Geländeautos bald nur noch aus Amerika

BMW folgt schwachem Dollar: - Umweltschützern ist das Profil zu sportlich, den Aktionärsschützern die Dividende zu niedrig. Doch vor allem ringt BMW derzeit mit dem schwachen Dollar und verlagert deshalb Produktion aus Österreich in die USA.

München - BMW steht für schnelles dynamisches Fahren, und legt auch Wert darauf. Das rief auf der Hauptversammlung des Auto-Konzerns Umweltschützer auf den Plan. Weg von den Spritfressern und CO2-Schleudern, forderte zum Beispiel Winfried Berner vom Bund Naturschutz. Doch bekam der Konzern auch viel Zustimmung von dieser Seite. Umwelt und Klima-Belastung waren Schwerpunkte im Bericht des Konzernchefs Norbert Reithofer. Darin versprach er deutliche Verbrauchssenkungen.

BMW will sein Öko-Profil schärfen und ab 2008 auch Fahrzeuge der oberen Mittelklasse anbieten, die nur knapp über fünf Liter Sprit auf 100 Kilometer schlucken. Vor allem aber verwies Reithofer auf die Umwelt-Anstrengungen im Konzern, der seinen Energieverbrauch um 26 Prozent senken konnte.

Dem zollten die Vertreter der Ökobewegung unter den Aktionären Respekt. Sie verzichteten auf Gegenstimmen. Die schärfste Waffe der Aktionäre wollten Umweltschützer nicht ziehen.

Das tat aber Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Sie kündigte an, gegen die Gewinnverwendung zu stimmen. Doch da ging es um Geld, nicht um Umwelt.

Nur 16 Prozent des Gewinns fließen den Anteilseignern an Ausschüttung zu, was viele Kleinaktionäre ärgert. "20 Prozent und mehr" forderte Bergdolt. Auch Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger will mehr Geld. Er kritisierte eine halbe Milliarde Euro freie Mittel, die nicht ausgeschüttet werden.

Die Mehrheit aber schwieg: Johanna Quandt, Susanne Klatten und Stefan Quandt saßen auf ihren Stühlen und beteiligten sich - wie üblich - nicht an der Aussprache. Die zurückhaltende Dividendenpolitik des Konzerns trägt die Handschrift der milliardenschweren Großaktionäre. Ohnehin wird für 2006 so viel ausgeschüttet wie noch nie: 70 Cent pro Stammaktie und 72 Cent je Vorzugsaktie - gut neun Prozent mehr als 2005.

Das dürfte auch die Mitarbeiter freuen, denn deren Beteiligung misst sich an der Dividende. Sie beträgt diesmal bis zu 156,3 eines Bruttomonatsgehalts. "Meines Wissens zahlt kein Wettbewerber und wohl auch kein anderes Unternehmen in Deutschland seinen Mitarbeitern eine höhere Erfolgsbeteiligung", sagte Reithofer.

"Premium müsste auch für die Aktie gelten", kritisierte dagegen Daniela Bergdolt. Auch an der geschrumpften Umsatzrendite entzündete sich Kritik der Aktionärsvereinigungen. Doch daran ist nicht der Vorstand schuld, sondern der schwache Dollar. Jedes Fahrzeug, das im Euro-Raum gebaut, aber in Amerika verkauft wird, dämpft das Ergebnis, erläuterte Reithofer. Insgesamt beliefen sich diese Belastungen 2006 auf 666 Millionen Euro.

Die Abhilfe, die der BMW-Chef ankündigt, klingt aber für Europa nur bedingt erfreulich: Die Produktionskapazitäten in den USA werden deutlich ausgebaut. Um Währungsrisiken zu vermindern, habe BMW entschieden, "die Kapazität unseres Werkes in Spartanburg von derzeit 140 000 Fahrzeugen auf über 200 000 pro Jahr auszuweiten", sagte Reithofer.

Im US-Staat South Carolina sollen künftig nicht nur der Geländewagen X5 und der Roadster Z4 sowie deren Nachfolger vom Band laufen. Auch das neu entwickelte und für 2008 angekündigte Geländecoupé X6 kommt aus Spartanburg. Zusätzlich soll dort das Nachfolgemodell des kleineren geländegängigen X3 montiert werden. Der X3 wird derzeit noch bei Magna-Steyr in Österreich gebaut. Die Verlagerung in ein eigenes BMW-Werk war bereits geplant. Der Aufbau in Spartanburg ist aber auch eine Konzession an den größten Absatzmarkt. 2006 haben die USA mit 313 929 verkauften BMW Deutschland mit 287 715 klar abgehängt.

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