Wie gefährlich sind Uran und Arsen im Mineralwasser?

- Der Befund klingt dramatisch: Zwei bayerische Mineralwassermarken weisen Spuren von Arsen und Uran auf, berichtet das Magazin "Ökotest" in seiner neuesten Ausgabe. Bei genauerem Hinsehen relativiert sich die Sache allerdings: Sämtliche Grenzwerte wurden deutlich unterschritten, der Arsen- und Urangehalt ist verschwindend gering. Bei den betroffenen Unternehmen stößt die Bewertung deshalb auf Unverständnis.

Wenn es nach der "Ökotest"-Redaktion geht, ist selbst die Hälfte der Menge an Uran oder Arsen, die der Grenzwert noch erlaubt, zu viel: "Je weniger, desto besser", sagt Hella Hansen, "das sind giftige Stoffe, die sich im Körper anreichern." Allerdings ist ihr bewusst, dass beide Stoffe überall in der Natur vorkommen - und deshalb auch im Mineralwasser zu finden sind.

Die Konzentration von Arsen und Uran, die Ökotest bei den Marken Altmühltaler Classic und Adelholzener Classic festgestellt hat, liegt aber deutlich unter dem gesetzlichen Höchstwert. Beim Altmühltaler Wasser beispielsweise hat Ökotest sechs Mikrogramm Arsen pro Liter nachgewiesen (ein Mikrogramm: ein Millionstel Gramm). Der Grenzwert liegt aber bei 10 Mikrogramm. Ähnlich ist es bei Adelholzener: Hier wurden drei Mikrogramm je Liter gemessen, zulässig sind bei dieser für die Zubereitung von Babynahrung geeigneten Sorte aber fünf Mikrogramm.

"Diese Werte wurden mit einem großen Sicherheitsabstand definiert", heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Selbst der Genuss von Mineralwasser mit einem Gehalt von bis zu zehn Mikrogramm Arsen je Liter sei unbedenklich. Für Mineralwasser, die den Hinweis, "zur Bereitung von Babynahrung geeignet" tragen, wurde dieser sichere Wert noch einmal halbiert. Umso weniger versteht Arno Dopychai die ganze Aufregung. Der Sprecher des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) sieht in dem Testbericht den Versuch, Produkte gezielt an den Pranger zu stellen.

"Die Grenzwerte sind so berechnet, dass man völlig unbedenklich ein Leben lang seinen täglichen Bedarf mit dem Mineralwasser decken kann. Dass ,Ökotest’ diesen Wert jetzt noch einmal halbiert und zum eigentlichen Grenzwert erklärt hat, ist böswillig." Dopychai erklärt sich die Ergebnisse so: "Weil alle Marken unter den gesetzlichen Höchstwerten lagen, wurde eben die Messlatte runtergesetzt."

Auch was die gemessenen Uran-Werte angeht, ist Adelholzener mit 1,1 Mikrogramm je Liter weit unter der von der BfR empfohlenen Höchstgrenze von 2 Mikrogramm. Einen gesetzlichen Grenzwert gibt es hier nicht, die Weltgesundheitsorganisation WHO hat aber einen Richtwert von 15 Mikrogramm je Liter Trinkwasser festgelegt.

"Noch im vergangenen Jahr haben wir bei Tests hervorragend abgeschnitten", sagt Schwester Theodolinde von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern verständnislos. Der Orden betreibt die Adelholzener Alpenquellen, die Erlöse fließen nach Firmenangaben zu hundert Prozent in soziale Projekte sowie in den Betrieb von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Auch Pressesprecher Christian Bölling hält die Maßstäbe, die "Ökotest" angesetzt hat "für fragwürdig".

Warum es nun statt "sehr gut" nur noch die Note "befriedigend" gibt, kann auch Günter Kutschera nicht verstehen. Er ist Geschäftsführer der "Altmühltaler Mineralbrunnen", in deren Wasser ebenfalls Arsen gefunden wurde. "Wir sind sehr sicher, dass wir ein gutes Mineralwasser haben", sagt Kutschera. Den Test empfindet er als "sehr willkürlich", die Ergebnisse seien weder gesetzlich noch wissenschaftlich begründet. Trotzdem prüfe man Verbesserungen.

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