Das Geld der Anleger lockt die Unternehmen aufs Parkett

- München - Die steigenden Kurse zeigen: Nach wie vor pumpen Anleger zusätzliches Geld in die Börse. Und davon wollen immer mehr Unternehmen profitieren. Experten rechnen heuer mit doppelt so vielen Börsengängen wie 2005. Dabei sind auch prominente Namen im Spiel. Anleger sollten bei Neuemissionen trotzdem genau hinschauen, bevor sie zeichnen.

Mit dem Börsencrash zu Beginn dieses Jahrzehnts war der Aktienmarkt als Kapitalquelle für die Unternehmen ausgetrocknet. Kursstürze hatten viele Anleger abgeschreckt. Und wo es kaum Geld einzusammeln gab, wollte sich auch kein Unternehmen anbieten. Die Folge: Eineinhalb Jahre lang ging in Deutschland kein Unternehmen an die Börse, ehe 2004 die Mitteldeutschen Fahrradwerke ihr IPO ("Initial Public Offering") wagten und der Postbank die erste große Neuemission nach der Krise gelang. Damals reagierten die Anleger verhalten auf die neuen Aktien, die Postbank musste ihren Preis mehrfach senken. Inzwischen läuft es wieder rund im Neuemissionsgeschäft.

Nahmen 2004 nur fünf Unternehmen eine Neuemission im amtlichen oder geregelten Markt der Deutschen Börse vor, waren es im vergangenen Jahr 14. Heuer erwarten Experten 30 bis 40 Börsengänge. "Wenn die Börse sich in den ersten drei Monaten gut entwickelt, dürfte auch die Stimmung für die Börsengänge gut sein", glaubt ein Händler.

Mit der Primion Technology AG hat am vergangenen Montag bereits das erste Unternehmen in diesem Jahr den Schritt an den amtlichen Markt getan. Der erste Kurs lag etwas über dem Emissionspreis von 14,50 Euro, gestern notierte das Papier im Tagesverlauf leicht darunter. Doch die nächsten Kandidaten stehen bereit. So soll etwa das Chemieunternehmen Wacker im April oder Mai an den Markt kommen. Auch die Billig-Fluglinie Air Berlin und der Kabelfernsehbetreiber Kabel Deutschland könnten heuer aufs Kurstableau rutschen. Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon liebäugelt mit einem Börsengang seiner Speicherchip-Sparte. Dazu dürften jede Menge kleinerer Börsenneulinge kommen. Und auch die können für Anleger interessant sein.

Der erfolgreichste Börsengang der vergangenen Jahre war der eines Winzlings. Das Solarunternehmen Solarworld wagte 1999 mit einem Jahresumsatz von gut fünf Millionen Euro den Sprung auf den Markt. Inzwischen ist der Umsatz auf 200 Millionen Euro (im Jahr 2004) gestiegen und der Aktienkurs, der im Frühjahr 2003 bei etwa zwei Euro lag, auf etwa 215 Euro geschossen. Wer die Aktie seit der Erstnotierung im Depot hat, kann sich über ein Plus von gut 1500 Prozent freuen, wie "Finanztest" ermittelt hat. Dies zeugt von einem Solar-Boom, von dem auch Neuemissionen im vergangenen Jahr wie Q-Cells, Ersol und Conergy profitiert haben. Doch insgesamt seien viele Börsengänge kein gutes Geschäft gewesen, hat die Zeitschrift ermittelt.

Demnach kosteten fast die Hälfte aller Unternehmen aus den drei großen Börsenindizes Dax, M-Dax und Tec-Dax, die seit 1999 an die Börse gekommen sind, zum Jahresende 2005 weniger als bei ihrer Emission. Zu den Nieten zählen die Telekom-Tochter T-Online (minus 70 Prozent), Infineon (minus 78 Prozent), Medigene (minus 80 Prozent) und der Bezahlsender Premiere, der knapp ein Jahr nach seinem Börsengang nur noch etwa die Hälfte wert ist.

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