Eine Gruppe von Millionären aus sieben Ländern will ihr Geld höher besteuert haben - zu Gunsten der Menschheit.
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Eine Gruppe von Millionären aus sieben Ländern will ihr Geld höher besteuert haben - zu Gunsten der Menschheit.

„Millionaires for Humanity“

Offener Brief: Millionäre fordern Reichensteuer für mehr Gerechtigkeit

  • Lena Bammert
    VonLena Bammert
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Ein internationaler Zusammenschluss von Millionären veröffentlichte einen offenen Brief. Sie wollen mehr Steuern bezahlen und damit die Welt gerechter machen.

München - Die allgemeine Menschenliebe kann viel erreichen. Sie allein reicht aber nicht aus, um gesellschaftlichen Wandel zu erzeugen. Das wissen auch die „Millionaires for Humanity“, ein internationales Netzwerk aus Multimillionären auf der ganzen Welt. Sie fordern daher jetzt mehr als Wohltätigkeit und Spenden, sie fordern Steuern. Genauer gesagt, eine höhere Besteuerung von Millionen- und Milliardenvermögen. Nur so könne man mehr Chancen, Teilhabe und Zukunftsinvestitionen für alle ermöglichen, heißt es in dem am Montag (14. Juni) veröffentlichtem offenen Brief.

„Millionaires for Humanity wollen sich selbst mehr besteuern

Neben der Wiedereinführung der Vermögenssteuer für Schwerreiche plädiert das Netzwerk auch für weitere Steuerreformen zu Gunsten der Gesamtbevölkerung, sowie für eine Verschärfung der Gesetze gegen Steuerhinterziehung: „Wir sind überzeugt, dass mehr Steuergerechtigkeit der zukunftsweisende Weg zu einer Gesellschaft ist, die sich an den Werten Gemeinwohl, Chancengleichheit und Zusammenhalt orientiert. Diejenigen, die viel besitzen, können einen höheren Beitrag leisten, um die großen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen.“ Schätzungen zufolge besitzt ein Prozent der deutschen Bevölkerung 35 Prozent des Gesamtvermögens. 40 Prozent haben demnach keine Rücklagen.

Zu Beginn des Briefs wird vor allem auf die Gefahren der Corona-Krise für Arme in den Bereichen Gesundheit und Bildung hingewiesen. Die Hilfsorganisation Oxfam, die diese Forderungen unterstützt, schätzt, dass infolge der Pandemie eine halbe Milliarde Menschen Gefahr laufen in die Armut zu geraten. Unterzeichner des offenen Briefs sind unter anderem die deutsche Start-up-Investorin Mariana Bozesan, der britische Filmschaffende Richard Curtis sowie der US-Amerikaner Jerry Greenfield, Mitgründer der Eismarke Ben and Jerry‘s.

OECD: Erbschafts- und Kapitalertragssteuer sind für eine Umverteilung wirksamer als Vermögenssteuer

Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard berichtet, haben heutzutage nur vier von 38 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Vermögenssteuer - vor dreißig Jahren war es noch jeder dritte Staat. Demnach hat die Abschaffung in vielen Ländern vor allem mit dem bürokratischen Mehraufwand zu tun. Das jährliche Gesamtvermögen von Individuen zu berechnen dauert. Laut einer Auswertung der OECD aus dem Jahr 2018 führten die Vermögensbesteuerungen zudem nicht zu der erhofften Umverteilung - Steuern auf hohe Erbschaften und Kapitalerträge hingegen schon. Auch bei diesen Steuern forderten die Briefunterzeichner Reformen „zur Förderung einer effektiven Vermögensbildung für alle“. (leb)

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