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Wer früher in Rente gehen möchte, wird nur noch bis Jahresende bezuschusst.

Geförderte Altersteilzeit läuft aus

Die geförderte Altersteilzeit läuft aus. Nur noch bis Jahresende ist die Frühverrentung bezuschusst. Ab 2010 müssen Arbeitnehmer Abschläge hinnehmen.

Wer mit dem Gedanken spielt, vorzeitig in Rente zu gehen, muss sich womöglich beeilen: Die von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Altersteilzeit läuft zum Jahresende aus. Ab 2010 gibt es zwar weiter die Chance, in Vorruhestand zu gehen, aber dann voraussichtlich zu finanziell deutlich weniger attraktiven Bedingungen, wie Experten vermuten. Die maximal sechsjährige Förderung der Arbeitgeber fällt in Zukunft weg.

„Wir rechnen künftig mit Abschlägen und immer billigeren Varianten“, sagt Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Viel hänge von den Tarifvertragsparteien ab, meint Susanne Wanger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ist die Möglichkeit für Altersteilzeit nicht in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt, hat der Beschäftigte keinen Rechtsanspruch darauf.

Altersteilzeit bedeutet grob vereinfacht, dass der Arbeitnehmer nur noch halb so viel arbeitet, im Schnitt aber bis zu 80 Prozent seines Einkommens behält. Das lohnt sich. Das Modell ist bei älteren Arbeitnehmern beliebt: Von den Beschäftigten zwischen 55 und 64 Jahren ist laut IAB etwa jeder sechste in Altersteilzeit. „Das ist der komfortabelste und sozial abgefedertste Weg in die Rente“, betont Kerschbaumer.

Antrag allein reicht nicht aus

Wer den gleitenden Übergang in die Rente haben will, sollte schnellstmöglich mit seinem Chef sprechen. Nur wer bis zum 31. Dezember dieses Jahres tatsächlich in Altersteilzeit geht, kann seinem Arbeitgeber noch die Förderung von sechs Jahren bis 2015 sichern. Es genügt nicht, die Teilzeit nur beantragt zu haben. Das Geld der Arbeitsagentur gibt es zudem nur dann, wenn der Betrieb den frei werdenden Arbeitsplatz mit einem Arbeitslosen oder einem Auszubildenden nach dessen Abschluss besetzt. In kleineren Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern reicht es auch, einen neuen Auszubildenden einzustellen.

Seine Arbeitszeit um die Hälfte reduzieren kann, wer mindestens 55 Jahre alt ist und innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 1080 Tage (also rund drei Jahre) sozialversicherungspflichtig beschäftigt war. Nur 10 Prozent der Beschäftigten entscheiden sich nach einer IAB-Studie für eine echte Teilzeit-Arbeit im Betrieb. 90 Prozent wählen lieber das Blockmodell. Das heißt, in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wird voll gearbeitet und sich mit der zweiten Hälfte in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet.

Grundsätzlich ist die Altersteilzeit eine freiwillige Sache, die der Beschäftigte mit seinem Arbeitgeber individuell vereinbaren kann. Viele Firmen nutzten die Altersteilzeit, um Personal abzubauen, sagt IAB-Arbeitsmarktforscherin Wanger. Schon jetzt verzichteten etwa 30 bis 35 Prozent der Unternehmen auf Fördergelder von der Arbeitsagentur, um Stellen streichen zu können und nicht nachbesetzen zu müssen. Das werde auch 2010 der Fall sein.

Wer bis Jahresende noch den gleitenden Übergang in die Rente fixmachen will, sollte auf jeden Fall vorher sein Altersteilzeitgehalt berechnen und sich vom Rentenversicherungsträger beraten lassen. Nachteile müssen immer dann in Kauf genommen werden, wenn man länger krank wird oder der Betrieb wirtschaftlich in Schieflage kommt, gibt die Deutsche Rentenversicherung zu bedenken. Im Internet kann man sich auf der Seite des Bundesarbeitsministeriums selbst sein Gehalt berechnen unter www.bmas.de (bei „Suche“ den Begriff Altersteilzeit eingeben und dann den Rechner anklicken).

Altersgrenze könnte angehoben werden

Wichtig fürs Altersteilzeitgehalt sind die Leistungen, die in Tarifverträgen festgeschrieben sind. Während die gesetzlichen Regeln nur eine Aufstockung des Brutto-Lohns um 20 Prozent bringen, kommen Betroffene mit Hilfe von Tarifverträgen häufig auf über 80 Prozent ihres früheren Netto-Gehalts.

Weil neben dem Wegfall der Förderung durch die Arbeitsagentur auch fast alle Tarifverträge zur Altersteilzeit zum Jahresende auslaufen, müssen sich Arbeitnehmer auf deutlich schlechtere Bedingungen ab 2010 einstellen, ist Kerschenbaumer überzeugt. Der Trend gehe dahin, dass die Zukunft Abschläge bringe und der Kreis der Berechtigten verkleinert werde.

Womöglich ist die Altersteilzeit künftig auch erst ab 57 Jahren oder 59 Jahren möglich, meint Wanger. Viele Tarifverträge sind noch nicht fertig verhandelt.

Von Berrit Gräber

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