Gehen in Deutschland bald die Lichter aus?

- München - Arbeiten die Deutschen vielleicht bald bei Kerzenlicht und essen im Dunkeln? Eine Forsa-Umfrage unter 100 Managern ergab jüngst, dass die Stromversorgung vielleicht schon bald nicht mehr wie gewohnt gesichert ist. Damit die Fernseher trotzdem laufen und die Flugzeuge im Dunkeln die Landebahn finden, planen die Energiekonzerne schon jetzt, wie der fehlende Strom erzeugt werden kann. Eon setzt dabei vor allem auf Kohle- sowie Gas- und Dampfkraftwerke (GuD-Kraftwerke).

<P>Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht in Deutschland im Jahr etwa 4000 Kilowattstunden Strom - noch ohne Probleme. Denn nach einer Zukunftsprognose von Eon werden im Jahr 2020 in Deutschland zwischen 20 000 und 50 000 Megawatt Leistung fehlen. "Das sind 20 bis 50 Prozent der Leistung, die wir momentan haben", weiß Bernhard Fischer von der Eon-Energie-Geschäftsleitung.<BR><BR>1000 MW Strom versorgen zwei Millionen Haushalte</P><P>Allein um die untere Grenze von 20 000 Megawatt bereitzustellen, müssten in Deutschland 20 bis 25 Kraftwerke neu gebaut werden, so Fischer. Ein Kraftwerk, das 1000 Megawatt Strom erzeugt, kann etwa zwei Millionen Haushalte versorgen. Das bedeutet: Wenn im Jahr 2020 etwa 20 000 Megawatt Leistung fehlen, wären etwa 40 Millionen Haushalte ohne Stromversorgung.<BR><BR>Der Grund für die schwindende Energie ist, dass Kraftwerke in der Regel nach 40 Jahren abgeschaltet werden. "Die meisten thermischen Kraftwerke sind zwischen 1970 und 1990 errichtet worden", erläutert Fischer. Dazu komme, dass in den vergangenen Jahren nur wenige neu gebaut worden seien.<BR><BR>Das aber wird sich ändern: Allein Eon will bis 2011 zwei neue Kraftwerke errichten. Eines davon in Datteln im Ruhrgebiet. Durch das neue Steinkohlekraftwerk sollen ab 2011 etwa 1000 Megawatt Strom erzeugt werden. Zudem ist in Süddeutschland ein GuD-Kraftwerk geplant. Wo, steht noch nicht hundertprozentig fest. "Es spricht aber vieles für Irsching im Kreis Pfaffenhofen", verriet Fischer. Es gebe zwar noch keinen Bauentscheid, aber bereits eine Standortuntersuchung.<BR><BR>Eine Rolle bei der Stromgewinnung der Zukunft werden auch weiterhin die seit Tschernobyl bei vielen so gefürchteten Kernkraftwerke spielen. "Wir werden aber aufgrund der momentanen Stimmung in der Bevölkerung keine neuen bauen." Fischer hält es aber für möglich, im Ausland bereits vorhandene Anlagen zu betreiben. "Dazu müssten wir uns die Anlage aber genau anschauen und im Einzelfall entscheiden."<BR><BR>Auch Erneuerbare Energien werden zukünftig ein Thema sein: Riesige Windräder, fußballfeldgroße Solaranlagen oder Geothermie-Projekte (Nutzung von Erdwärme) wie in Unterhaching sind nur einige der Möglichkeiten. Diese kann sich der Eon-Experte allerdings auch weiterhin nur als Ergänzung vorstellen. Denn Erneuerbare Energien sind laut Fischer unter anderem "sehr teuer" und der Strom, der beispielsweise durch Windräder erzeugt wird, sei schlecht zu kalkulieren. Wind weht schließlich nicht konstant.<BR><BR>Eon hat 3000 MW Strom in "stiller Reserve"</P><P>Eine weitere Möglichkeit sind Stromimporte. Schon jetzt fließt regelmäßig Saft aus Frankreich, Tschechien oder Polen in deutsche Häuser und Wohnungen. Doch hier sieht der Eon-Experte die Übertragungskapazitäten begrenzt.<BR><BR>Neben den beiden geplanten Kraftwerken hat Eon ein weiteres Eisen im Feuer: Etwa 3000 Megawatt Strom befinden sich derzeit "in stiller Reserve", so Fischer. Die Hälfte davon sind "eingemottet". Das bedeutet, dass bei einigen Kraftwerken wie in Irsching oder Emden derzeit nicht alle Blöcke in Betrieb sind. Diese können aber innerhalb eines Jahres aktiviert werden. Außerdem könne bei einigen Kraftwerken die Laufzeit kurzfristig verlängert oder die Leistung erhöht werden. Dadurch könnten bei Bedarf weitere 1500 MW erzeugt werden. So könne die Versorgungssicherheit garantiert werden.<BR><BR>Panik scheint also trotz der abnehmenden Energieversorgung nicht angebracht. Und mit jährlichen Stromausfällen von im Schnitt 15 Minuten ist die Versorgungssicherheit in Deutschland ausgesprochen hoch. Im Vergleich dazu müssen britische und französische Kunden mit vergleichsweise hohen Ausfällen von einer Stunde im Jahr rechnen, in Italien und Norwegen liege der Wert sogar bei drei Stunden.<BR><BR></P><P> </P>

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