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Gefahren des digitalen Bezahlens: Staatliche Überwachung von Bürgern?

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Von: Matthias Schneider

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Ein Verkäufer hält in einem Kaufhaus in München mehrere Kreditkarten über einem Kartenlesegerät in der Hand
Digitales Bezahlen könnte das Bargeld vertreiben. © Marc Müller / dpa

Digitales Bezahlen bringt nicht nur Vorteile mit sich. Branchenvertreter sehen vor allem ein Risiko für bürgerliche Freiheiten und eine Gefahr von kriminellen Geschäften.

München - Nicht zuletzt die Corona-Pandemie* hat zur wachsenden Beliebtheit bargeldloser Zahlung beigetragen. Während die Möglichkeiten der digitalen Transaktion täglich mehr werden, fürchtet die Bargeldindustrie um ihr Geschäftsfeld. In München diskutierten Branchenvertreter über Schwarzgeld und bürgerliche Freiheiten.

„Nur Bargeld ermöglicht anonyme Zahlvorgänge“, erklärt Michael Mewes, Vorsitzender der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW). „Die großen Zahlungsdienstleister sitzen in Amerika, wo ein weit schlechterer Datenschutz herrscht als in Europa“, so Mewes weiter, „da wird in großem Maßstab Handel mit den Daten von jedem Einkauf getrieben.“

Bargeldlose Zahlung: Möglichkeit einer staatlichen Überwachung

Auch dürfe die Möglichkeit für staatliche Überwachung nicht unterschätzt werden: „Es gibt einen Grund, warum digitale Zahlkarten gerade im Überwachungsstaat China so erfolgreich sind.“ Deshalb fordert der Verband eine gesetzliche Garantie für eine Basisinfrastruktur an Bargeld. Denn Scheine und Münzen werden immer unbeliebter: Seit Beginn der Pandemie* sei das Bargeldvolumen im Umlauf um bis zu 25 Prozent geschrumpft.

„Wir sehen die Gefahr, dass auf mittlere Sicht die Bargeld-Infrastruktur so unter Druck gerät, dass sich das für die Betreiber nicht mehr lohnt“, sagte der BDGW-Vorstandsvorsitzende Mewes. Als Erstes würden dann zum Beispiel Bankautomaten auf dem Land abgebaut.

Kriminelle Geschäfte mit digitalen Währungen

Als Scheindebatte sieht Wolfgang Kneilmann, Geschäftsführer des global aktiven Zahlungsmittelspezialisten Giesecke+Devrient, die Brüsseler Bestrebungen, Bargeldtransaktionen bei 10 000 Euro zu deckeln: „Dass kriminelle Geschäfte mit einem Koffer voller Geld abgewickelt werden, ist ein Bild aus Filmen.“ Heutzutage würde am Schwarzmarkt vor allem mit digitalen Währungen wie Bitcoin gearbeitet. „Die Diskussion wird vor allem geführt, weil sie eine einfache ist“, so Kneilmann. Mewes ergänzt: „Man kann nicht ernsthaft glauben, dass die Mafia sich von einer Obergrenze beeindrucken lässt, hier soll dem Bürger das Bargeld verleidet werden.“

Für Giesecke+Devrient-Chef Kneilmann muss Bargeld wettbewerbsfähig bleiben: „Wir können durch Automatisierung noch einiges effizienter machen.“ Langfristig komme es jedoch vor allem auf die Verbraucher an: Um die Infrastruktur zu erhalten, müsse sie genutzt werden. (mas) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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