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Der Mann im Mittelpunkt: So gefällt sich der GDL-Chef Claus Weselsky.

Unmut in der Politik

GDL-Streik: So teuer war der Machtkampf für die Bahn

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München - Das Streikrecht ist ein hohes Gut. Doch der harte Kampf der kleinen Gewerkschaften stellt die Branche vor Probleme. Beim DGB wächst der Unmut.

Es gibt Menschen, die sich über den Streik der Lokführer freuen: Graffiti-Sprüher zum Beispiel. Sehr praktisch, wenn in Berlin ein ganzes Wochenende lang die Züge nicht bewegt werden. Trotz verschärfter nächtlicher Kontrollen meldet die Bahn in der Hauptstadt am Montag 69 frisch besprühte S-Bahn-Waggons. Insgesamt dürfte der 60-stündige Ausstand die Bahn eine zweistellige Millionensumme gekostet haben.

Anders als die illegalen Sprüher sind die meisten Deutschen zunehmend genervt, wenn Lokführer oder Piloten die Arbeit verweigern. In den sozialen Netzwerken, aber auch in traditionellen Medien verschärft sich der Ton gegenüber den Streikenden. „Stoppt diesen Mann!“, forderte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Gemeint ist: Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Der „Stern“ nannte ihn einen „Erpresser“.

Auch die Politik wird immer deutlicher: Der bayerische FDP-Generalsekretär Daniel Föst schimpfte via Twitter über den „machtgeilen, asozialen Sauhaufen“. Markus Rinderspacher, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag, drückt sich zwar gewählter aus, inhaltlich aber ist er gar nicht so weit weg: „Man kann beim Lokführerstreik der GDL leider den Eindruck gewinnen, dass es hier gar nicht um das Wohl der Bahnbeschäftigten geht, sondern eher um einen Streit um Marktanteile, um einen Machtkampf mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG.“

Dieser dürfe aber nicht auf dem Rücken der Bahnreisenden und der gesamten Wirtschaft ausgetragen werden. „Das ist nicht der Sinn des Streikrechts.“

Ton innerhalb des Gewerkschaftslagers verschärft sich

Es grummelt gewaltig. Die Spartengewerkschaften sind dabei, dem Streikrecht im Lande einen Bärendienst zu erweisen. Bislang kannte man so radikale Arbeitsmaßnahmen nur aus dem Nachbarland Frankreich. Andrea Nahles bastelt bereits an einem Gesetz zur Tarifeinheit – künftig soll pro Betrieb nur noch ein Tarifvertrag gelten. Die Macht der Kleinen würde damit geschwächt. Aber es ist gut möglich, dass zugleich auch das Streikrecht insgesamt beschnitten wird.

Eine heikle Aufgabe für eine Sozialdemokratin. Der bayerische DGB-Chef Matthias Jena begrüßt zwar Nahles’ Gesetzespläne grundsätzlich. Er warnt aber: „Ein Eingriff ins Streikrecht ist mit uns nicht zu machen.“ Er sei „gespannt, wie Frau Nahles den Einfluss von Spartengewerkschaften beschränken will, ohne ins Streikrecht einzugreifen“.

Insgesamt verschärft sich der Ton innerhalb des Gewerkschaftslagers. Schon immer ging es hinter verschlossenen Türen um Macht und Einfluss. Jetzt wird der Machtkampf öffentlich. Auch persönliche Eitelkeiten sind für die Arbeiterführer kein Fremdwort. Zuweilen nimmt das kuriose Züge an. Der stellvertretende Chef der wesentlich größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, bietet Weselsky inzwischen via Medien an, „die unsägliche Diskussion über Mitgliederzahlen zu beenden.

Wir sind bereit, wenn die GDL das auch tut, unsere Mitglieder notariell prüfen zu lassen“. Dann könne man derjenigen Gewerkschaft die Federführung überlassen, die die Mehrheit hat.

Die EVG operiert unter dem Dach des DGB, die GDL gehört zum Beamtenbund. Mehrfach hatte der DGB in den vergangenen Monaten an den Beamtenbund appelliert, mäßigend auf die GDL einzuwirken. Ohne Erfolg. Eher im Gegenteil. „Herr Weselsky zielt nur auf eine Ausweitung des Einflussbereichs seiner Gewerkschaft. Dafür fehlt mir jegliches Verständnis“, schimpft der bayerische DGB-Chef Jena. Die Menschen hätten „keine Lust auf Machtspiele“.

Unter den Beamten herrscht derweil die Sorge, die kleine GDL könne den Streikfonds der 1,2 Millionen BBB-Mitglieder plündern. „Ich kann nur hoffen, dass auf beiden Seiten schnell Vernunft einkehrt“, warnt der bayerische BBB-Vorsitzende Rolf Habermann. Es müsse verhandelt werden. „Scharfmacherei hilft uns nicht weiter.“

Mike Schier

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