Geheimsache Zukunft: Wie Audi den Rivalen BMW abhängen will

- Ingolstadt - Audi strotzt vor Selbstbewusstsein. Nach einem erneuten Rekordjahr bei allen wichtigen Kennzahlen bekräftigte Vorstandschef Martin Winterkorn das Ziel, die weltweit erfolgreichste Premiummarke zu werden. Was er damit meint, erklärt Winterkorn nur vage.

Mercedes, lässt er durchblicken, sei nicht die "Benchmark", bei der Produktion sei dies eher Toyota. Auch an Porsche würde sich Winterkorn gern messen, "nur nicht beim Volumen". Namen der Konkurrenten nennt er nicht, doch einer schwebt im Raum: Es ist der bayerische Rivale BMW, den es einzuholen und auch abzuhängen gilt.

So peilt Audi für 2008 die Millionengrenze bei den Auslieferungen an, die BMW bereits durchbrochen hat. 2015 will man 1,4 Millionen Autos verkaufen. Das ist genau die Marke, die BMW gerade überspringen möchte.

Auch das Rezept für den Erfolg heißt hier wie da: Modellfeuerwerk. Da werden Nischen besetzt - zum Beispiel mit sportlichen S- und RS-Varianten. Wie BMW die Lücken zwischen 3er, 5er und 7er geschlossen hat, setzt auch Audi den Geländewagen Q7 zwischen A6 und A8. Ein Coupé A5 ist geplant. Wie das aussehen soll, ist aber Geheimsache. Insgesamt sind in Ingolstadt selbst Pläne für die nahe Zukunft Geheimsache.

Kommt ein neuer Kleinwagen? "Ein A1 nicht", sagt Winterkorn, über einen neuen A2 sei noch nicht entschieden. Dabei geistern konkrete Vorstellungen des Audi-Chefs über eine sportlich kompakte Modellabrundung nach unten als A1 durch die Fachpresse. Allerdings sieht VW-Boss Bernd Pischetsrieder - bei Audi Aufsichtsrats-Chef - solche Pläne mit Skepsis. Wenn man das gut mache, sei es zu nah am A3, zitierte ihn "Auto-Bild".

So könnte Audi eine Lösung finden, die sich bereits für BMW als Volltreffer erwiesen hat: Die Reaktivierung einer alten Marke. Schließlich verfügt man über den Namen NSU. In den 60er-Jahren maßen sich die Neckarsulmer TT-Flitzer auf den Rennstrecken mit den rasanten Varianten des britischen "Mini". "Über das Aufleben von anderen Marken denken wir immer nach", sagt Winterkorn. Doch da sei nichts Konkretes geplant, wiegelt er gleich wieder ab.

Außerdem gibt es Gerüchte über einen in Österreich zu produzierenden, spartanisch ausgestatteten Flitzer - ein Gemeinschaftsprojekt mit KTM. "KTM ist ein interessanter Partner", orakelt Winterkorn. Nun ist KTM kein Auto-, sondern ein Motorradbauer. Vielleicht spielt man - wieder einmal - mit dem Gedanken an einen Wiedereinstieg ins Zweiradsegment. Immerhin verfügt Audi mit DKW und NSU über zwei Marken, die zur Blütezeit der einschlägigen Industrie in Deutschland um den Titel "Größter Motorrad-Hersteller der Welt" wetteiferten - bevor beide das Feld allein BMW überließen.

In einem Punkt eifern die Ingolstädter den Münchnern nicht nach: Während BMW in den letzten Jahren Beschäftigung aufgebaut hat, stehen die Zeichen bei Audi auf Stillstand. Immerhin biete man den 45 000 Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze in Deutschland. Auch bei der Mitarbeiter-Beteiligung bleibt Audi hinter Münchner Maßstäben zurück: Einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag nennt Personalvorstand Werner Widuckel. Das macht einige hundert Euro pro Mitarbeiter an Erfolgsbeteiligung. BMW zahlt ein Vielfaches davon.

Doch erst muss Ingolstadt München bei der Rentabilität einholen. BMW erreicht eine Umsatzrendite von acht Prozent, Audi liegt bei 5,3 Prozent. Konzernintern ist das ein Spitzenwert. So konnte Audi die Wolfsburger Mutter mit einer Gewinnabführung von 462 Millionen Euro über Wasser halten. Dennoch wurde die Nettoliquidität um knapp 67 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gesteigert. Finanziell ist die geplante Aufholjagd gut abgepolstert.

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