Gedenktag: Als der Dollar 4,2 Billionen Mark kostete

- In der Vielzahl von Erinnerungstagen - vom Tag der Milch bis zum Tag des Baumes - sollte ein nachdenklich stimmendes Datum nicht in Vergessenheit geraten: Heute vor 80 Jahren, am 20. November 1923, erreichte der Wertverlust der damaligen deutschen Währung, der Reichsmark, gegenüber dem Dollar den höchsten Stand - 4,2 Billionen Mark (das macht in Zahlen 4 200 000 000 000) mussten für einen Dollar gezahlt werden. Karl Valentin trotzte selbst dieser katastrophalen Hyper-Inflation noch einen galligen Humor ab: "Mehr ist der Dollar auch nicht wert."

<P>Damit sollte er in einem anderen Sinne auch Recht behalten. Denn obwohl die Zeitgenossen dies noch nicht wissen konnten, markierte der 20. November 1923 auch den Wendepunkt der Inflation. Mit der Rentenmark und dem Ende der Einlösung von Reichsschatzanweisungen durch die Reichsbank konnte die Währung stabilisiert werden.</P><P>Die Wirkungen der Hyper-Inflation waren aber verheerend. Das Geld verlor seine Funktion, zuerst als Wertaufbewahrungs-, dann auch als Zahlungsmittel; die Menschen verloren zuerst ihre Ersparnisse, dann ihr Vertrauen in Wirtschaft und Politik. Die faktische Enteignung des Mittelstandes und der Verlust der gesellschaftlichen Orientierung waren einer der Gründe für die Radikalisierung der Politik in der Weimarer Zeit.</P><P>Ohne historische Parallelen überstrapazieren zu wollen, ist der 20. November ein Anlass, sich wieder des Wertes und der Voraussetzungen für Preisniveau-Stabilität bewusst zu werden, wie wir sie mit der D-Mark in den meisten Jahren gehabt hatten und mit dem Euro wieder erreicht haben:</P><P> Preisstabilität ist Grundlage für soziale Gerechtigkeit. Inflation trifft gerade nach den Erfahrungen der Deutschen mit zwei großen Inflationen (1922/23 und 1946/48) vor allem die Ärmsten und den staatstragenden Mittelstand.</P><P> Preisstabilität schafft die Grundlage für Generationengerechtigkeit. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, will im Alter von den Früchten seiner Arbeit leben und nicht den Jüngeren zur Last fallen.</P><P> Stabilität und Wachstum sind keine Gegensätze, Stabilität ist Voraussetzung für Wachstum. Den Behauptungen, durch "dosierte Inflation" das Wachstum "schmieren" zu können, ist zu widersprechen. Wenn die Stabilitätserwartung der Wirtschaftsteilnehmer einmal zerstört ist, gerät man schnell auf die schiefe Ebene, eine immer höhere Inflationsdosis zu akzeptieren, um eine schmerzhafte Stabilisierungskrise hinauszuzögern.</P><P> Mit Preisstabilität "verdient" man sich niedrige Zinsen als Voraussetzung für Investitionen und Arbeitsplätze. Die Lohnkosten der Unternehmen wachsen moderat, weil den Arbeitnehmern auch bei kleinen Einkommenssteigerungen real mehr in der Lohntüte bleibt.</P><P> Stabilität muss institutionell gesichert sein - durch die Unabhängigkeit der Notenbank. Bei der Hyper-Inflation 1922/23 hatte die Reichsbank dagegen lange Zeit die Defizite des Staates kreditfinanziert. So hielt die Reichsbank den Diskontsatz lange Zeit bei 5 %, als die Geschäftsbanken schon Zinsen von 50 % und mehr verlangten.</P><P>Heute haben wir die Aufgabe, nach über 50 Jahren Freiheit von Inflation die Geldwertstabilität nicht als selbstverständlich zu begreifen. Der europäische Stabilitätspakt muss beachtet werden, auch und gerade wenn es zu Sanktionen gegen große Mitgliedsländer wie Deutschland oder Frankreich kommt. Eine Regel, die im Konfliktfall nicht umgesetzt wird, verliert das Vertrauen.<BR><BR></P>

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