Gefährliche Produkte: Giftalarm im Kinderzimmer

Berlin - Jede Woche werden in Europa Produkte vom Markt genommen, weil sich Nutzer an ihnen vergiften, schneiden oder erdrosseln könnten. Die Zahl der gemeldeten Risiko-Waren steigt seit Jahren. Am gefährlichsten ist Kinderspielzeug.

Giftige Ölfarben, stark brennbare Prinzessinnen-Kostüme, fehlkonstruierte Babybetten - all das findet sich im aktuellen Wochenreport der EU-Kommission über gefährliche Produkte. Und 23 weitere Risikowaren dazu. In einer der nächsten Ausgaben wird ein Kinderspielzeug der Marke Fisher-Price in dem Bericht auftauchen. Der Hersteller Mattel hat gestern eine Warnung vor in China produzierten Kinder-Musikinstrumenten veröffentlicht, weil diese "Farbe mit einem zu hohen Bleigehalt aufweisen". Über 1000 Produkte waren es im vergangenen Jahr, die im europäischen Schnellwarnsystem Rapex landeten - Tendenz steigend.

Das EU-System sammelt Informationen über alle gefährlichen Konsumgüter, mit Ausnahme von Nahrungs- und Arzneimitteln sowie medizinischen Geräten. Es soll den Informationsaustausch zwischen Mitgliedsstaaten und Kommission über Produkte gewährleisten, die eine "ernste Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher darstellen". Dabei zeigt sich ein klares Schema: Unter allen Produktkategorien fällt den Behörden am häufigsten Kinderspielzeug negativ auf und unter allen Herkunftsländern am häufigsten China.

"Dies ist in erster Linie auf die große Menge von Produkten zurückzuführen, die aus China in die Europäische Union eingeführt werden", heißt es im aktuellen Rapex-Jahresbericht. Aber nicht nur, glaubt Sylvia Maurer, Referentin für Produktsicherheit beim Verbraucherzentrale Bundesverband. "Man kann sehen, dass schlechte Produkte oft mit schlechten Umwelt- und sozialen Bedingungen einhergehen", argumentiert sie. "Oftmals sind chinesischen Herstellern zudem europäische Normen offenbar nicht bekannt."

Grundsätzlich gilt: "Es dürfen nur Produkte auf den Markt, die gesundheitlich unbedenklich sind", erklärt eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums. Gewährleistet werden soll das auf zwei Ebenen. An der Grenze kontrolliert der Zoll Importwaren danach, ob Warnmeldungen von Gewerbeaufsichtsämtern oder ausländischen Zollbehörden vorliegen.

Und im Land sind die Gewerbeaufsichtsämter für die Überwachung der Produkte zuständig. In Oberbayern sind rund 40 Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht für Produktsicherheit, Verbraucherschutz und Messen zuständig, wie eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern erklärt. Sie würden anlassbezogen aktiv werden, also wenn es Hinweise von Verbrauchern oder aus Behörden gebe. Und sie würden von sich aus Kontrollen etwa in Läden oder Vertriebsniederlassungen von Herstellern vornehmen. Dabei setze man insbesondere auf - teils bundesweite - Projektarbeiten, bei denen bestimmte Produkte im Fokus stehen, derzeit zum Beispiel Kinder-Handys oder vor Weihnachten elektrische Lichterketten.

Verbraucherschützer haben Zweifel, ob die in Deutschland üblichen Kontrollen ausreichen. "Wir fordern seit Jahren, dass mehr für eine präventive und systematische Marktaufsicht getan wird und nicht nur auf Verbraucherbeschwerden oder Rückrufaktionen reagiert wird", erklärt Sylvia Maurer vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Gerade Chemikalien könnten Verbraucher nicht erkennen und sich deshalb auch nicht selbst schützen.

In anderen Fällen scheint das eher möglich. Denn manche Sicherheits-Richtlinie wirkt willkürlich festgelegt. So wurde kürzlich ein Kapuzenpulli mit Kordeln für Kinder vom Markt genommen, weil er gegen die Norm EN-14682 verstößt. Diese legt fest, dass Kleidung keine Kordeln im Kopfbereich haben darf, wenn sie von Kindern unter sieben Jahren oder bis zu einer Größe von 1,34 Metern getragen werden soll.

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