Voller Schadstoffe: Die Filzstifte zum Bemalen von Ballons enthalten Benzol.

Gefährliches Spielzeug - EU schlägt Alarm

Brüssel - Der Befund ist alarmierend: Jedes vierte mechanische Spielzeug in Europa ist laut einer Marktstudie der EU-Kommission nicht sicher. Gefährlich werden können laut der Studie aber auch andere Konsumgüter.

Auch Konsumgüter wie Kleidung oder Elektrogeräte können die Gesundheit der Verbraucher gefährden.

Der rosa-gelbe Babystrampler ist verziert mit aufgeklebten Blümchen und Pailletten. Doch das niedliche Leibchen aus China birgt tödliche Gefahren: Der Stoff enthält die Gift-Chemikalie Anilin. Löst sich eine der Pailletten, kann das Kind sie verschlucken. Das ist nur eines der 1993 Gefahrenprodukte, die Kontrolleure europaweit im vergangenen Jahr an das EU-Schnellwarnsystem Rapex gemeldet haben, sieben Prozent mehr als 2008. Die Dunkelziffer liegt nach Ansicht von Fachleuten freilich deutlich darüber.

Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich

Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich

Zwar will EU-Verbraucherkommissar John Dalli in dem neuerlichen Anstieg keine generelle Zunahme gefährlicher Konsumgüter auf Europas Märkten sehen, sondern vielmehr ein Zeichen der effizienten Überwachungssysteme in den Mitgliedstaaten und der guten Zusammenarbeit mit Rapex. Doch er muss einräumen: Die EU hat derzeit ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. Jetzt sind die nationalen Regierungen gefragt, das Sicherheitsnetz wasserdichter zu machen.

Die Zahlen zeigen den Handlungsbedarf: Am häufigsten beanstandeten Händler oder Verbraucherschützer Kinderspielzeuge und Kleidung, danach folgen mit etwas Abstand Fahrzeuge und Elektrogeräte. Die meisten gefährlichen Produkte meldete Spanien (220), gefolgt von Deutschland (187) und Griechenland (154). Die Gesamtzahl der als gefährlich gemeldeten Produkte hat sich seit Einführung von Rapex vor vier Jahren mehr als vervierfacht.

Unter den Produkten, die die Kommission exemplarisch vorstellte, waren Nacht-Lichtstecker für Kinder oder Handmixer, die Elektroschocks verursachen. Ein Laserpointer kann wegen zu starken Lichts Sehschäden und ein mit Dimethylfumarat behandeltes Ledersofa Allergien verursachen.

Besonders in Gefahr sind Kinder: Zu lange Kordeln an Pullis und T-Shirts drohen ihre kleinen Träger zu erdrosseln. Karnevals-Perücken können blitzschnell in Flammen aufgehen, Lebensmittel-Imitate aus weichem Plastik verspeist und Kleinteile verschluckt werden. 472 der Meldungen an Rapex betrafen Spielzeuge. Und eine gesonderte Marktstudie aus 13 EU-Ländern zeigte, dass ein Fünftel der Kinderspielzeuge nicht den Sicherheitsstandards entspricht. Die meisten davon hatten Probleme mit der Mechanik. Bei einigen Sachen sei außerdem ein zu hoher Schwermetallgehalt festgestellt worden.

60 Prozent der beanstandeten Waren kommen aus China. Demnächst will Dalli deshalb in das Reich der Mitte reisen, um mit den Behörden zu reden. Vor allem aber sieht Dalli die Mitgliedstaaten in der Pflicht. So sehe die EU-Richtlinie bereits die Möglichkeit von Sanktionen auf Importeure von Gefahrenprodukten vor. Sie auch anzuwenden, sei aber Sache der Staaten. „Die Mitgliedstaaten müssen für Strafen sorgen, die abschrecken.“ Notwendig seien auch mehr Ressourcen für die Kontrolleure. Der TÜV geht davon aus, dass es noch viel mehr gefährliche Produkte gibt, als offiziell registriert werden. Die Zahlen der EU-Kommission seien „nur die Spitze des Eisbergs“, glaubt das Präsidiumsmitglied des Verbandes der TÜV, Klaus Brüggemann. Mehr Produktbeispiele

Dorothée Junkers

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