Gebührenfreie Konten: Wirklich kostenlos sind sie nicht immer

- Allmählich kehren die Banken wieder dorthin zurück, wo sie vor knapp 50 Jahren mit der breiten Einführung der Gehaltskonten begonnen haben: Sie verzichten auf die monatliche Grundgebühr. Nachdem jahrzehntelang nur die PSD- und die Sparda-Banken-Gruppe keine Monatspauschale erhoben haben, zogen nun fast alle Geschäftsbanken, aber auch viele regionale Institute nach. Doch bei genauem Hinsehen sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Banken immer noch gewaltig.

Bestimmter Geldeingang nötig

Weitgehend durchgesetzt hat sich der Trend, auf einen monatlichen Pauschalbetrag zu verzichten, sobald das Konto nicht mehr über die Filiale, sondern online geführt wird. Dem haben sich viele regionale Institute angeschlossen, so auch die Stadtsparkasse München mit ihrem Privatkonto Direkt. Sie verlangt jedoch einen Durchschnittssaldo von 1500 Euro, sonst werden monatlich 2,30 Euro fällig. Die Münchner Bank erhebt bei ihrem GiroDirekt eine Grundgebühr in Höhe von monatlich 2,50 Euro.

Genau genommen sind die wenigsten gebührenfreien Girokonten wirklich kostenlos. Die Stammkunden der HypoVereinsbank beispielsweise müssen dem Geldhaus einen zinslosen Kredit in Höhe von mindestens 1500 Euro gewähren, um im Gegenzug nicht jene 5,00 Euro zahlen zu müssen, die immer dann fällig werden, wenn das geforderte Durchschnittsguthaben im Quartal nicht erreicht wird. Die meisten anderen Geschäftsbanken machen einen monatlichen Geldeingang zwischen 650 (Dresdner Bank) und 1250 Euro (Postbank) zur Bedingung, damit keine Grundgebühr anfällt.

Erste Wahl bei kleinem Einkommen

Sind Sie kein Schüler oder Student (die bei fast allen Kreditinstituten Girokonten ohne Gebühren bekommen) und haben dennoch einen monatlichen Geldeingang von weniger als 650 Euro, so bleiben als gebührenfreie Alternativen nur die PSD-Bankengruppe, die Sparda-Bank, die Wüstenrot-Bank oder die HypoVereinsbank mit ihrem Willkommenskonto, das aber nur neuen Kunden, nicht Stammkunden offensteht.

Einzig die Deutsche Bank hat noch kein Kontenmodell, bei dem sich die Grundgebühr irgendwie umgehen lässt. Auch die Ing-Diba will ab 1. April auf die bisherigen vier Euro monatliche Grundgebühr verzichten. Im Gegenzug fällt auch die Guthabenverzinsung von 1,50 Prozent ersatzlos weg. Übrig bleiben dann nur noch wenige Banken, die jedem ihrer Kunden eine Guthabenverzinsung bieten: Netbank, Cronbank, Volkswagen- und Wüstenrot-Bank, so wie einzelne PSD-Banken. Die ersten drei sind jedoch nur online zu führen, womit sich gerade viele ältere Leute und Kleinverdiener schwertun dürften.

Was sonst noch zählt

Die Grundgebühren sollten aber nicht allein den Ausschlag für oder gegen eine Bank geben. Mit ins Kalkül sollte man Nebenkosten wie Kosten für die Kreditkarte, die Höhe von Dispo- und Überziehungszinsen und eine eventuelle Guthabenverzinsung ziehen.

Wer über einen Bankenwechsel nachdenkt, sollte auch immer an die Bargeldversorgung denken. Die Sparkassen haben mit 22 000 Automaten das dichteste Netz. Mit rund 17 000 Automaten folgt gleich dahinter die PSD-Bankengruppe. Die vergleichbaren Sparda-Banken hingegen verfügen über das weniger dichte Geldautomatennetz (2300). Kostenlos abheben können auch Kunden, deren Bank der sogenannten Cash-Group angehört. Es sind dies HypoVereinsbank, Dresdner Bank, Deutsche Bank, Postbank und Commerzbank.

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