Geld bekommt nur, wer sich wehrt

München - Gammliges Brot am Frühstücksbuffet, Krabbeltiere im Hotelzimmer, eine offene Baugrube neben der Strandliege - hat eine Reise "wesentliche Mängel", so ist der Veranstalter schadenersatzpflichtig. Aber der genervte Urlauber muss schon vor Ort bestimmte Regeln einhalten und spätestens einen Monat nach der Rückkehr handeln.

Statt der erhofften Urlaubsfreude Ernüchterung und Stress - Realität für viele Urlauber. Wo Menschen im Urlaubsgewerbe tätig sind, werden Fehler gemacht. Oder aber Reiseveranstalter und/oder Hotelbesitzer nehmen ihre Aufgabe von vornherein nicht sonderlich ernst. Ganz nach dem Motto: Es wird sich schon keiner beschweren. Doch niemand muss solche Unannehmlichkeiten klaglos hinnehmen. Im Lauf der Jahre hat eine immer selbstbewusster auftretende Riege von Reisenden für Entscheidungen der Gerichte gesorgt, die zumindest im Nachhinein für Genugtuung gesorgt haben. Die aufgestellten Regeln können zwar nicht auf jeden Einzelfall übertragen werden. Sie bilden aber nützliche Anhaltspunkte für eigene Ansprüche.

Reklamation vor Ort

Die Reisenden müssen sich allerdings an Spielregeln halten, um nicht aus formalen Gründen abgewiesen zu werden. So ist es unerlässlich, Reklamationen am "Ort des Geschehens" vorzubringen: gegenüber der Reiseleitung. Dies ist schon deshalb angebracht, weil nur so die Chance besteht, Beanstandungen aufzugreifen und die Probleme zu lösen, etwa wenn der zugesagte "Meerblick" sich allenfalls mit verrenktem Hals erhaschen lässt.

Und es empfiehlt sich, die Beanstandungen bei der Reiseleitung nicht nur "vorzubringen", sondern auf Abhilfe zu drängen oder sich, falls das nicht möglich sein sollte, zumindest eine Bestätigung für den Mangel geben zu lassen. Diese Bestätigung ist spätestens bei der Rückkehr wichtig, wenn es darum geht, den Reiseveranstalter nachträglich zur Kasse zu bitten.

Reiseleiter einschalten

Der zweite Schritt muss spätestens einen Monat nach der Rückkehr folgen: Die Ansprüche müssen gegenüber dem Reiseveranstalter "geltend gemacht" werden. Das Reisebüro ist im Regelfall dabei behilflich.

Der Reiseveranstalter ist nach dem Gesetz "verpflichtet, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften hat und nicht mit Fehlern behaftet ist", so die Gesetzesfassung. Ist die Reiseleitung einer Aufforderung, für Abhilfe zu sorgen - beispielsweise ein Hotel der gebuchten Kategorie oder die angekündigte Zimmerqualität zu beschaffen -, nicht in angemessener Frist nachgekommen, so kann der Reisende sich selbst darum kümmern und den Zusatzaufwand vom Veranstalter ersetzt verlangen. In besonders schweren Fällen, etwa einem völlig überfüllten Hotel und der Zumutung, mit vier Personen ein kleines Zimmer teilen zu müssen, kann die Reise auch vorzeitig abgebrochen werden. Auch hier ist es aber auf jeden Fall ratsam, sich die Mängel vom Reiseleiter "offiziell" bestätigen zu lassen. Ein Schrieb des Hotelbesitzers reicht dafür nicht aus.

Reisepreis mindern

Statt der Abhilfe kann der Reisende - dies liegt in seinem Belieben - auch nachträglich eine Minderung des Reisepreises verlangen. Das heißt: Er nimmt die Unzulänglichkeiten hin (die er dennoch bei der Reiseleitung reklamieren muss), besteht aber nicht darauf, dass sie behoben werden - beziehungsweise er nimmt zur Kenntnis, dass im Augenblick nichts zu ändern ist. Nach der Rückkehr verlangt er eine Reisepreisminderung.

"Minderung" heißt Herabsetzung des Reisepreises. Da aber die Rechnung schon vorher beglichen wurde, kann der Kunde eine Rückzahlung verlangen. Dies geschieht im zweiten Schritt nach der Rückkehr nach Hause. Im Brief an den Reiseveranstalter werden die Beanstandungen noch einmal aufgelistet.

Schmerzensgeld

Neben der Minderung, also dem Schadenersatz, kann der Reisende Entschädigung für "vertanen Urlaub" geltend machen, wenn das Ziel des Urlaubs (oder auch nur ein Teil dieses Ziels, etwa ein Tauchkurs, der ausgefallen ist) nicht erreicht wurde. Das heißt: Der Urlauber kann in solchen Fällen einen Teil des Reisepreises und außerdem Geld dafür verlangen, dass er Zeit dafür aufgewandt hat, die er an sich anders nutzen wollte. Das gilt allerdings nach Auffassung vieler Gerichte nur dann, wenn die Urlaubsreise insgesamt mindestens zu 50 Prozent "mangelhaft" war. Die Berechnung solcher Entschädigungsansprüche (oft mit "Schmerzensgeld" bezeichnet) sind überaus kompliziert.

Spätestens müssen die Ansprüche zwei Jahre nach der Rückkehr aus dem Urlaub per Klage geltend gemacht worden sein, falls sich der Reiseveranstalter bis dahin noch nicht dazu hat durchringen können, den Wünschen seines Kunden nachzukommen. Wer später vor Gericht zieht, dem kann Verjährung entgegengehalten werden. Allerdings: Die Zwei-Jahres-Frist ist von den Reiseveranstaltern - gesetzlich erlaubt - im Regelfall auf ein Jahr reduziert worden.

Zur Höhe solcher Zahlungen haben die Gerichte die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt, die vom Ersatz des auf die Urlaubszeit entfallenden Nettoeinkommens (bei Nichterwerbstätigen: Höhe des Reisepreises) bis zu einer Pauschale von bis zu 65 Euro pro Tag reichen.

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