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Gemeinsam den maßvollen Umgang mit Computer und Internet lernen, ist für Kinder am sinnvollsten. Grundschüler sollten dabei am Tag nicht mehr als 45 Minuten online sein.

Gefahren im Internet: So schützen Sie Ihre Kinder

Kontakt zu Freunden im Ausland, schnelle Informationen und die Pflege persönlicher Netzwerke: Das Internet eröffnet diverse Möglichkeiten. Doch es birgt auch Risiken. Vor allem, wenn Kinder und Jugendliche zu sorglos Informationen und Fotos von sich online stellen. Wir zeigen, wie Eltern die Gefahren für ihre Kinder minimieren.

Ein ausgelassenes Partyfoto im Netz, das einen potenziellen Personalchef abschreckt, ist nur eine Online-Falle. Gerade junge Internet-Nutzer sollten in Kontakt-Netzwerken vor Pädophilen auf der Hut sein. „Die zwölfjährige Sabine, die gerne reitet, muss nicht Sabine heißen, sondern kann ein 40-jähriger Mann sein“, warnt Susanne Rieschel, ZDF-Redakteurin und Sprecherin von „Schau hin“. Die Initiative, die unter anderem vom Bundesfamilienministerium unterstützt wird, will Eltern für einen besseren Umgang mit Medien schulen.

Rieschel empfiehlt Netzwerke speziell für Kinder und Jugendliche, bei denen der Betreiber die Unterschrift der Eltern für die Anmeldung verlangt. Nur so sei klar nachzuvollziehen, wer wer ist. Rein rechtlich gesehen brauchen Minderjährige für die Teilnahme an kostenlosen Internet-Netzwerken nämlich kein Einverständnis der Eltern, erklärt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern.

Keine persönlichen Daten nennen

Bei Online-Communities wie Lokalisten oder Facebook ist es gerade bei Kindern und Jugendlichen wichtig, möglichst wenige persönliche Informationen preiszugeben. „Wohnort, Telefonnummer und E-Mail-Adresse sollten auf keinen Fall genannt werden“, rät Tatjana Halm. Gleiches gilt für freizügige Fotos oder Partybilder. Selbst wenn diese nur kurz online stehen, können sie von anderen kopiert und verbreitet werden. Tatjana Halm ist besorgt darüber, was die junge Generation im Internet preisgibt: „Den Jugendlichen fehlt oft das Problembewusstsein. Ihre Persönlichkeitsrechte sind ihnen überhaupt nicht wichtig.“

Die Verbraucherschützerin rät Eltern, gemeinsam mit ihren Kindern deren Profil anzulegen, um so die Einstellungen überprüfen zu können. Besonders wichtig sei, dass nur „Freunde“ – also ein vom Kind selbst festgelegter Benutzerkreis – die Fotos und Daten einsehen können.

Buchstaben und Zahlen kombinieren

Allerdings machen es viele Nutzer Hackern immer noch sehr leicht, indem sie ihre Profile mit unsicheren Passwörtern schützen. Andreas Hentschel, Computerexperte beim Technik-Magazin „Chip“ rät, auf Wörter, die im Duden stehen, zu verzichten. „Am sichersten ist es, mindestens acht Zeichen zu verwenden und Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zu mischen“, empfiehlt der Redakteur. Automatisierte Hacker-Programme hätten dann kaum Chancen.

Inhalte unverzüglich löschen lassen

Kommt es zu Mobbing im Internet – veröffentlicht also ein anderer Nutzer Lügen, Intimes oder kompromittierende Fotos auf seinem Profil – hat man als Geschädigter das Recht, diese vom Betreiber löschen zu lassen. „Hier reicht meist eine E-Mail an den Anbieter der Seite“, erklärt Juristin Halm. Dieser muss diese Inhalte noch am selben Tag löschen. Andernfalls hätte man sogar den rechtlichen Anspruch, dies per Unterlassungsklage zu verlangen, sagt Halm. Hierzu gibt es auch ein Urteil des Bundesgerichtshofes (Az. VI ZR 101/06). Sobald es sich um einen ausländischen Anbieter handle, werde es aber schwierig.

Jugendgefährdende Inhalte ausblenden

Eltern, die ihre Kinder vor jugendgefährdenden Inhalten des Internets schützen wollen, haben beispielsweise im Browser die Möglichkeit, „eindeutige Texte und Bilder“ herausfiltern zu lassen. Unter dem Stichwort „Sucheinstellungen“ ist das auch bei Google möglich. Allerdings sind diese Einstellungen nicht passwortgeschützt. „Jugendliche ab etwa zwölf Jahren dürfte so etwas kaum abhalten“, urteilt Hentschel.

Sollen explizite Inhalte zuverlässig geblockt werden, empfiehlt der Computerexperte sogenannte Internet-Security-Suiten, die mehr Einstellungsmöglichkeiten bieten als herkömmliche Schutzprogramme. Dort kann man entweder voreingestellte strenge Zugriffsregeln übernehmen oder selbst bestimmte Internetseiten gezielt sperren. Zu haben sind diese Suiten ab etwa 40 Euro.

Auch Bayerns Schulen rüsten in dieser Hinsicht auf. Derzeit seien etwa 1500 der 5500 Schulen mit speziellen Internetfiltern ausgestattet, sagte Innenminister Joachim Herrmann am Freitag. Er appellierte an die Schulleitungen, sich intensiver mit solcher Filtersoftware zu beschäftigen. Lehrer haben mit diesem Filter die Möglichkeit, durch wenige Klicks genau zu bestimmen, auf welche Internetseiten die Schüler zugreifen können. Die Time for kids Foundation aus Berlin stellt Schulen bundesweit eine solche Software sechs Monate lang kostenlos zur Verfügung. Danach wird eine jährliche Gebühr von 145 Euro fällig. Die Kosten tragen Landkreise, Gemeinden oder Städte.

Spuren der Kinder im Internet verfolgen

Misstrauische Eltern können sich auch selbst auf die Suche nach den Spuren ihrer Kinder im Netz machen. Geben diese zu viele Informationen über sich preis, lässt sich das oft über Suchmaschinen wie Google oder die Personensuche yasni.de feststellen, sagt Hentschel. Allerdings sei das die letzte Alternative.

Gemeinsam das Netz erkunden

Vor elektronische Schranken stellen Experten aber die Aufklärung. Gerade am Anfang sollten Eltern gemeinsam mit ihrem Nachwuchs das Netz erkunden und nicht nur Richtlinien aufstellen, sondern diese auch erklären, sagt „Schau hin“-Sprecherin Rieschel. Denn gegen Internet-Communities an sich sei nichts zu sagen. Der Nachwuchs solle aber wissen, warum er gewisse Informationen besser für sich behält. Als empfohlene maximale Internet-Nutzungsdauer gibt Hentschel für Grundschüler übrigens täglich 45 Minuten an.

von Marco Litzlbauer

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