Mit CO2 gegen Schmutzränder: Linde zieht Reinigungskette auf

- München - Der Industriegas-Spezialist Linde steigt im großen Stil ins Reinigungsgeschäft ein. Nach einem erfolgreichen Testlauf in Frankfurt will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren unter der Marke "Fred Butler" deutschland- und europaweit Lizenzen für mehrere hundert Filialen vergeben, in denen Kunden ihre Kleidung säubern und bügeln lassen können.

"Dadurch könnten tausende Jobs entstehen", sagte Fred-Butler-Chef Andreas Klensch anlässlich der Eröffnung der ersten beiden Niederlassungen in München. Linde rechnet bis 2011 mit einem Umsatz von bis zu 800 Millionen Euro in dem neuen Geschäftsfeld.

Im Unterschied zu anderen Reinigungen verwendet Fred Butler keine chemischen Hämmer wie das weit verbreitete Perchlorethylen (PER), um Flecken von Sakkos und Schmutzränder von Hemdkragen zu entfernen. Die Kette setzt auf ein Verfahren mit CO2, das bei Linde ohnehin als Abfallprodukt anfällt, wenn andere Gase erzeugt werden. Das Kohlenstoffdioxid wird verflüssigt und dann in einen speziell von Linde und Electrolux entwickelten Waschautomaten gepumpt, in dem die Textilien bei niedriger Temperatur und unter hohem Druck rein gewaschen werden. Danach wird das CO2 gefiltert und wiederverwendet. Nur zwei Prozent des eingesetzten und als "Klimakiller" bekannten Gases werden dabei freigesetzt.

Nach den Worten von Andreas Klensch bietet das Verfahren eine Reihe von Vorteilen gegenüber der chemischen Reinigung. Es sei hautverträglicher, schone die Umwelt und strapaziere die Textilien weniger, weil bei niedriger Temperatur gewaschen wird, erklärte der Fred-Butler-Chef. Tatsächlich zeichnete das Umweltbundesamt die CO2-Methode am Mittwoch mit dem Siegel "Der Blaue Engel" aus, das für umweltverträgliche Produkte vergeben wird. Eine Vertreterin aus Berlin sagte: "Das ist die Art von nachhaltigen Innovationen, die wir brauchen."

Andreas Klensch erwartet, dass vor allem das Umwelt-Argument Verbraucher dazu verleiten wird, ihre Schmutzwäsche künftig in die Fred-Butler-Filialen zu tragen. "Die aktuelle Klima-Diskussion gibt uns da sicherlich einen zusätzlichen Schub", sagte der Manager. Doch auch, dass mit der CO2-Methode Leder-Kleidung gesäubert werden kann, wertet Klensch als strategischen Vorteil. Außerdem sollen längere Öffnungszeiten (7 bis 20 Uhr) gerade Berufstätige anlocken - trotz der vergleichsweise hohen Preise. Ein Hemd waschen und bügeln kostet in den Münchner Fred-Butler-Filialen in der Rosenheimer Straße und der Wasserburger Landtraße 2,40 Euro.

Linde hatte vor einem Jahr die ersten Reinigungen in Frankfurt aufgemacht, um die Nachfrage zu testen. Weil das Geschäft in der Bankenmetropole gut lief, wagte sich der Mischkonzern mit seiner neuen Sparte nun auch nach München. Bis zum Jahresende sollen in Deutschland weitere Niederlassungen unter anderem in den Regionen Nürnberg und Karlsruhe entstehen, die Linde in eigenständiger Regie führt. Mittelfristig soll der Großteil der Fred-Butler-Filialen - auch im Ausland - aber in Franchise-Form geführt werden, um die Kosten niedrig zu halten. Das heißt, Linde vergibt Lizenzen und die Filialen werden selbstständig geführt

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