Gefragte Aktie: Öl, Dollar und Finanzkrise können Linde nicht stoppen

München - Kaum eines der 30 Mitglieder im Deutschen Aktienindex ist bei den Anlegern derzeit so gefragt wie die Linde AG. Während andere Dax-Werte wegen der Finanzkrise, teuren Rohstoffen oder der Dollarschwäche unter Druck stehen, notiert das Papier des Münchner Konzerns von Risikofaktoren kaum beeindruckt nur knapp unter seinem Allzeithoch von gut 97 Euro.

"Wir sind für viele Anleger ein sicherer Hafen, der vor allem in turbulenten und stürmischen Zeiten verstärkt angesteuert wird", stellte Vorstandschef Wolfgang Reitzle am Dienstag während der Hauptversammlung in München zufrieden fest.

Grund für die hohe Gunst der Börsianer ist die Stabilität des Industriegase-Geschäfts, das Linde als weltweit führender Akteur bestimmt. Es gilt als wenig konjunkturabhängig und verspricht deshalb selbst in unsicheren Zeiten stetige Erträge. Zudem liegt die Gruppe nach der Übernahme des britischen Konkurrenten BOC im Herbst 2006 weiter gut in der Spur.

Zwar hinterließen der schwache Dollar und das weiche britische Pfund im ersten Quartal auch bei Linde ihre Spuren; Umsatz und Ergebnis wuchsen deswegen schwächer als von Analysten erwartet. Doch vor allem der hohe Auftragsbestand im Geschäftsfeld Anlagenbau und aus dem BOC-Kauf resultierende Spareffekte sorgen für Zuversicht. "Das Unternehmen steht gut im Futter", sagen Marktbeobachter.

Reitzle bestätigte bei dem Aktionärstreffen am Münchner Messegelände sein Ziel, im laufenden Jahr die Erlöse auf ein neues Rekordhoch zu hieven und den Gewinn überproportional zu steigern. Sowohl im Anlagenbau als auch für die Gase-Division erwartet der frühere BMW-Manager einen Anstieg der Nachfrage in der Größenordnung von bis zu acht Prozent. Dies sei vor dem Hintergrund der Finanzkrise und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht selbstverständlich.

Mittelfristig sieht der Vorstandsvorsitzende nicht nur im Medizintechnikgeschäft, sondern auch bei den Trendthemen Umwelt und Energie gute Perspektiven für Linde. Auch weitere Übernahmen stünden als Wachstumstreiber auf der Agenda.

Größere Zukäufe in der stark konzentrierten Gase-Branche sind zwar aus kartellrechtlichen Gründen unmöglich. "Da geht nach der BOC-Transaktion nichts mehr", sagte Reitzle. Sein Unternehmen nehme aber kleine und mittelgroße Firmen unter die Lupe, um sich regional zu verstärken. Sinn machen könnte das beispielsweise in Japan, wo Linde derzeit nicht im Gasegeschäft aktiv ist.

Die Anteilseigner haben momentan nur wenig zu mäkeln. Die Hauptversammlung endete bereits nach dreieinhalb Stunden, nachdem sich nur eine Handvoll Aktionäre zu Wort gemeldet hatten. Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rief dem Management zu: "Machen Sie kontinuierlich weiter so!" Nur die Dividende für das Jahr 2007, die mit 1,70 Euro je Aktie um 13 Prozent erhöht wurde, hätte nach ihrer Ansicht etwas großzügiger ausfallen können.

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