Wie gut geht es der Firma, wenn Chefs ihre Aktien verkaufen?

- New York - Schlechte Nachrichten für den US-Aktienmarkt: Spitzenmanager haben im abgelaufenen Jahr massiv Aktien der eigenen Unternehmen abgestoßen. Derartige Insiderverkäufe gelten allgemein als Vorzeichen für sinkende Kurse.

<P>Spitzenreiter war Microsoft-Günder Bill Gates: Er verkaufte 2003 Aktien von Microsoft im Wert von 1,67 Milliarden Dollar. Gleich am dritten Platz in der Hitliste steht sein Vorstandschef Steve Ballmer, der Anteilsscheine des von ihm geführten Unternehmens zu 1,44 Milliarden Dollar machte. Michael Dell verkaufte Aktien seiner Computerfirma für 1,65 Milliarden Dollar.</P><P>Sie wollten ihre Beteiligungen "diversifizieren", erklärten alle drei unisono. Man stehe aber weiter zum eigenen Unternehmen. Und Gates tut's auch noch fürs gemeine Wohl, "um zu spenden", wie er erklären ließ.</P><P>Börsenexperten vermuten weniger selbstlose Motive hinter den Verkäufen. Wer ein Unternehmen kennt, und die Aktien abgibt, weiß vermutlich etwas, was "normale" Anleger erst mit Verspätung erfahren - wenn die Kurse massiv gesunken sind. Nicht ohne Grund sind derartige Insiderverkäufe meldepflichtig.</P><P>Acht Monate in Folge lag das Werte-Verhältnis von Insiderverkäufen und -käufen über der Marke von 20 zu eins, rechnet Lon Geber, Leiter des Insider Research bei Thomson Financial, vor. In 11 von 16 Fällen, in denen dies geschah, ging der Aktienmarkt in den sechs folgenden Monaten zurück, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Bloomberg News.</P><P>Bereits angesichts der September-Zahl von 36 zu eins hatte Gerber von einem "historisch gesehen sehr pessimistischen Umfeld" gesprochen. Allerdings gibt es auch die fünf anderen Fälle und einige Argumente, die für eine weniger pessimistische Sichtweise sprechen. So haben Insider die günstigen Kurse der eigenen Unternehmen zu massiven Käufen genutzt. Man kann also auch von Gewinnmitnahmen sprechen. Dafür spricht auch die Spitze im dritten Quartal 2003. Dann erst konnten die Insider verkaufen, die sich zum Jahreswechsel eingedeckt hatten (bei Verkäufen innerhalb von sechs Monaten müssen US-Insider den gesamten Gewinn an ihr eigenes Unternehmen abführen).</P><P>Immerhin haben Insider nicht nur verkauft. So deckte sich der mexikanische Telekommunikationsmagnat und Milliardär Carlos Slim Aktien der US-Telekom-Gesellschaft SBC für immerhin 111,3 Millionen Dollar ein. Diese seien durch den Kurseinbruch der Branche immer noch günstig bewertet, sagte er damals. Immerhin um 17 Prozent haben die Aktien seither zugelegt - macht ein Taschengeld von 19 Millionen Dollar - wenn er jetzt verkauft.</P><P>Dem Ruf zumindest von Ballmer konnten die Insider-Verkäufe keinen echten Schaden zufügen. Seinen Stammplatz auf der Forbes-Liste der unbeliebtesten Unternehmenslenker in den USA hat der Microsoft-Chef souverän verteidigt.<BR></P>

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