Geheime Konten bei Siemens: Sechs Verdächtige gestehen

- München -­ Im Schwarzgeld-Skandal bei Siemens haben laut einem Zeitungsbericht inzwischen sechs Verdächtige Geständnisse abgelegt. Die aktiven und ehemaligen Beschäftigten des Konzerns sollen zugegeben haben, schwarze Kassen eingerichtet oder ermöglicht zu haben. Trotz der Affäre will der finnische Handy-Hersteller Nokia an dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens im Netzwerkbereich festhalten.

Bei den Geständigen handelt es sich laut "Süddeutscher Zeitung" um Mitarbeiter der Telekommunikationssparte Com. Sie sollen eingeräumt haben, mit den Schwarzgeld-Konten in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich zu tun gehabt zu haben. Die Geheim-Guthaben wurden angeblich genutzt, um Auslandsaufträge an Land zu ziehen. Weder Siemens noch die zuständigen Ermittler der Staatsanwaltschaft München I wollten sich am Wochenende zu dem Bericht äußern. Insgesamt soll mindestens ein Dutzend Beschuldigter 200 Millionen Euro veruntreut haben.

Die zur Aufklärung der Affäre gebildete Sonderkommission "Netzwerk" des Landeskriminalamtes München geht offenbar auch Spuren nach, die in Richtung Konzernspitze führen könnten. So habe ein früherer Siemens-Angestellter, der hohe Beträge in die schwarzen Kassen geschleust habe, ausgesagt, dass bereits 2003 Wirtschaftsprüfern von KPMG einige Rechnungen verdächtig vorgekommen seien. Der Mitarbeiter habe mitbekommen, dass daraufhin offenbar "von hoher Stelle" darauf hingewirkt worden sei, dass dies nicht im Prüfbericht erscheine, hieß es.

Die Finanz-Affäre soll nach Medienberichten auch bei einer Siemens-Aufsichtsratssitzung an diesem Montag zur Sprache kommen. Bereits vor einigen Tagen hieß es in einem Zeitungsbericht, dass KPMG bei der Sitzung darüber informieren solle, ob wegen der Affäre die Siemens-Geschäftsberichte seit 2002 überprüft und möglicherweise korrigiert werden müssten. Nach Informationen des "Spiegel" dauerte diesmal die Prüfung des Jahresabschlusses von Siemens durch KPMG länger als sonst. Die Prüfer hätten ihr Testat bis zuletzt hinausgezögert, berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner aktuellen Ausgabe.

Unterdessen fürchten Siemens-Manager einem Bericht der "Frankfurter Sonntagszeitung" zufolge, dass sich der finnische Handy-Hersteller Nokia wegen des Skandals in letzter Sekunde aus dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen mit der Siemens-Telekom-Sparte zurückziehen könnte. Manager aus dem Konzern berichteten von "heller Aufregung", heißt es.

Eine interne Prüfung der Verträge bei Siemens habe ergeben, dass die Finnen die Ansatzpunkte hätten, die Partnerschaft anzufechten, falls Nokia es darauf anlege. Eine Nokia-Sprecherin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa jedoch, dass die für das kommende Jahr geplanten Zusammenlegung der Netzwerksparten von Siemens und Nokia ungeachtet der Affäre vorangeht.

Ärger droht Siemens derweil von den Belegschafts-Aktionäre, die Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung im Januar nicht entlasten wollen. "Siemens war noch nie in einer so dramatischen Lage wie heute", sagte der Vorsitzende des Vereins von Belegschaftsaktionären, Manfred Meiler, dem "Tagesspiegel". Die BenQ-Pleite, die Erhöhung der Vorstandsgehälter und die Korruptionsaffäre hätten dem Konzern einen "unermesslichen Imageschaden" zugefügt. Der Konzern müsse alles dafür tun, die Glaubwürdigkeit bei den Beschäftigten und in der Öffentlichkeit wieder herzustellen.

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