Geld, Gold und Gastgeber: WM plant mit 3,4 Milliarden Gewinn

- Leipzig - Die Fußball-WM 2006 in Deutschland, da ist sich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) schon heute sicher, wird ein voller Erfolg. Und wenn schon kein sportlicher, dann auf jeden Fall ein wirtschaftlicher. 3,4 Milliarden Euro Gewinn sowie rund acht Milliarden Euro Investitionen und damit Aufträge für deutsche Unternehmen, sagt eine aktuelle Studie der Universität Bochum voraus.

<P>Entsprechend gut gelaunt zeigte sich Clement bei der Eröffnung der Investitionskonferenz in Leipzig. Er erwarte einen "Auftragsschub für die deutschen Unternehmen und einen Schub in der Anwendung und Verbreitung neuer Technologien", sagte der Minister. Der dürfte sich auch für München auszahlen. Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees, sagte unserer Zeitung, er gehe davon aus, dass sich die WM positiv auf den Münchner Arbeitsmarkt auswirken werde.</P><P>In Leipzig informieren Vertreter aus Politik und Wirtschaft sich und andere zwei Tage über die Investitionschancen. Vertreten sind unter anderem Siemens, Meplan, Topexpert, Intergraph, Fraunhofer und Four Sports Consulting. Der Besuch in Leipzig könnte sich für sie lohnen, denn wenngleich ein Großteil der Aufträge schon vergeben ist, gibt es noch immer zahlreiche kostenträchtige Aufgaben zu verteilen - Projekte im Wert von 500 Millionen Euro, insbesondere in den Bereichen Dienstleistung, Kommunikation und Infrastruktur.</P><P>So bemüht sich Siemens um Aufträge für ein Verkehrsleitsystem, das den Verkehr bei Großveranstaltungen wie den WM-Spielen zentral erfassen und staufreier regeln soll. Ähnliches plant auch das Fraunhofer Institut mit digitalen Kamerasystemen, die Menschenströme vor den Fußballstadien messen und die Informationen an ein Leitsystem weiterleiten, das die Fußballfans dann intelligent verteilt. Ob das Institut den Zuschlag bekommt, ist offen.</P><P>Weitere lukrative Aufträge warten auf die Münchner Unternehmen. So sollen die Eintrittskarten für die WM-Spiele vorwiegend per Internet vertrieben und erstmalig mit personalisierten Chips ausgestattet werden, um Fälscher abzuschrecken und den bei großen Spielen sonst unvermeidlichen Schwarzmarkt auszutrocknen. Während diese Projekte noch nicht vergeben sind, freut sich die Baubranche schon jetzt über Großprojekte im Wert von über fünf Milliarden Euro. 1,5 Milliarden davon kosten alleine die Investitionen in die Modernisierung oder den Neubau der zwölf WM-Stadien, darunter die Münchner Arena. Der Rest gehört zu Zufahrtsstraßen, Personennahverkehr und Verkehrsleitsystemen.</P><P>Die Arenen sollen pünktlich in ungekanntem Glanz erscheinen, optisch und technisch neue Maßstäbe setzen und ganz nebenbei auch neue Einnahmerekorde erwirtschaften. Schon jetzt geben die Fans in den modernen Stadien wesentlich mehr Geld aus. Laut der Beratungsfirma Metrum sind es im Hamburger Stadion 28,30 Euro pro Besucher - der Liga-Schnitt liegt bei nur 17,30 Euro. Ein großer Teil der Stadionbesucher soll aus dem Ausland kommen und damit auch der Tourismusindustrie zu WM-Wachstum verhelfen.</P><P>Sollte es die deutsche Wirtschaft bis 2006 also nicht aus eigener Kraft auf die Beine schaffen - die WM wird es schon richten. Keiner formulierte das in Leipzig so treffend wie Gastgeber Klaus von Dohnanyi, wenn auch aus Versehen: "Nur selten bietet sich einem Land die Möglichkeit, Geld, Gold, Gastgeber der ganzen Welt zu sein." Eigentlich hatte er nur "Gastgeber" sagen wollen.</P>

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