom.

In der Vorwoche hatte Präsident Wladimir Putin eine Angleichung der subventionierten russischen Inlandspreise an das Weltmarktniveau vor der Präsidentenwahl 2008 abgelehnt. Nach "Wedomosti"-Angaben soll der russische Gaspreis im kommenden Jahr um 15 Prozent (auf Rubel- Basis) auf umgerechnet 49 Dollar je 1000 Kubikmeter erhöht werden.

Für das ehemals sowjetische Weißrussland, durch das ein Teil der Gazprom-Exporte in Richtung Westen fließt, sieht das Budget eine Vervierfachung der Preise von derzeit 50 Dollar auf 200 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas vor. Die weißrussische Führung weigert sich bislang, Gazprom ihre Gaspipelines zu überlassen.

Der Kreml dementierte jüngste Berichte über mögliche Lieferengpässe für russisches Gas in den kommenden Jahren auf Grund der mangelhaften Erschließung neuer Vorkommen. Die Regierung werde den Inlandsverbrauch von Gas reduzieren, kündigte Putins Berater Igor Schuwalow in einem Interview mit der Londoner "Financial Times" (Montag) an. Die heimische Industrie solle verstärkt auf Wasserkraft, Atomkraft und Kohle zurückgreifen. Russland bleibe der verlässlichste Energielieferant für die Europäische Union, sagte Schuwalow.

Die Grünen-Vizefraktionsvorsitzende Bärbel Höhn warnte vor den "Vorwehen eines neuen Gas-Kartells" Die Bundesregierung müsse die Pläne als nochmaligen Warnschuss verstehen und endlich in großem Umfang in die Energieeinsparung einsteigen und die Erneuerbaren Energien stärker ausbauen.

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