"Gelber Engel" für ausgebrannte Satelliten

München - Gestrandet im Weltraum? Das Münchner Unternehmen Kayser-Threde entwickelt mit Partnern aus Spanien und Schweden ein System, das manövrierunfähige Satelliten als eine Art "Gelber Engel" im Orbit aus ihrer misslichen Lage befreien soll.

Telekommunikationssatelliten kosten hunderte Millionen Euro. Sie sind acht bis 15 Jahre im Einsatz und torkeln dann - wenn sie es nicht noch aus eigener Kraft zu einem "Weltraumfriedhof" in hohen Erdumlaufbahnen schaffen - als gefährlicher und wertloser Weltraumschrott um die Erde. Dabei sind sie meist völlig intakt - es fehlt ihnen nur der Treibstoff, um ihre Position und Ausrichtung im All immer wieder zu korrigieren. Es ist, als wären unsere Straßenränder mit eigentlich funktionsfähigen Autos vollgestellt, die wegen leerer Tanks aufgegeben wurden.

Den Satelliten ohne Sprit kann bald geholfen werden - von "Gelben Engeln" im Weltraum. An einem derartigen System eines Orbit-Life-Extension-Vehicle (Orbit-Lebensverlängerungs-Vehikel), kurz OLEV, arbeitet das Konsortium OSSL, ein Gemeinschaftsunternehmen von Kayser-Threde (München), SSC (Schweden) und SENER (Spanien). Das kann ein gutes Geschäft werden - und eine Art ADAC im Weltraum.

"Ein Telekommunikationssatellit bringt 30 bis 70 Millionen Euro im Jahr", rechnet Baard Eilertsen von OSSL. Geld das nicht mehr fließt, wenn der Tank leer ist. Anstatt mit hohem Aufwand den Satelliten zu ersetzen, könnte man ihm mit einer Art Außenbordmotor zu einem weiteren Leben im Orbit verhelfen.

Die Rettung sollte allerdings nicht teurer sein. Eilertsen kalkuliert mit 40 bis 50 Prozent dessen, was ein neuer Satellit kosten würde. Der "Gelbe Engel" im All muss erschwinglich bleiben. Deshalb plant man auch mit chinesischen und indischen Trägerraketen.

Und auch allen Versuchungen, aufwändige Zusatzfunktionen - etwa Roboter für Wartungsarbeiten - unterzubringen, müssen die Techniker widerstehen. Mehr als ein autarker Außenbordmotor mit allen dazu notwendigen Aggregaten wie Sonnensegel, Andockmechanik und Fernsteuerung soll OLEV nicht werden. Selbst auf eine elektrische Verbindung zum zu rettenden Satelliten wird verzichtet.

Ohnehin ist es schwierig genug, mit einem Raumfahrzeug an unterschiedlichen Satelliten - kaum einer gleicht dem anderen - anzudocken. Für die dafür notwendige Technik zeichnet Kayser-Threde verantwortlich. Man nutzt zwei Teile die alle Satelliten haben.

Am Anschlussring der den Satelliten mit der Rakete verband, die ihn ins All gebracht hat, setzen drei trapezförmige Ständer an, die ähnlich wie Puffer zwischen Eisenbahnwaggons Satellit und Hilfsmotor auf einen festgelegten Abstand halten.

Und die Antriebsdüse des manövrierunfähigen Satelliten - sie liegt in der Mitte des Rings - wird zu einer Art improvisierter Anhängerkupplung umfunktioniert.

Für weitere zwölf Jahre wird ein Satellit damit wieder manövrierfähig. OLEV kann aber, wenn andere Teile ausfallen, seinen "Kunden" auch zu einem Friedhof für ausgediente Raumfahrzeuge schleppen, dort abdocken um dann anderen Satelliten als Hilfsmotor zu dienen.

Auf 140 schätzt Eilertsen die Zahl funktionsfähiger Satelliten im All mit leeren Tanks, für die der Hilfsmotor OLEV auch wirtschaftlich interessant wäre. Weil Satellitenbetreiber für Raumfahrtverhältnisse als konservativ gelten, erwartet OSSL zunächst nur rund 20 Aufträge für den Rettungsdienst im Orbit.

"Wenn der erste funktioniert, bin ich sicher, dass weitere Interessenten kommen, sagt Eilertsen. Kayser-Threde-Chef Jürgen Breitkopf rechnet mit drei erfolgreichen Missionen die nötig sind, um weiteres Interesse zu wecken. Die Bewährungsprobe allerdings steht bevor. Der Vertrag über den ersten Satelliten-Rettungseinsatz im All ist unter Dach und Fach.

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