Kreditkosten

Gebühren-Urteil: Banken mauern

München - Tausende Kunden haben Anspruch auf die Rückerstattung bereits bezahlter Kreditgebühren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) Mitte Mai entschieden.

Doch die Banken mauern. Zahlreiche Briefe wütender Kunden sind in den vergangenen Tagen bei der Verbraucherzentrale Bayern eingegangen. Auch in Internetforen melden sich immer mehr Betroffene zu Wort.

Nach dem Grundsatzurteil des BGH kontaktierten die Kunden ihre Kreditinstitute, um die unzulässigen Bearbeitungsgebühren zurückzufordern. Viele nutzten einen Musterbrief, den die Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest zur Verfügung gestellt hatten. Mittlerweile sind die ersten Antworten eingetroffenen. „Da die Urteilsbegründung noch nicht vorliegt, ist eine Prüfung der von Ihnen geltend gemachten Ansprüche derzeit noch nicht möglich“, heißt es etwa im Schreiben einer Bank. Andere Kreditnehmer warten bis heute vergebens auf eine Reaktion ihres Geldhauses. „Eine genaue Bewertung des BGH-Urteils wird erst nach dem Vorliegen der Entscheidungsgründe möglich sein“, heißt es auch beim Bankenverband.

„Die Kunden sind wütend und enttäuscht“, berichtet Susanne Götz, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. „Der BGH hat ganz klar entschieden, dass in Fällen, in denen die Bearbeitungsgebühr nicht individuell ausgehandelt wurde, die Klauseln ungültig sind“, erläutert die Verbraucherschützerin. Meist geht es für die Kunden um Beträge zwischen 100 und 800 Euro. Für viele eine zu geringe Summe, um dafür vor Gericht zu ziehen. Für die Kreditwirtschaft kommen allerdings Millionen zusammen. „Die Banken hoffen darauf, dass die Kunden aufgeben“, mutmaßt Götz angesichts der Hinhaltetaktik.

Verbraucherschützer raten Betroffenen, sich von den Banken nicht vertrösten zu lassen, sondern aktiv zu werden. Zeigt der Musterbrief keine Wirkung, empfiehlt sich zunächst ein – für Verbraucher kostenfreies – Ombudsverfahren. In bestimmten Fällen gibt es auch die Möglichkeit, sich einer Sammelklage anzuschließen.

mad

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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