So geht der Fiskus leer aus

- Erben, Schenken und Steuern - um diese Themen ging es bei unserer Telefonaktion. Die Münchner Rechtsanwälte Michael E. Völkl, Matthias Aurelio Nanz und Stephan Riedel standen unseren Lesern zwei Stunden lang Rede und Antwort. Die wichtigsten Informationen haben wir für alle diejenigen zusammengefasst, die unsere Experten während der "Sprechstunden" nicht erreichen konnten.

<P>Mein Mann ist verstorben. Er hatte kein Testament. Wir besitzen gemeinsam eine Eigentumswohnung, und eine Wohnung hat er noch allein. Was steht unserem Kind davon zu?<BR>Haben Sie in Zugewinngemeinschaft gelebt, gehört dem Sohn ein Viertel Ihrer gemeinsamen Wohnung und die Hälfte der Wohnung Ihres Mannes.</P><P>Ist es denn möglich, einen Erben vom Pflichtteil auszuschließen?<BR>Ja, die Möglichkeit gibt es nach Paragraph 2333 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Die Möglichkeit ist aber stark eingeschränkt. Es geht zum Beispiel dann, wenn der Betroffene dem Erblasser nach dem Leben trachtete, ihn körperlich misshandelte oder sich eines Verbrechens oder Vergehens gegen ihn schuldig gemacht hat. Ihn vom Pflichtteil auszuschließen, ist auch dann möglich, wenn er sich seiner Unterhaltspflicht gegen den Erblasser entzogen hat oder einen ehrlosen oder unsittlichen Lebenswandel gegen den Willen des Erblassers führte.</P><P>Ich habe zwei Eigentumswohnungen im Wert von zusammen 400 000 Euro, bin jetzt 52, mein Sohn wird alles erben. Ist es denn sinnvoll, dass ich ihm jetzt schon eine der Wohnungen überschreibe?<BR>Da Sie noch relativ jung sind, ist das durchaus sinnvoll. Ihr Sohn hat einen steuerlichen Freibetrag von 205 000 Euro im Falle von Erbschaft und Schenkung. Aufgrund des Wertes der Wohnungen könnten Sie ihm bereits eine Wohnung ganz oder teilweise überschreiben, sodass er innerhalb des Freibetrages bleibt und keine Schenkungsteuer zahlen muss. Nach zehn Jahren kann er erneut einen Freibetrag von 205 000 Euro in Anspruch nehmen. Die Schenkung muss notariell beurkundet werden.</P><P>Zweite Schenkung nach zehn Jahren</P><P>Ich bin 93, mein Mann ist vergangene Woche gestorben. Jetzt habe ich ein Testament gefunden. Ist das denn gültig?<BR>Es ist gültig, wenn es vollständig handschriftlich verfasst ist und mit Vor- und Zunamen unterzeichnet wurde. Außerdem muss es noch Ort und Datum tragen. Das kann von Bedeutung sein, falls irgendwo ein weiteres Testament auftaucht.</P><P>Meine Schwägerin hat mehrere Grundstücke geerbt. Kann sie diese auf mich überschreiben? Muss ich Steuern zahlen?<BR>Da Sie mit Ihrer Schwägerin im gesetzlichen Sinne nicht verwandt sind, haben Sie nur einen Freibetrag von 5200 Euro. Also fällt auf jeden Fall Schenkungsteuer an. Diese liegt bei Ihnen zwischen 17 und maximal 50 Prozent in Abhängigkeit vom steuerpflichtigen Wert. </P><P>Meine 50-jährige Schwägerin ist plötzlich in der Schweiz verstorben. Sie besitzt in Deutschland ein wertvolles Grundstück. Welches Recht gilt? <BR>Obwohl die Schwägerin in der Schweiz gelebt hat, gilt deutsches Recht, da das Grundstück in Deutschland liegt. Für die Umschreibung des Grundstücks muss die Erbengemeinschaft aus Ihrer Frau und dessen Bruder jetzt beim Nachlassgericht einen Erbschein beantragen. Damit gehen sie zum Grundbuchamt, worauf _ nach entsprechender Prüfung - die Umschreibung des Eigentums auf die beiden erfolgt.</P><P>Mein Mann und ich haben einen Erbvertrag geschlossen, um die Übertragung unseres Grundbesitzes zu regeln. Können wir trotz des Erbvertrages den Besitz auf unsere Tochter überschreiben?<BR>Ja, zu Ihren Lebzeiten können Sie auch über das Vermögen verfügen, dessen Verwaltung Inhalt des Erbvertrages ist. Das geht nicht mehr uneingeschränkt, wenn einer von Ihnen verstorben ist.</P><P>Wir haben zwei Kinder im Alter von 20 und 30 Jahren und als einziges Vermögen ein Haus. Das Haus soll unser Sohn übernehmen. Wie geht das?<BR>Wenn Sie nichts regeln, werden die beiden Kinder zu gleichen Teilen das Erbe erhalten mit der Folge, dass sie sich über das Haus auseinander setzen müssen. Sie können aber in einem Testament den Sohn als Alleinerben einsetzen und für die Tochter eine Ausgleichszahlung anordnen. In jedem Fall hat Ihre Tochter einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von einem Viertel des Verkehrswertes.</P><P>Unser Bruder hat einen landwirtschaftlichen Betrieb und ist schwer krank. Meine Schwester und ich wollen nicht in der Landwirtschaft arbeiten, wir würden den Hof einem uns bekannten Bauern schenken. Können wir den gleich als Erben einsetzen?<BR>Nein, das geht nicht, Sie können nicht auf diese Weise über den Nachlass Ihres Bruders verfügen. Sie müssen die Erbschaft zunächst antreten, brauchen keine besonderen steuerlichen Belastungen zu befürchten, weil landwirtschaftliche Betriebe wie Betriebsvermögen behandelt werden und mit einem eigenen Freibetrag privilegiert sind. Beim darüber hinausgehenden Wert werden auch nur 65 Prozent als Grundlage für die Besteuerung einbezogen. Danach können Sie den Hof verkaufen, verpachten oder verschenken.</P><P>Bei Immobilien droht Gesetzesänderung</P><P>Wir haben eine teure Immobilie. Stimmt es, dass es jetzt günstiger ist, diese auf die Kinder zu übertragen, weil sich das Steuerrecht ändern soll?<BR>Immobilien werden derzeit noch nach dem so genannten Grundstücksbedarfswert bewertet, wenn sie verschenkt oder vererbt werden. Dieser ist deutlich geringer als der Verkehrswert, beträgt etwa nur 60 bis 70 Prozent von diesem. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet momentan über eine Vorlage des Bundesfinanzhofes, ob Immobilien im Falle von Schenkung und Erbschaft genauso behandelt werden sollen wie Barvermögen. Bisher hatten Immobilien einen Vorteil. Es könnte sein, dass es eine Gesetzesänderung gibt. Deshalb kann es sinnvoll sein, die Immobilie jetzt an die Kinder zu übertragen.</P><P>Was passiert mit meinem Erbe, wenn ich kein Testament mache? Ich bin verheiratet, habe keine eigenen Kinder, aber zwei Geschwister.<BR>Ohne Testament tritt die gesetzliche Erbfolge ein, das heißt, Ihre Frau bekommt durch die Erbfolge und den pauschalen Zugewinnausgleich drei Viertel Ihres Erbes und die Geschwister je ein Achtel. Wenn Sie diese Aufteilung nicht wollen, müssen Sie ein Testament machen.</P><P>Was ist ein Berliner Testament?<BR>Ehepaare setzen sich gegenseitig zu Vollerben ein und bestimmen nach dem Tod des letzten Partners eine dritte Person als Schlusserben. Bereits bei Tod des Erstversterbenden haben Kinder Anspruch auf den Pflichtteil. </P><P>Mein Onkel ist als letztes von drei Geschwistern gestorben, er hatte keine Kinder. Stimmt es, dass außer mir auch noch meine Neffen erben?<BR>Ja, nach dem Erbrecht steht auch den Abkömmlingen des verstorbenen Bruders ein Erbteil zu. Ausnahme: Der Onkel hat ein Testament zugunsten einer anderen Person gemacht; das würde diese Abkömmlinge von der Erbfolge ausschließen.</P><P>Kann ich einzelne Verfügungen meines Testamentes, das ich vor drei Jahren geschrieben habe, noch mal ändern? Ich will aber nicht den ganzen Text noch einmal abschreiben.<BR>Ja, das ist möglich. Sie können das Testament ergänzen oder ändern, indem Sie ein weiteres Blatt hinzufügen und mit "Testament II" oder "Ergänzung zum Testament vom soundsovielten" darüber schreiben. Die Ergänzung beziehungsweise Änderung muss aber auch von Hand geschrieben, unterschrieben und mit Ort und Datum versehen sein.</P><P>Ich möchte, dass mein Grab auf eine bestimmte Art gepflegt wird. Kann ich das verfügen?<BR>Ja, das ist mit einer Auflage in Ihrem Testament möglich. Sie können eine Person bestimmen, der Sie die Pflege Ihres Grabes anvertrauen und der Sie dafür bestimmte finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.</P><P>Meine Frau und ich besitzen zu gleichen Teilen ein Haus im Verkehrswert von 400 000 Euro. Fällt das gesamte Haus in die Erbmasse, wenn ich sterbe, und muss meine Frau dann Erbschaftsteuer zahlen? Sie ist Alleinerbin.<BR>Da Sie beide Eigentümer sind, fällt nur die Hälfte des Hauses in die Erbmasse. Da Ihre Frau über einen Freibetrag von 307 000 Euro verfügt, würden keine Steuern anfallen, sofern kein anderes Vermögen vorhanden ist.</P>

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