Zum 70. Geburtstag: Die Bierdose kehrt in den Handel zurück

- München - 70 Jahre nach ihrer Erfindung setzt sich die Bierdose zum zweiten Mal in Deutschland durch. Nachdem das Dosenpfand die Blech- und Alubehälter vor zwei Jahren aus den Regalen gedrückt hatte, tauchen sie jetzt wieder auf. Hintergrund ist die neue Regelung des Einwegpfands im kommenden Jahr.

Die Bierdose ist ein Importprodukt aus den USA. Die Gottfried Krueger Brauerei aus New Jersey füllte 1935 erstmals Bier in flaschenförmige Blech-Behälter mit Kronkorken ab. Nach dem Krieg bekam die Bierdose Zylinderform und wurde in Deutschland zunächst vor allem von amerikanischen Soldaten gekauft. Später setzte sich die Dose insbesondere bei Billig-Supermärkten, an Kiosken und Tankstellen durch. Im Jahr 2002 wurden bundesweit fast acht Milliarden - nicht nur mit Bier gefüllte - Dosen verkauft. Dann schlug das Dosenpfand zu. Handelsketten räumten die Packung aus den Regalen. Der Dosenabsatz brach auf eine halbe Milliarde ein. Stattdessen tauchte Bier in Plastikflaschen auf.Das Gebinde mit dem komplizierten Namen Polyethylenterephthalat - kurz PET - ist zwar auch pfandpflichtig. Ihm wurden aber Vorteile bei der Rücknahme zugeschrieben. So lassen sich die PET-Flaschen - im Gegensatz zur Dose - verschließen, was zum Beispiel ein Auslaufen von Resten und Gerüche verhindert. Nur sieht es derzeit so aus, als ob in Deutschland nicht mehr viele Kunden für das PET-Bier zu begeistern wären. Der Anteil der PET-Flaschen am Bierabsatz im Einzelhandel ist zwar rasant auf rund fünf Prozent gestiegen, stagniert aber seit vergangenem Herbst. Ein weiterer Vorteil der PET-Flasche erübrigt sich im kommenden Jahr: Sie lässt sich einfach individuell gestalten. So mussten Handelsketten nur ihre eigenen Flaschen im Rahmen so genannter Insellösungen zurücknehmen und nicht die der Konkurrenz. Ab kommendem Jahr muss jeder, der pfandpflichtige Einwegpackungen verkauft, auch alle pfandpflichtigen Einweggebinde zurücknehmen (siehe auch Kasten). Und das können auch Dosen sein.Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe erklärt den Versuch mit dem PET-Bier für "grandios gescheitert". Bei Deutschlands größtem Einzelhandelskonzern, Metro, räumt ein Sprecher ein: "Gerade bei Bier ist die Dose für viele Menschen das vertrautere Gebinde." Deshalb verkauft der Konzern in seinen Großhandelsmärkten nun wieder Dosenbier der Marken Warsteiner und Felsgold. Nach Angaben des Sprechers sollen demnächst Erdinger Weißbier sowie Beck's und Holsten folgen. Auch in den Metro-Handelsketten Real und Extra könnte es bald Dosenbier geben. Die Billigmärkte Lidl (mit Veltins) und Plus (mit Bitburger) haben ihr Sortiment zumindest versuchsweise erweitert. Bei Edeka wird mit dem Gedanken gespielt."Wir rechnen damit, dass die Dose ein gewisses Volumen erreichen kann, aber nicht so viel wie vor Einführung des Pfandes", erklärt Markus Strobl vom Marktforscher AC Nielsen. Damals lag der Dosen-Anteil bei rund 25 Prozent des im Handel verkauften Bieres. Bei der Münchner Paulaner-Brauerei etwa hofft man darauf, den Dosenanteil auf zwölf Prozent steigern zu können - das war der Wert vor Pfandeinführung. Auch Josef Westermeier, Geschäftsführer bei Erdinger, traut der Dose zu, ihre alte Marktmacht zu erreichen. Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe erwartet, dass die Mehrwegquote beim Bier von derzeit 90 auf 80 Prozent - den Wert von 1990 - zurückfallen wird. Für die meisten Brauereien in Bayern ist die Dose allerdings kein Thema. Sie setzen auf Mehrweg. Investitionen in Dosenabfüllanlagen lohnen sich kaum für die kleinen und mittelständischen Betriebe.

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